ROMANSHORN: Viele fahren auf den Bus ab

Seit letztem Jahr läuft ein Versuch mit einem verdichteten Busfahrplan im Oberthurgau. Das neue Angebot kommt gut an. Der Blick in die Zukunft bereitet den Verantwortlichen trotzdem Sorgen.

Markus Schoch
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Ein AOT-Bus fährt die Haltestelle in Steineloh an auf dem Weg Richtung Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

Ein AOT-Bus fährt die Haltestelle in Steineloh an auf dem Weg Richtung Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Jetzt liegen die ersten Zahlen vor. Und sie sind für Peter Dürrenmatt sehr erfreulich. Der seit einem Jahr laufende Versuchsbetrieb mit einem dichteren Fahrplan in der Region sei gut angelaufen, sagt der Geschäftsführer der Autokurse Oberthurgau AG (AOT). Gleicher Meinung ist Stephan Tobler, der Gemeindepräsident von Neukirch-Egnach und Vizepräsident der AOT. «Die Auslastung ist in einer befriedigenden Höhe.» Der Romanshorner Stadtrat Urs Oberholzer spricht von einer über Erwarten guten Entwicklung. «Die erhoffte und nötige Wirkung ist eingetreten.»

Auf der Linie Amriswil–Romanshorn–Arbon stieg die Zahl der Passagiere 2016 im Vergleich mit dem Vorjahr um fast 68 Prozent auf insgesamt 455000 Personen. Der Zuwachs entspricht anteilmässig ziemlich genau den zusätzlichen Kilometern, die von den Chauffeuren der AOT im letzten Jahr auf dieser Strecke gefahren wurden (322644 statt 191414).

Ein deutlich kleineres Plus gab es auf der Linie Amriswil–Arbon: Rund 20 Prozent mehr Fahrgäste stiegen hier im letzten Jahr zu. Das Angebot wurde allerdings auch nicht im gleichen Mass ausgebaut. Die Busse legten bloss 33 Prozent mehr Kilometer zwischen den beiden Städten zurück. Zudem passierte die Verdichtung des Fahrplans nicht in den Hauptverkehrszeiten, sondern tagsüber, sagt Dürrenmatt.

Kanton zahlte im ersten Jahr 840000 Franken mehr

Die besseren Busverbindungen im Oberthurgau haben ihren Preis: Der Kanton als Besteller der Leistungen überwies der AOT 2016 insgesamt 2,24 Millionen Franken als Abgeltung – das sind rund 840000 Franken mehr als 2015. Die Hälfte dieser zusätzlichen Kosten übernehmen die sieben Gemeinden und Städte, die vom besseren Busangebot profitieren. Ursprünglich war die Rede von einem deutlich höheren Betrag, den der Versuchsbetrieb insgesamt kostet: Als die Romanshorner 2014 über die finanzielle Beteiligung im Umfang von 187000 Franken jährlich abstimmten, sprach der Stadtrat von jährlich 1,13 Millionen Franken.

Tatsächlich müssen die AOT jetzt mit erheblich weniger Geld auskommen. Die finanziell gute Situation des Verkehrsbetriebes war in den konkreten Verhandlungen mit dem Kanton kein Vorteil: Ende 2015 belief sich Bilanzgewinn des Unternehmens auf über 2 Millionen Franken. Auch der Bund zahlte im letzten Jahr rund 100000 Franken weniger als 2015 an die AOT. Diese schrieb 2016 trotzdem schwarze Zahlen: Der Gewinn beläuft sich auf rund 570000 Franken und das Eigenkapital auf 4 Millionen Franken.

Der Versuchsbetrieb ist auf drei Jahre befristet. Wie es danach weiter geht, muss noch in diesem Jahr entschieden werden. Die zuständigen Stellen beim Kanton wollen dem Regierungsrat nach den Sommerferien entsprechende Anträge unterbreiten. Die Ausgangslage für die Überführung des Provisoriums in eine definitive Lösung sei grundsätzlich gut, sagt Tobler. «Aus meiner Sicht wird der Kanton die Linien definitiv bestellen.» Zuversichtlich ist auch Oberholzer. Damit würden aber auch die Kosten für die Abgeltung steigen, sagt Tobler. «Das war uns jedoch von Beginn weg bewusst.»

Verkehrskonzept stösst auf Skepsis

Bauchweh bereitet dem AOT-Verwaltungsrat das neue Konzept des Kantons für den Regionalverkehr in den Jahren 2019 bis 2024. Die finanziellen Folgen für die Städte und Gemeinden seien erheblich, schreibt AOT-Präsident Martin Salvisberg im neuesten Geschäftsbericht. Amriswil müsste am Schluss 64 Prozent mehr Abgeltungen zahlen, im Fall von Romanshorn wären es sogar 68 Prozent, was der Stadtrat als untragbar zurückwies. Grund ist unter anderem die Neuregelung der Finanzflüsse, die vom Volk mit dem Ja zur Fabi-Vorlage beschlossen wurde.