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ROMANSHORN: Übler Mobbingstreit rund um Coop Pronto

Heute nachmittag veranstaltet die Unia einen Protest vor der Coop-Tankstelle in Romanshorn. Mehrere Mitarbeiter sollen gemobbt worden sein und sich in ärztlicher Behandlung befinden.
Tanja von Arx
"Zustände wie in Nordkorea": In der Coop-Tankstelle Romanshorn lief offenbar nicht immer alles rund. (Bild: Reto Martin)

"Zustände wie in Nordkorea": In der Coop-Tankstelle Romanshorn lief offenbar nicht immer alles rund. (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. Er nennt es eine Schikane, psychischen Terror und es kam ihm nach eigener Aussage vor wie Zustände in Nordkorea. «Man kann es fast nicht glauben», sagt Drilon Lenjani. Der Angestellte im Coop Pronto Romanshorn erinnert sich an eine Situation, in der er vergass, ein Telefon zu machen: Er erhielt deshalb seinen Lohn fünf Tage später, wie er sagt. Als junger Papa sei er darauf angewiesen. «Ich konnte keine Milch für mein Kind kaufen.» Heute protestiert er vor dem Shop.

"Von Fertigmachen bis zu Drohen"

Denn das ist bei Weitem nicht alles. Drilan Lenjani ist offenbar nicht der Einzige, der es schwer hatte in der Tankstelle. Seit dem Inhaber-Wechsel seien praktisch alle Mitarbeiter gemobbt worden – von Fertigmachen bis hin zu Drohen, sagt der vorübergehend arbeitsunfähige Lenjani. Der Geschäftsleiter habe Mitarbeiter herumgeschubst, ihnen auf den Nacken geschlagen und über eine rumänische Angestellte zu den Kunden gesagt: «Die können Sie gerade auch noch kaufen.»

Zwei Mitarbeiter hat ein Arzt wegen Mobbing krankgeschrieben. Ein Angestellter ist in psychologischer Behandlung – ihm wurde akute Selbstmordgefahr attestiert. Zudem haben zwei Personen in der Tankstelle angefangen zu arbeiten, aber gleich wieder gekündigt. Eine von ihnen hatte sich geweigert, andere auszuspionieren.

Mitarbeiterin informiert Unia

«Die Situation scheint wirklich sehr schlimm zu sein», sagt Stefan Brülisauer, Sektionsleiter der Unia Thurgau. Über eine Mitarbeiterin gelangten die Vorfälle an die Gewerkschaft. Die stellvertretende Geschäftsleiterin hatte sich gewehrt, weil die Geschäftsleitung ihr die Position aberkennen und sie als Verkäuferin beschäftigen wollte. Die Gründe waren für die Frau nicht nachvollziehbar. «Sie erhält dadurch weniger Lohn», sagt Brülisauer.

Für die Mitarbeiterin sei der Zustand nicht auszuhalten gewesen. Der Arzt schrieb sie krank. Als sie bei der Versicherung Taggelder beziehen wollte, lehnte die zuständige Stelle ab mit der Begründung, sie sei gekündigt worden. Die Mitarbeiterin hatte die Kündigung aber nicht erhalten. Die Unia bot das Arbeitsinspektorat auf, um zu klären, ob das rechtens sei. «Sie haben ihr nicht die Stelle gekündigt, sondern die Position», sagt Stefan Brülisauer.

Des weiteren hat die Unia das Arbeitsinspektorat gebeten zu prüfen, ob eine Verletzung des Arbeitsgesetzes vorliege. Die Mitarbeiter hätten neun Stunden ohne Pause und ohne einen freien Tag in der Woche arbeiten müssen. Lediglich eine Rauchpause zwischendurch sei erlaubt gewesen, sagt Gewerkschafter Brülisauer.

«Dazu gebe ich keine Auskunft»

Zu den Vorwürfen sagt der Tankstellen-Geschäftsleiter auf Anfrage unserer Zeitung: «Dazu gebe ich keine Auskunft.» Stattdessen verweist er auf die Coop-Pronto-Medienstelle.

Zwei Angestellte meldeten die Probleme dem Coop-Regionalleiter mehrmals per Telefon. Es sei aber nichts passiert, sagt Brülisauer. Coop-Mediensprecherin Sabine Schenker sagt gegenüber unserer Zeitung: «Der Regionalleiter machte darauf aufmerksam, dass er nicht der Chef des Shop-Unternehmers sei.» Die Coop-Pronto-Shops würden im Franchise-System geführt, und gegenüber Coop trete der Shop-Unternehmer als selbständiger Unternehmer auf.

Die Mediensprecherin sagt weiter: «Der Regionalleiter bot den beiden Mitarbeitern ein gemeinsames Gespräch mit dem Shop-Unternehmer an. Sie gingen jedoch nicht darauf ein, und er hörte nichts mehr von ihnen.» Der Regionalleiter stehe für das Gespräch noch immer zur Verfügung, sagt Schenker.

Coop soll umgehend handeln

Das ist für die Unia nicht zufriedenstellend. «Coop steht in der Verantwortung», sagt Thurgau-Sektionsleiter Stefan Brülisauer. Mit dem Protest heute Nachmittag erhofft sich die Gewerkschaft, das Unternehmen dazu zu bewegen, einzuschreiten.

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