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ROMANSHORN: Überraschende Kehrtwende

Der Gemeinderat will entgegen dem Willen der Stimmbürger auf einen Laden im neuen Mehrzweckgebäude verzichten. Die Ausgangslage habe sich grundlegend geändert, sagt die Behörde.
Markus Schoch
Für den Volg am Zentrumsplatz wird es im neuen Mehrzweckgebäude keinen Platz geben. (Bild: Nana do Carmo (23. Januar 2015))

Für den Volg am Zentrumsplatz wird es im neuen Mehrzweckgebäude keinen Platz geben. (Bild: Nana do Carmo (23. Januar 2015))

ROMANSHORN. Es war ein grosser Streitpunkt vor zwei Jahren, ob im neuen Mehrzweckgebäude Platz für den Volg geschaffen werden soll oder nicht. Die Primarschulgemeinde als direkte Nachbarin war dagegen, weil sie «lästige Immissionen» befürchtete. Andere Uttwiler bekämpften die Pläne ebenfalls, weil sie wollten, dass der Volg am Zentrumsplatz bleibt und dort für Leben sorgt.

Eine Mehrheit der Stimmbürger entschied an der Gemeindeversammlung im November 2014 dann aber anders. Nicht unerheblich war die leise Drohung des Volg-Vertreters, der durchblicken liess, dass Uttwil keine Wahl habe: Entweder komme der Laden ins neue Mehrzweckgebäude – oder das Dorf habe bald keine Einkaufsmöglichkeit mehr.

Die Ausgangslage hat sich geändert

Doch jetzt kommt doch alles anders. Der Gemeinderat hat beschlossen, auf einen Laden zu verzichten, der im Siegerprojekt des vor einem Jahr entschiedenen Architekturwettbewerbs noch vorgesehen war.

Die Ausgangslage habe sich geändert, sagt Gemeindepräsident Stephan Good. Der Volg am Zentrumsplatz sei Anfang Jahr umgebaut worden. Volg selber liess sich die Neugestaltung 400 000 Franken kosten, 100 000 Franken warf Liegenschaftenbesitzer Marcel Gmünder auf. Der Mietvertrag läuft fünf Jahre, und es gibt die Option, ihn dreimal um jeweils fünf Jahre zu verlängern. Gmünder geht davon aus, dass Volg von der Option zumindest teilweise Gebrauch machen wird, um die Investition amortisieren zu können. Zumal die Filiale in Uttwil gut laufe, wie er sagt. Einen zweiten Laden in unmittelbarer Nähe zu eröffnen mache keinen Sinn, sagt Good.

Doch das ist nicht der einzige Grund fürs Umdenken des Gemeinderates. Es braucht im neuen Mehrzweckgebäude auch mehr Platz als erwartet für die Haustechnik. Im Wettbewerbsprogramm der Gemeinde waren 20 Quadratmeter vorgesehen – nötig sind aber rund 80, wie sich im Verlauf der Planung gezeigt hat. Vor allem wegen der künstlichen Lüftung, erklärt der verantwortliche Architekt Stefan Kurath von Urbanplus in Zürich. Dafür hätte aber zusätzlicher Raum unter der Erde geschaffen werden müssen. Kosten: Rund 300 000 Franken. Und weil schon die Umgebungsarbeiten rund 500 000 Franken über den ersten Annahmen liegen, zog die Behörde unter Berücksichtigung aller Fakten schliesslich die Reissleine: Sie will auf den Laden verzichten, womit es im Erdgeschoss des neuen Mehrzweckgebäudes Fläche für die technischen Einrichtungen gibt. Am übrigen Raumprogramm gibt es kaum Abstriche. «Wir verzichten auf eine Galerie, ansonsten gibt es keine wesentlichen Änderungen zum ursprünglichen Projekt», sagt Good.

Gemeinderat kann hinter Projekt stehen

Es habe zwar länger als gedacht gedauert. «Es brauchte aber diese Zeit, und ich bin froh, dass wir sie uns genommen haben. Wir haben ein Projekt, hinter dem der Gemeinderat stehen kann.» Allerdings ist es ein anderes als von den Uttwilern verlangt. Good ist sich dessen bewusst, hält die Kehrtwende aber für «vertretbar und ehrlicher» gegenüber den Stimmbürgern. Ob diese gleicher Meinung sind, wird sich spätestens bei der Abstimmung über den Baukredit voraussichtlich im nächsten Frühling zeigen. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht bestimmt. Klar ist schon jetzt, dass der seinerzeit bewilligte Wettbewerbskredit in der Höhe von 160 000 Franken nicht reicht. «Für die weitere Bearbeitung wurden noch finanzielle Mittel gebraucht, welche in der Kompetenz des Gemeinderates lagen», sagt Good. Die effektiven Kosten liegen noch nicht vor. Sie werden erst mit der Rechnung 2016 ersichtlich sein.

Primarschule ist bereit zur Landabtretung

Die Primarschulbehörde ist erfreut über die neueste Entwicklung. «Wir begrüssen den Entscheid des Gemeinderates», sagt Schulpräsidentin Rebecca Hirt. Dem Bauprojekt gegenüber habe die Behörde eine neutrale Haltung. Und sie werde der Politischen Gemeinde auch rund 300 Quadratmeter Land zur Verfügung stellen, damit die neue Mehrzweckhalle gebaut werden könne. Es seien jetzt noch Detailfragen zu klären. «Es ist uns wichtig, dass die Aussenbereich wie der Spielplatz beim unteren Schulhaus erhalten bleiben», sagt Hirt. Im Falle einer Einigung sollen die Schulbürger im Anschluss an die Abstimmung über den Baukredit für die neue Mehrzweckhalle über die Landabtretung entscheiden können.

Die Behörden der Primarschule Uttwil und der Sek Dozwil-Kesswil würden bedauern, dass auch beim überarbeiteten Projekt die Möglichkeit nicht geprüft wurde, den Jugendtreff ins Raumkonzept zu integrieren, sagt Hirt. Der Jugendtreff ist gegenwärtig im Luftschutzkeller der Primarschule untergebracht.

Stephan Good Gemeindepräsident (Bild: PD)

Stephan Good Gemeindepräsident (Bild: PD)

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