ROMANSHORN: Überglücklich und tieftraurig

Im letzten Jahr hat Urs Köppel mit der Auszeichnung zum Lehrmeister des Jahres den Höhepunkt seines Berufslebens erreicht. Jetzt übergibt der 63-Jährige sein Confiserie-Geschäft in neue Hände.

Markus Schoch
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Sie haben sich nach langem Suchen schliesslich gefunden: Urs und Bernadette Köppel sowie Alexandra und Samuel Sztabholz. (Bild: Markus Schoch)

Sie haben sich nach langem Suchen schliesslich gefunden: Urs und Bernadette Köppel sowie Alexandra und Samuel Sztabholz. (Bild: Markus Schoch)

Sie standen von morgens früh bis in alle Nacht sechs Tage in der Woche im Betrieb und nahmen jeden einzelnen Tag, als wäre es ihr erster als Unternehmer. Nach fast 30 Jahren in Romanshorn ist jetzt Schluss. Urs Köppel und seine Frau Bernadette gehen in Pension. Sie haben ihre Konditorei-Confiserie mit Café an Alexandra und Samuel Sztabholz verkauft. Ab Anfang Mai übernimmt das Ehepaar das Traditionshaus, dessen fünfte Besitzer sie in der 100-jährigen Geschichte sind.

Beide Seiten hatten lange gesucht und sich am Schluss gefunden. Köppel verlor nach erfolglosen Verhandlungen zwischendurch die Hoffnung, doch er gab nicht auf, weil er um jeden Preis verhindern wollte, dass es mit seinem Geschäft nicht weiter geht, das er und seine Frau seit 1988 mit viel Herzblut und Erfolg führen. Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Mit dem Ehepaar Sztabholz haben sie die Nachfolger getroffen, die ihrem Betrieb eine Zukunft geben. Und für die ebenfalls ein Traum in Erfüllung geht.

Es war Liebe auf den ersten Blick

«Wir haben uns fünf Jahre lang vergeblich in der ganzen Schweiz nach einem geeigneten Objekt umgesehen», sagt Alexandra Sztabholz. Dass sie jetzt in die Fussstapfen von Urs und Bernadette Köppel treten können, sei ein Glücksfall. Sie hätten beim ersten Besuch des Ladens sofort gespürt, dass sie dort angekommen seien, wo sie schon immer hin wollten. «Erst später, als uns von allen Seiten gratuliert wurde, haben wir realisiert, wie gut der Ruf des Betriebes ist.»

Alexandra Sztabholz und ihr französischer Mann Samuel bringen Erfahrung aus den besten Häusern im In- und Ausland mit. Sie als Köchin beispielsweise im 5-Sterne-Plus-Hotel Palafitte in Neuenburg, er als Patissier beim Gourmet-Restaurant von Vreni Giger in St. Gallen oder einem 2-Sterne-Restaurant in Brüssel.

Die neuen Besitzer wollen da weiter machen, wo Urs und Bernadette Köppel in wenigen Wochen aufhören: Sie übernehmen den Namen, das Personal und das Konzept. Dem Betrieb wollen sie erst nach und nach ihre eigene Handschrift aufdrücken. In den ersten zwei-drei Monaten hilft ihnen noch Urs Köppel, der im Moment überglücklich und tieftraurig zugleich ist. Überglücklich, weil er das Ende seiner Konditorei-Confiserie abwenden konnte, die auch immer diejenige seiner Frau war. «Ohne sie wäre es nicht gegangen.» Tieftraurig, weil er sein Lebenswerk aus den Händen gegeben hat. Auch wenn er genau weiss: «Es kommt kein besserer Moment.» Und es gibt auch keinen besseren Moment, um Urs Köppel zum Entscheid zu gratulieren: Er hat heute Geburtstag.