ROMANSHORN: Stadtrat tritt beim Bus auf die Bremse

Die Pläne des Stadtrates sehen eine neue Linienführung des AOT-Kurses im Zentrum vor. Voraussichtlich geht es nicht so schnell wie vorgesehen – wenn überhaupt.

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Es war eine kurze Notiz, die vermutlich Hunderte hoffen liess. Letzte Woche teilte der Stadtrat in knappen Worten mit, dass er das Buskonzept in einzelnen Punkten überarbeiten werde.

Die Pläne sind umstritten, weil die Linienführung ändert. Der Bus soll künftig auf der Bahnhofstrasse ins Zentrum fahren und nicht mehr auf der Salmsa­cherstrasse, wo die Haltestelle wegfallen würde, ebenso wie diejenige direkt vor dem Coop. Eine Gruppe Romanshorner kämpft für deren Erhalt und hat über 800 Unterschriften gesammelt, um der Forderung Nachdruck zu verleihen. An einer Informationsveranstaltung Mitte Juni verlangten die Initianten des Protestes einen «Übungsabbruch».

Die Gegner der neuen Busroute können vorerst aufatmen. «Wir werden mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nicht sofort umstellen», sagt der zuständige Stadtrat Urs Oberholzer. Vorgesehen war, das Konzept bereits mit dem Fahrplanwechsel 2018 umzusetzen. Es wäre ein Systemwechsel: Nicht mehr einzelne Gebäude im Zentrum sollen erschlossen werden, sondern funktionale Räume, wofür es vier neue Haltestellen geben soll. Grundlage ist der Richtplan, den der Stadtrat im August 2015 in die Vernehmlassung geschickt hatte.

Neue Ausgangslage an der Bahnhofstrasse

Die negativen Reaktionen aus der Bevölkerung seien nur ein Grund, warum die Behörde jetzt nochmals über die Bücher gehe, sagt Oberholzer. Die Ausgangslage sei zwischenzeitlich auch eine ganz andere. Die Bahnhofstrasse gehöre seit Kurzem der Stadt. Sie ist Teil eines Tauschgeschäftes mit dem Kanton, das die Stimmbürger im Mai abgesegnet hatten. «Wir werden uns überlegen müssen, wie wir die Bahnhofstrasse nutzen und gestalten wollen.» Es sei in dieser Situation «vielleicht nicht schlau, ausgerechnet dort ein Bushäuschen zu bauen, das wir unter Umständen in zwei oder drei Jahren nicht mehr brauchen, weil es dann möglicherweise am falschen Ort steht». Die Pläne sehen eine neue Haltestelle im Bereich Gemeindehaus/Kino vor.

Der Stadtrat muss bereits bis im August definitiv entscheiden, wo genau die Busse in gut eineinhalb Jahren durchfahren sollen. Was die Behörde bereits jetzt weiss: Die Haltestelle an der Salmsacherstrasse nutzen im Schnitt zwei bis drei Personen. Ob es allenfalls besser frequentierte Zu- und Ausstiegspunkte gäbe, erfährt der Stadtrat in ein paar Tagen. Mitte Juli sollte eine Studie vorliegen, die ein Planungsbüro erarbeitet hat und Antwort darauf gibt, mit welcher Linienführung des Busses und welchen Stopps wie viele Passagiere wo abgeholt werden könnten. Die Expertise macht aber auch Aussagen zu den Kosten und geht auf die technische Machbarkeit verschiedener Rou­ten ein. Die Befürworter der heutigen Lösung kritisieren, die vom Stadtrat ins Spiel gebrachte Variante sei unausgegoren. Enge Strassenradien seien für die Busse und die übrigen Verkehrsteilnehmer ein Sicherheitsproblem.

Der Widerstand habe ihn nicht überrascht, sagt Oberholzer. Es sei verständlich, dass sich jemand wehre, wenn man ihm etwas wegnehmen wolle. Als Vertreter der Stadt habe er aber den Auftrag, die beste Lösung für die ganze Bevölkerung zu suchen. «Wir wollen aber nichts durchstieren», verspricht er.

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch