ROMANSHORN: Sand im Getriebe

Die Hafenstadt hat im ablaufenden Jahr einige Schritte vorwärts gemacht. Doch das politische Klima ist wieder rauher geworden.

Markus Schoch
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Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Es ist im Moment ein bisschen verkehrte Welt in Romanshorn. Jahrelang hatten es Schulhausprojekte in Romanshorn schwer. 2016 genehmigten die Stimmbürger aber gleich zwei Baukredite in der Höhe von rund 24 Millionen Franken, ohne mit der Wimper zu zucken: Die Sek kann einen Ersatzneubau im Weitenzelg-Areal realisieren und die Primarschule ein Quartierschulhaus im Grund erstellen.

Dafür ist plötzlich bei der politischen Gemeinde Sand im Getriebe, nachdem es ihr in der jüngsten Vergangenheit wie geschmiert gelaufen ist. Die Stimmbürger bremsten den Stadtrat Ende Jahr gleich zweimal aus: ­Zuerst sagten sie Nein zu einer Steuerfusserhöhung um zwei Prozentpunkte. Und dann wollten sie auch nichts wissen von einer Mietlösung für eine zen­trale Verwaltung im ehemaligen Postgebäude.

Für die Behörde eine Erfahrung, die sie lange nicht mehr ­gemacht hat. Statt Applaus gibt es Buhrufe.

Die einen wollen Resultate sehen, die anderen sparen

Der Stadtrat ist in einer Zwickmühle: Ein Teil der Bevölkerung ist unzufrieden, weil in den letzten Jahren nur geplant und geredet worden sei, wie es in Leserbriefen heisst. Die betreffenden Personen wollen endlich Resultate sehen. Doch diese Resultate haben ihren Preis, der einem anderen Teil der Bevölkerung viel zu hoch ist. Zu ihnen gehört die CVP, für die es unverständlich ist, dass die Stadt in den nächsten Jahren so viel Geld für Projekte ausgeben will, das sie nicht hat. Die Partei verlangt von der Behörde mit anderen zusammen, angesichts der «alarmierenden Aussichten» die Finanzen in Ordnung zu bringen. Genau das will der Stadtrat jetzt auch machen. Es bleibt ihm keine andere Wahl.

Dass die Stimmung zu kippen droht, hat vielleicht auch damit zu tun, dass es andernorts ebenfalls harzt. Der Umbau und die Renovation des Massivlagerhauses für 46 Millionen Franken ist durch Einsprachen blockiert, und auch dem Erlebnis-Spielplatz der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt auf der Bunkerwiese ist Widerstand erwachsen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Doch Romanshorn steht nicht still. Es gibt grössere und kleinere Zeichen der Entwicklung: Die Fatzer AG beispiels­weise hat in den letzten Jahren 70 Millionen Franken in den neuen Produktionsstandort im Industriequartier investiert, dank einer Traglufthalle kann man seit kurzem im 25-Meter-Becken auch im Winter baden, das Autobau ist durch den Ausbau des ­riesigen Tankes noch attrakti­­ ver, und an der Alleestrasse gibt es mit dem «Kaffee Franzl» und der «Sichtbar »neues Leben. Goldschmied Werner Zürcher sagt über Romanshorn: «Der Standort ist sensationell. Es ist alles da.» Und damit meint er auch alles, um glücklich zu sein.