ROMANSHORN: Premiere mit Wortakrobaten

Gelungener Start für das neue Bistrokomitee: Mit grandiosen Reimen und schnellen, witzigen Songs begeistert der Schweizer Roger Stein das Publikum am Samstagabend in der Primarschulaula.

Drucken
Teilen
Roger Stein musste drei Zugaben geben. (Bild: Markus Bösch)

Roger Stein musste drei Zugaben geben. (Bild: Markus Bösch)

Es ist die Zeit, die vorbeigeht wie im Flug, die Sekunden und Stunden, die wir brauchen, um auf der Erde zu sein, und deren Vergänglichkeit uns bewusst wird, wenn wir uns und die anderen im Spiegel sehen: So heisst es in einem Lied von Roger Stein. Und schon ist er mittendrin bei der musikalisch-hämischen Schilderung des Klassentreffens, wo er sich an seine erste Liebe erinnert, jene Frau, die «jetzt dasteht mit einem dumpfen Reihenhausgesicht». So musikalisch leicht die Songs, Lieder und Balladen mit Klavier und Loop daherkommen, so hart sind zuweilen deren Inhalte – etwa wenn der gebürtige Schweizer Roger Stein, der seit zwölf Jahren in Berlin lebt, von einer Hochzeit singt, wo die Beteiligten wohl besser Nein sagen würden, oder wenn er auf die alltäglich-gewollte Überwachung aufmerksam macht. Und immer wieder versöhnt er dann sich und die Welt trotzdem mit herzerwärmend-melancholischen Liedern, die eine Familiengeschichte aus dem Berner Oberland («1890»), einen Herzenswunsch («Alfred») oder auch eine Lovestory («Salz») erzählen.

Dass Stein sich der Sprache und Musik mächtig weiss, verlangt den Besuchern einiges ab an Konzentration, kommt nichtsdestotrotz an, wenn er fliessend vom Dialekt ins Hochdeutsche wechselt und wenn er sich mit einem leisen Lied verabschiedet. Und dann trotzdem noch zu drei weiteren ansetzt, weil ihn das Publikum nicht ohne Zugabe von der Bühne lässt. Dem neuen Bistrokomitee (Judith Goldinger, Monika und Daniel Anthenien, Brigitte und Harald Senn und Nicole Felix) jedenfalls ist der Einstand gelungen.

Markus Bösch

romanshorn@thurgauerzeitung.ch