ROMANSHORN: «Plötzlich ohne Restaurant»

Die Verhandlungen über das Hafen-Hotel von Hermann Hess haben zwischenzeitlich eine unerwartete Wendung genommen. Der letzte Knackpunkt ist der Preis, sagt Stadtpräsident David H. Bon.

Markus Schoch
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Blick auf die Hafenpromenade. Im Bereich der Tanne ist das Hotel von Hermann Hess geplant. (Bild: Manuel Nagel)

Blick auf die Hafenpromenade. Im Bereich der Tanne ist das Hotel von Hermann Hess geplant. (Bild: Manuel Nagel)

Herr Bon, wird es dieses Jahr noch eine Abstimmung geben?

Nein, dieses Jahr sicher nicht.

Wird es überhaupt je eine Abstimmung geben?

Ob es eine Abstimmung geben wird, hängt davon ab, ob die letzten offenen Fragen für beide Seiten zufriedenstellend gelöst werden können. Frühester nächster Termin wäre der 12. Februar 2017.

Hat sich der Stadtrat eine Frist gesetzt, bis wann er mit Hermann Hess spätestens eine Einigung erzielt haben will? Oder anders gefragt: Gibt es eine Deadline für die Verhandlungen?

Nein. Die Stadt hat weder Eile noch Handlungsdruck und kann sich dem Rhythmus eines Käufers anpassen. Deshalb schreiben wir auch nicht aus, sind aber nach wie vor offen für seriöse Interessenten. Das Areal ist zu bedeutend. Ein Geschäft dieser Dimension muss ausgereift sein, bevor wir es der Bevölkerung vorlegen.

Der Stadtrat hat im letzten Dezember entschieden, dass die Grundsatzfrage zum Hotel-Projekt in einer Volksabstimmung geklärt werden soll. Warum dauert es so lange, eine Vorlage auszuarbeiten?

Wir hatten damals sehr schnell die von Hess Immobilien immer wieder erwähnten Eckpunkte in einem Entwurf festgehalten. Dann ging auf der Gegenseite das grosse Nachkalkulieren los, Rechtskonsulenten bestätigten die grossen Herausforderungen mit einem Projekt, das so weit von der bestehenden Grundordnung abweicht. Diese Punkte waren zwar schon lange bekannt, es ist aber gerechtfertigt, alles genau und schriftlich abzuklären, bevor man konkret einsteigt. Wir hatten deshalb Verständnis und wie gesagt selber keine Eile.

Was sind die Knackpunkte?

Einer der grossen Knackpunkte war, dass Hess Immobilien die vertraglich definierten Vorgaben zum Hotelprojekt aufweichen wollte. Nachdem wie von Hess Immobilien ursprünglich vorgeschlagen ein Hotel im oberen Drei-Sterne-Segment im Vertrag stand, hätte es plötzlich ein Garni ohne Restaurant werden sollen. Dann schlug Herr Hess im Frühjahr plötzlich eine Umzonung vor. Das wäre aber politisch wie aus Gründen der Rechtssicherheit aussichtslos. Wir haben das dem Stadtrat gar nicht erst vorgelegt. Die Formulierungen zum Betriebskonzept konnten nun aber bereinigt werden.

Und wie sieht es mit dem Preis aus?

Dieser wurde Ende letzten Jahres einmal rudimentär gemäss dem Kauf der Hafenpromenade von den SBB auf 450 Franken pro Quadratmeter festgelegt. Nun ist aber viel Zeit ins Land gegangen. Wegen des Harmonisierten Rechnungsmodells 2 mussten wir alle Liegenschaften schätzen lassen, wobei für die Hafenpromenade ein Quadratmeterpreis von 555 Franken resultiert. Der sich daraus ergebende Buchwert ist nicht in unserem Interesse, weil wir später entsprechend höhere Abschreibungen hätten. Wir können aber den Preis nicht beliebig festsetzen. Dann ist pikant, was Herr Hess an der Parteiversammlung der SP im Frühjahr öffentlich gesagt hat.

Nämlich?

Dass er bereit wäre, 500 Franken zu bezahlen. Das wäre eigentlich ein Kompromiss. Wir müssen mit dem Grundstück nichts verdienen, können aber einen Abschlag von 100 Franken pro Quadratmeter auch nicht einfach so rechtfertigen. Deshalb werden wir nun erst ein neues Gutachten zur Schätzung des Landwertes in Auftrag geben in der Hoffnung, dass dieser tiefer zu liegen kommt.

Sind Sie zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird?

Wir konnten mittlerweile alle Punkte bis auf den Preis bereinigen und sind nach wie vor zuversichtlich, dass wir auch diesen lösen werden. Dann kommt es zur Abstimmung.

Ist Hermann Hess immer noch der einzige, der am Hafen ein Hotel bauen will?

Wir hatten immer wieder unverbindliche Anfragen, selbst für ein Hotel im Baurecht. Schriftlich und verbindlich liegt aber nichts vor. In diesem Sinne ist er der einzige seriöse Interessent mit überprüfbarem Angebot. Es gibt auch Interessenten, die Herrn Hess nicht dreinpfuschen wollen und vorerst abwarten.