ROMANSHORN: Neue Ideen für Brücke und Hotel

Die Stadt möchte im Bereich des «Volksgarten» für 17 Millionen Franken eine Velo- und Fussgängerverbindung über die Gleise an den See bauen. Vier örtliche Architekten stellen zwei Alternativen zur Diskussion.

Markus Schoch
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Schon früher einmal gab es ein Fussgängergerbrücke zur Werft. Sie war 200 Meter lang und wurde 1957 abgebrochen. (Bild: Archiv Museum am Hafen)

Schon früher einmal gab es ein Fussgängergerbrücke zur Werft. Sie war 200 Meter lang und wurde 1957 abgebrochen. (Bild: Archiv Museum am Hafen)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Die Idee finden sie grundsätzlich gut. Das konkrete Projekt aber eher weniger. Dieter Bötschi, Alp Özozan, Werner Widmer und Andreas Zech tun sich schwer mit der geplanten 330 Meter langen Passerelle, die der Stadtrat gerne mit Hilfe von Bundesgeldern im südlichen Teil des Bahnhofs bauen würde. Der Standort sei falsch gewählt, kritisieren die vier Architekten. «So bringt sie zu ­wenig.»

Es werde eine völlig künstliche Verbindung zwischen zwei Orten geschaffen, die (Touristen) heute und auch morgen wenig zu bieten hätten. Sie seien wenig belebt und damit unattraktiv.

Der Hafenpark ist noch nicht viel mehr als eine Idee

Der Hafenpark auf der einen Seite existiere bis jetzt bloss in den Köpfen der städtischen Planer. Es könne noch Jahrzehnte dauern, bis im heutigen Gewerbe- und Industriegebiet am See ein neues Quartier mit Wohnbauten, Hochhäusern, Hotels und einer Vergnügungsmeile gewachsen sei, wie das in der Entwicklungsstrategie der Stadt vorgesehen sei. Und das auch nur, wenn die Romanshorner Lagerhaus und Dienstleistungs AG (Roldag) Hand biete. Denn die 1982 gegründete Firma habe noch lange das Baurecht über grosse Teile des Geländes zwischen Werft und Hafen, was Verwaltungsratspräsident Roland Neff bestätigt. Die äussere Alleestrasse am anderen Ende der Brücke sei ebenfalls kein Brennpunkt des städtischen Lebens und werde es wohl auch nie werden, geben die Architekten zu bedenken. Das Zentrum von Romanshorn werde eher kleiner als grösser werden, sagt Zech.

Komme hinzu, dass die geplante Wegführung eigentumsrechtlich schwierig werden könnte und vor allem wenig attraktiv sei. «Die Velotouristen wollen möglichst nahe am See unterwegs sein und in Restaurants direkt am Wasser oder Hafen einkehren», sagt Bötschi. Einen Umweg über die Romanshorner Einkaufsstrasse zu machen, sei für sie bloss verlorene Zeit. Zu glauben, dass der eine oder andere absteige und etwas einkaufe oder ein Bier trinke, sei naiv, meint Zech. Um das Zentrum zu stärken, brauche es andere Ansätze.

Den Sachzwängen nicht alles andere unterordnen

Hauptgrund für die (perhiphere) Lage der Passerelle seien die Zugänge auf die Gleise, sagen die Architekten. Weil die Perrons nicht breit genug seien, müssten die Treppen und damit auch die Brücke an deren Ende platziert werden – was weite Wege bedeute. Bötschi und seine Kollegen halten es für unklug, diesem Sachzwang alles andere unterzuordnen und damit die grossen städtebaulichen Chancen einer Brücke auf lange Sicht hinaus zu verspielen. Käme sie an einem anderen Ort näher beim Bahnhof zu stehen, könnten von ihr tatsächlich sofort wichtige Impulse auf die Entwicklung von Romanshorn ausgehen, betont Bötschi. Entscheidend sei, dass mit der Passerelle «möglichst direkt Angelpunkte von interessanten städtischen Nutzungsgebieten auf kurzen Wegen verbunden werden».

Die vier Architekten stellen zwei alternative Projekte zur Diskussion, die diese Forderung nach eigener Einschätzung besser erfüllen und gemäss Ortsplaner Werner Widmer ortsbaulich sinnvoller wären. «Wir müssen jetzt alle Kraft in die Entwicklung des Hafengebietes stecken. Wenn es dort gut läuft, profitiert auch die restliche Stadt.»

Multifunktionales Gebäude mit Platz für ein Hotel

Die so genannte Variante Süd sieht eine Brücke vom relativ belebten Coop-Platz beziehungsweise der Berglistrasse über die Gleise zum neuen Stellwerkgebäude vor, wo es dank des Restaurants Hafen und der Schalterhalle sowie Anlegestelle der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) bereits Publikumsverkehr gibt. Mit dem Umbau des Massivlagerhauses und den neuen Museen dürfte er noch grösser werden, sind sich die Architekten sicher. Doch damit nicht genug: Sie können sich als zusätzliche Attraktion hinter dem Stellwerk den Bau eines multifunktionalen Gebäudes mit Hotel, Läden, Gastronomie, Parkierungsmöglichkeit und einer Rampe für die Velofahrer als Zufahrt zur Brücke vorstellen. Beim Hotel denken sie nicht an irgend eines, sondern an dasjenige, das Hermann Hess auf der Hafenpromenade bauen will. Dort sei es aber aus verschiedenen Gründen sehr schwierig, sagt Özozan.

Auf dem Parkplatz hinter dem Stellwerk sei es viel einfacher. Die Höhe beispielsweise werde sicher nicht zum Problem. «Das Gebäude könnte in der Vertikalen grosszügig entwickelt werden und würde so als Gegenüber zum bestehenden Silo wirken», sagt Zech. Zudem würden sich auch Synergie-Effekte mit dem Restaurant der SBS ergeben, an der Hess als Mehrheitsaktionär beteiligt ist. Der Amriswiler Unternehmer finde den Ansatz interessant, sagt Widmer.

Die Variante Nord ist teilweise identisch mit der Variante Süd: Es soll auf dem Parkplatz bei der SBS webenfalls ein multifunktionales Gebäude mit Rampe geben. Die Brücke führt dann aber nur bis zum Parkplatz an der Ecke Rislen-/Neustrasse, wo ebenfalls ein neues Gebäude hinkommen soll, das Platz für einen Kiosk oder Velos und eine Rampe bieten könnte. «In beiden Varianten soll es Zugänge auf die Perrons geben, und zwar möglichst kurze», sagt Dieter Bötschi. «Treppen oder Lifte müssen dort liegen, wo die Züge halten.»