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ROMANSHORN: Nach dem Tod eines Rollstuhlfahrers: Die Stadt Romanshorn sieht keinen Handlungsbedarf

Ein 72-Jähriger Rollstuhlfahrer fällt in den See und stirbt. Aus der Bevölkerung werden Stimmen nach einer Abschrankung am Hafenbecken laut. Die Stadt sieht dafür jedoch keine Notwendigkeit.
Tanja von Arx
Ort des Unglücks: Polizei, Notarzt und Rettungsdienst leiten Reanimationsmassnahmen ein. Der Mann wird mit dem Helikopter ins Spital gebracht. (Bild: Silvan Mumenthaler)

Ort des Unglücks: Polizei, Notarzt und Rettungsdienst leiten Reanimationsmassnahmen ein. Der Mann wird mit dem Helikopter ins Spital gebracht. (Bild: Silvan Mumenthaler)

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Für Silvan Mumenthaler ist klar: "Jeder Unfall ist einer zu viel." Und zwar am Hafenbecken von Romanshorn. Der Rollstuhlfahrer hat mit eigenen Augen gesehen, wie ein 72-jähriger Mann, ebenfalls ein Rollstuhlfahrer, in den See gefallen ist; er verstarb wenige Stunden später im Spital. Mumenthaler macht sich genauso Sorgen um Kinder, ältere Leute oder Fussgänger, denn ein Fehltritt reicht und man stürzt am ungeschützten Bereich der Hafenmauer mehrere Meter in die Tiefe. So einfach ans seichte Ufer kommt man dann nicht mehr. "Wegen der Velofahrer ist die Situation zusätzlich gefährlich." Zwar herrsche ein Fahrverbot, doch das halte viele nicht davon ab, gleichwohl über die Promenade zu kurven. "Ist man erst einmal im Wasser, so fassen die Kleider ein Gewicht von bis zu fünf Kilogramm. Kann man nicht schwimmen, ist das fatal. Ganz abgesehen davon, dass einem im Winter die Kälte zu schaffen macht." Viele Eltern schliessen sich Mumenthaler an und haben bei der Thurgauer Zeitung Meldung gemacht. Der gemeinsame Wunsch: Umgehend eine Abschrankung erstellen.

SBB, Hess, Stadt und Schifffahrt reden mit

Doch die Angelegenheit ist nicht so einfach. Die Zuständigkeiten sind komplex. Laut Thurgis gehört das Land entlang dem Hafen mehreren Parteien: nahe dem Bahnhof den SBB, nebenan infolge der Hotel-Abstimmung Unternehmer Hermann Hess und ein Stück weiter zu einem grossen Teil der Stadt. Und überall, wo eine Abschrankung vielleicht sinnvoll wäre, hat zudem die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt ihre Hände im Spiel: Zwecks Anlanden der Schiffe nutzt sie einen zwei Meter breiten Streifen entlang der Hafenmauer im Baurecht.

Ob eine Abschrankung in Frage kommt oder nicht, entscheidet darum in erster Instanz die Schifffahrt. Auf Anfrage heisst es seitens der verantwortlichen Stelle jedoch, das An- und Ablegen der Schiffe sei mit einem Geländer nicht möglich. Wenn, dann sei in Erwägung zu ziehen, entsprechende Vorsichtsmassnahmen im Anschluss an den zwei Meter breiten Streifen zu realisieren. In charge wären demnach die SBB, Hess und die Stadt.

"Öffentliche Gewässer sind nicht einzuzäunen"

Der Unfall hat sich indessen auf Gelände ereignet, das der Stadt gehört, nämlich auf der sogenannten Hafenpromenade. Die Medienstelle teilt auf Nachfrage mit: "Eine Abschrankung ist aus Sicht der Stadt Romanshorn nicht sinnvoll und auch nicht wünschenswert." Der zuständige Stadtrat Christoph Suter führt aus, dass öffentliche Gewässer nicht einzuzäunen seien. "Die Zulässigkeit eines Geländers wäre einerseits aus rechtlichen Aspekten und andererseits aus Kostensicht genau zu prüfen."

Die Stadt Romanshorn versteht zwar die Bedenken, sie sieht aber "keine akute Gefährlichkeit des Areals". "Es sind keine Unfälle oder Personenschäden aus den vergangenen Jahren bekannt – früher wurde dieses Areal ja auch intensiv für die Abfertigung von Personenschiffen genutzt." Einzig der Veloverkehr, der trotz absolutem Fahrverbot immer wieder auf der Hafenpromenade anzutreffen sei, bilde für ältere oder gehbehinderte Personen und für Familien mit Kindern und Kinderwagen eine Gefahr.

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