ROMANSHORN: «Lassen mich verhungern»

Ein Sozialhilfebezüger erhebt schwere Vorwürfe gegen das Sozialamt. Dessen Leiter weist die Anschuldigung zurück. Nicht die Stadt sei das Problem.

Markus Schoch
Drucken
Teilen
Der Sozialhilfebezüger hatte tagelang nichts zu essen. (Bild: Fotolia)

Der Sozialhilfebezüger hatte tagelang nichts zu essen. (Bild: Fotolia)

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Es ist ein Hilferuf und eine Anklage zugleich. Die Stadt lasse ihn «mit Absicht verhungern», schreibt ein Mann auf Facebook. «Ich arbeite seit drei Jahren im Werkhof Romanshorn vom Sozialamt aus und hatte nie ein Problem.» Jetzt habe er eine neue Ansprechperson auf der Verwaltung, und alles sei anders. Er habe unbewusst einen Fehler gemacht. Und nun zahle ihm die Stadt kein Geld mehr aus. «Daher habe ich seit Tagen nichts zu essen und kann auch keine Rechnung bezahlen. Er frage sich, wofür es Gesetze gebe. Denn anscheinend könne die Stadt machen, was sie wolle. «Sie soll lieber die Personen bestrafen, die die Gemeinde belügen und verarschen und nichts arbeiten.» In den Kommentaren auf Facebook bekommt der Mann mehrheitlich Zuspruch. Einzelne bieten ihm sogar an, ihn zu verköstigen.

Aufgrund des Amtsgeheimnisses könne er nicht inhaltlich zum Fall Stellung beziehen, sagt Sozialdienstleiter Christian Hug. Tatsache sei, dass der Mann bei der zuständigen Sachbearbeiterin nicht zum vereinbarten Termin erschienen sei und auch nicht auf Kontaktversuche reagiert habe. «Wenn man nicht zu uns kommt, können wir auch keine Barauszahlungen machen», sagt Hug mit Verweis auf die sogenannte Mitwirkungspflicht der Klienten. Ob die betreffende Person nach den jüngsten Vorkommnissen noch beim Werkhof beschäftigt sei, dürfe er nicht sagen. Der Sozialhilfebezüger war gestern nicht erreichbar.