ROMANSHORN: Kunst mit Stierva im Blick

In Vaz ist bis Ende Oktober eine Sonderausstellung mit Bildern von Ludwig Demarmels zu sehen.

Nicole Trucksess
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Es ist nach derjenigen in Kreuzlingen bereits die zweite Werkschau zum 100. Geburtstag von Ludwig Demarmels. In der Sala Parpan im Ortsmuseum in Zorten sind Bilder mit Blick auf Stirva ausgestellt, dem Geburtsort des Romanshorner Malers. Zur Vernissage kamen zahlreiche Gäste, darunter auch Roswitha Demarmels, die Witwe des 1992 verstorbenen Künstlers.

«Ludwig Demarmels malte aus Freude und um anderen eine Freude zu bereiten», blickte Gion Pol Simeon auf das Schaffen seines langjährigen Freundes zurück. Dabei sei er immer seinem Stil treu geblieben und habe sich auch keiner Kunstrichtung anpassen wollen, mit der er sich nicht anfreunden konnte.

Demarmels war ein vielfältiger Künstler, so schuf er neben Ölbildern, Zeichnungen, Aquarellen und Steinlithografien zahlreiche Holzschnitte, Reliefs und Plastiken. Mit seiner Kunst wollte er etwas bewegen, er wollte Gefühle wecken. «Seine Werke zwingen zu kritischem Nachdenken», meinte Gion Pol Simeon. Dies sei der wichtigste Aspekt der Kunst. Symbole und Mythen hätten Demarmels zeitlebens fasziniert. In erster Linie war Demarmels ein vielseitiger, figurativer, bildlich darstellender Künstler, ein Vertreter der Kunstrichtung des Realismus. Hingegen zeigten seine Plastiken und Reliefs eine viel abstraktere Sichtweise.

Das künstlerische Schaffen Demarmels lässt sich in verschiedene Werkgruppen unterteilen. Das Frühwerk (bis zirka 1945/ 1950) beruht auf Erfahrungen aus Stierva und Davos. Hier erprobte der Künstler naturalistisch realistische Stile, malte vorwiegend Landschaften, Menschen, Objekte und Orte aus seiner unmittelbaren Umgebung.

Unter dem Einfluss Ernst Ludwig Kirchners

Die Landschaftsbilder sind in der gesamten künstlerischen Laufbahn zu finden. Meist malte er Landschaften von den Orten, an denen er gerade lebte. Die Stilbreite reicht hierbei von fast fotografischem Naturalismus über verhaltene Expressivität bis hin zu einer reduzierenden und dekorativen Abstraktion. «Der Einfluss des in Davos lebenden Künstlers Ernst Ludwig Kirchner ist hier deutlich zu spüren», sagte Gion Pol Simeon.

In seinen Porträts, Strassen- und Sportbildern hielt Demarmels die Realität der Lebenswelt der Bergbevölkerung und deren Traditionen und Bräuche fest. Seine Zeichnungen und Druckgrafiken sind insbesondere Bleistift- und Kohlezeichnungen, die als Studien für Hauptwerke dienten. Es finden sich einige Geschichtsbilder, die kunsthistorisch weniger interessant, aber kulturhistorisch aussergewöhnlich bedeutend sind. Die anekdotischen Bilder auf grossem Bildformat erzählen regionale Geschichten. Neben den Bildreliefs ist die Kunst am Bau eine der historisch bedeutendsten Werkgruppen. Dort setzte Demarmels allgemein lesbare Inhalte in konzentrierter und innovativer Form als Teil der nationalen Kulturgeschichte nach 1945 ins Bild, meinte Simeon.

Nicole Trucksess

romanshorn@thurgauerzeitung.ch

Die Ausstellung wird noch bis zum 29. Oktober im Museum local Vaz in Zorten gezeigt. Es ist mittwochs und donnerstags von 13.30 bis 17 Uhr sowie jeden letzten Sonntag im Monat geöffnet. Am 27. August wird Roswitha Demarmels um 15 Uhr eine Führung machen.