ROMANSHORN: Kommt das Aus vor dem Start?

Gestern hat die Bodensee-Schifffahrt zwei neue Motoren in die Fähre Romanshorn einsetzen lassen. Es ist ein erster Schritt zum Halbstundentakt. Dieser ist wegen der Schliessung des Zolls jedoch gefährdet.

Tanja von Arx
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Ein Mitarbeiter der Luzerner Schiffbau-Firma Shiptec begutachtet den neuen Dieselmotor. (Bild: Reto Martin)

Ein Mitarbeiter der Luzerner Schiffbau-Firma Shiptec begutachtet den neuen Dieselmotor. (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. Es fängt gerade erst an, und doch könnte es schon bald zu Ende sein. Gestern morgen setzten die Mitarbeiter der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) mit der Firma Shiptec zwei neue Motoren in ihre älteste und schönste Fähre ein. Das Ziel: Den Gästen ab dem Romanshorner Hafen weiter zuverlässig die stündliche Überfahrt nach Friedrichshafen zu ermöglichen – oder bald sogar im Halbstundentakt. Doch ob die Fähre überhaupt wie bis anhin Stunde für Stunde über den See verkehrt, wenn der Zoll wie vom Bund verkündet 2017 geschlossen wird, weiss zurzeit niemand.

Einstundentakt soll passé sein

Die Motorfähre Romanshorn könnte für den Halbstundentakt neben drei Elektrofähren das Ersatzschiff werden. Deshalb wurden die neuen Motoren bereits auf höhere Geschwindigkeit ausgelegt. Deutscher und Schweizer Schifffahrt wäre es möglich, den Einstundentakt abzulösen, sagt Damien Baker. Der Technische Leiter bei der SBS ist für die Neumotorisierung dreieinhalb Monate intensiv beansprucht: Der Umbau begann am 18. Januar, abgeschlossen sein soll er Ende April, wenn die Fähre in Kurs geht.

«Wir haben revidiert, was man revidieren kann. Aber irgendwann sind die Motoren verbraucht», sagt Baker. 115 000 Betriebsstunden hatten die alten Acht-Zylinder-Reihenmotoren mit 120 Litern Hubraum auf dem Buckel und zwei Millionen Kilometer über den See ermöglicht. Die neuen V-12-Motoren mit 32 Litern Hubraum – benannt nach Anordnung der Zylinder im Innern – sind zwar kleiner, dafür aber leistungsstärker.

Wer jedoch denkt, kleiner sei gleich klein, der täuscht sich. Ein Motor wiegt ganze 3,7 Tonnen. So brauchte es fünf Männer, um einen mit Ketten an einem Kran in den Schiffbauch zu hieven. Während eindreiviertel Stunden wurde gemessen, genauestens inspiziert und ein Kabel entfernt, das im Weg war. Nun werden Getriebe eingesetzt und Anschlüsse getätigt. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 1,5 Millionen Franken, sagt Baker.

Vierzig Stellen gefährdet

Warum der Halbstundentakt gefährdet ist, erklärt Andrea Ruf, CEO der Bodensee-Schifffahrt. «Würde der Zoll geschlossen, hätte dies mit grösster Wahrscheinlichkeit eine Ausdünnung des Angebots zur Folge.» Das wiederum wäre verbunden mit grösseren Verlusten im Reiseverkehrsertrag.

Zwölf Vollzeitstellen auf der Fähre fielen letztlich weg, vier im Gastrobereich und innerbetriebliche in Werft und Verwaltung. Zählt man die deutschen Partner hinzu, sind vierzig Stellen betroffen.

Ein Verlust wäre es aber nicht nur für die SBS, sagt Andrea Ruf. Sie höre von vielen Gästen aus der Region, dass sie die Schliessung des Zolls nicht guthiessen. Die Massnahme vom Bund schade nicht nur der Ostschweizer Wirtschaft, sondern auch dem Tourismus. Die Bodensee-Schifffahrt wehrt sich darum mit Wirtschaftsverbänden und Politik (siehe Zweitstoff).