ROMANSHORN: «Kein Mensch ist uns wurst»

Vor vollem Haus zeichnete das Duo schön & gut auf der Bühne der Primarschulaula mit literarischer Leichtigkeit geistreiche Bilder der schweizerischen Befindlichkeit.

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Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter. (Bild: Markus Bösch)

Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter. (Bild: Markus Bösch)

Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter nahmen am Samstagabend auf Einladung des Bistro-Komitees die zahlreichen Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch die politische Schweiz. In wechselnden Dialogen schlüpften sie in die Rollen des Gemeindepräsidenten und seiner Haushälterin, in jene des Meisenvogelpaares, des Metzgers, der sein Heimatdorf verlassen will. Und natürlich in diejenige von Mary, der Amerikanerin, die ihrem Programm den Namen gab und sich just in einem gutschweizerischen Mittellanddorf niederlassen will, mit einer grösseren Geldsumme im Gepäck.

Gleichermassen politisch und poetisch

Es ist ganz klar die Politik des Umgangs mit dem Fremden, mit dem Geld, mit der Wirtschaft, die ihr Programm durchzieht und dafür sorgt, dass das Publikum nicht anders kann, als laut zu lachen und Szenenapplaus zu spenden. Zuweilen bleibt ihm das Lachen aber auch im Halse stecken. Beispielsweise, wenn sie die Schweiz besingen, «die stolz darauf ist, nicht zu frieren ob ihrer Isolation, und die Zugsverspätungen moniert inmitten der exportierten Granaten, die in Syrien explodieren». Auf den Punkt bringt es das Duo beim Thema «Flüchtlinge», wenn es das Bild des kongolesischen Jungen, der das Gold aus den Minen holt, demjenigen des Tessins gegenüberstellt, wo eben dieses Metall dann für teures Geld verarbeitet wird. Das Tessin wird dann zur Sonnenstube der Schweiz.

Was schön und gut präsentieren, sind raffinierte Dialoge mit bekannten Sprichwörtern und Redewendungen, die sie mit unglaublicher Schnelligkeit und Präzision zueinander in Beziehung setzen, dass einem der Atem stockt: etwa, «wenn der Kopf mit dem Brett davor partout nicht in den Sand gesteckt werden kann». Oder «die Schweizer, statt ihr Paradies zu geniessen, nur noch Angst haben, es zu verlieren». Mithin ist auch das fünfte Programm so dicht an Wortwitz und Inhalt, dass man es durchaus mehrere Male sehen, hören und geniessen kann.

Markus Bösch

romanshorn@thurgauerzeitung.ch