Romanshorn ist auf Goldkurs

Es fehlt zwar noch einiges, aber die Fortschritte sind deutlich erkennbar. Die Energiestadt Romanshorn geht ihren Weg konsequent und ist dem grossen Ziel in den letzten vier Jahren ein gutes Stück näher gekommen.

Markus Schoch
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Stephan Tobler (rechts) vom Trägerverein Energiestadt übergibt dem Romanshorner Stadtrat Patrik Fink die Energiestadt-Urkunde. (Bild: Markus Schoch)

Stephan Tobler (rechts) vom Trägerverein Energiestadt übergibt dem Romanshorner Stadtrat Patrik Fink die Energiestadt-Urkunde. (Bild: Markus Schoch)

ROMANSHORN. Stadtrat Patrik Fink sitzt am Tisch und kann die Freude nicht verbergen. Die von ihm verantwortete kommunale Energiepolitik bekommt gute Noten von der Kommission, die das Label «Energiestadt» vergibt. Romanshorn darf sich seit vier Jahren damit schmücken, und wird es auch in den kommenden vier Jahren tun können. Die Hafenstadt erfüllt die Bedingungen nach wie vor gemäss den externen Experten, denen die Verwaltung die Bücher geöffnet hat im Rahmen der sogenannten Re-Zertifizierung.

Die Werte sind sogar deutlich besser als 2010. Damals erfüllte Romanshorn die Energiestadt-Kriterien zu 54 Prozent, heute sind es bereits 65 Prozent. Und das obwohl in der Zwischenzeit zusätzliche Auflagen dazugekommen sind. Entsprechend zufrieden ist Fink. «Wir sind gemeinsam auf einem guten Weg.»

Grosse Fortschritte gemacht

Dieser Meinung ist auch der Egnacher Gemeindeammann Stephan Tobler, der als einziger Ostschweizer Vertreter im nationalen Energiestadt-Trägerverein sitzt. «Romanshorn hat grosse Fortschritte gemacht und den energiepolitischen Absichten auch konkrete Taten folgen lassen.» Besser geworden ist die Hafenstadt bei der internen Organisation, im Bereich der Versorgung und Entsorgung, in der Entwicklungsplanung und der Kommunikation und Kooperation. Beeindruckt zeigen sich die Energiestadt-Experten vor allem vom Ausbau der Abwasserreinigungsanlage zu einem kleinen Energiepark. Das sei eine «herausragende Leistung», an der sich andere Gemeinden ein Beispiel nehmen könnten.

Romanshorn will sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern weiter vorwärts gehen. Ziel ist die 75-Prozent-Marke. Wer sie schafft, erreicht Gold-Status und gehört wie Frauenfeld zu einem exklusiven Zirkel von rund 30 Städten und Gemeinden, die Träger des «European EnergyAward®GOLD» sind – die höchste Auszeichnung für Energiestädte. Die Aufgabe sei anspruchsvoll, sagt Tobler. Für Fink aber kein Grund zu resignieren. «Wir müssen trotz Spardruck darauf hinarbeiten und dürfen uns nicht beirren lassen.» Die grösste Herausforderung werde sein, Bevölkerung und Wirtschaft ins Boot zu holen, ist sich der Stadtrat bewusst. «Ohne sie geht es nicht.»

Schwierige Sanierung

Nachholbedarf hat Romanshorn insbesondere im Bereich der Gebäude und Anlagen, wo das Soll nur zu 38 Prozent erfüllt ist. Energetische Verbesserungen seien schwierig, sagt Fink. Verschiedene Abteilungen der Verwaltung sind extern eingemietet, was den Handlungsspielraum der Stadt stark einschränke. Das Gemeindehaus sei alt, und eine Sanierung entsprechend teuer. Komme hinzu, dass nicht ausgeschlossen sei, dass die Verwaltung dereinst an einem anderen Ort zentral untergebracht werde. Die Stadt tue aber, was möglich sei, beispielsweise im Bereich der Strassenbeleuchtung, die auf LED umgestellt werde. Geplant ist, die Schulgebäude in der städtischen Energiebuchhaltung zu erfassen, Hauswarte zu schulen und auf dem Dach des Pflegeheims eine Solaranlage zu bauen.

Luft nach oben besteht ebenfalls im Bereich Mobilität, wo sich Romanshorn in den letzten vier Jahren kaum verbessert hat. Punkten will die Stadt mit einem Verkehrsrichtplan, in dem der Langsamverkehr ein wichtiges Thema sein soll, und zusätzlichen Tempo 30-Zonen. Vorgesehen ist ausserdem ein Fahrradverleih.

Gebot der Stunde

Nach Meinung von Tobler kommen die Gemeinden und Städte mit Blick auf den absehbaren Atomausstieg der Schweiz gar nicht darum herum, energiepolitisch Gas zu geben. «Es ist ein Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt die Bevölkerung und die Wirtschaft darauf sensibilisieren, dass riesiger Handlungsbedarf besteht.» Wichtig sei, dass «wir alle energiebewusst leben und arbeiten». Das Thema sei vielleicht «brötig, aber nötig», sagt Fink.