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ROMANSHORN: Hunderte Millionen schauen ihm zu

Carlo Ribaux lebt in Los Angeles und verdient sein Geld als Schlagzeuger. In Indien spielte er kürzlich mit Gingger Shankar in einer vom grössten Bollywood-Star moderierten TV-Show, die unglaubliche Einschaltquoten hat.
Markus Schoch
Der Romanshorner Carlo Ribaux hat sich seinen Traum in den USA verwirklicht, wo er als Drummer arbeitet. (Bild: pd/Debra Mahija)

Der Romanshorner Carlo Ribaux hat sich seinen Traum in den USA verwirklicht, wo er als Drummer arbeitet. (Bild: pd/Debra Mahija)

Markus Schoch
markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Sie halten diese Woche eine Drum-Clinic in Rorschach. Sind Sie extra deswegen von Los Angeles in die Schweiz gekommen? Oder hatten Sie Heimweh?
Ich bin für eine Woche auf Besuch bei meiner Familie und hatte schon lange mit Andy Leumann von Musik Leumann abgemacht, so etwas anzubieten.

Weite Wege zu gehen, ist für Sie nichts Ungewöhnliches. Sie sind in den letzten Jahren als Schlagzeuger um die halbe Welt gereist. Ihr Ziel sei es, andere Kulturen kennen zu lernen und verschiedene Musikstile auszuprobieren, sagten Sie vor drei Jahren im Interview mit der «Thurgauer Zeitung». Führen Sie jetzt das Leben, das Sie sich gewünscht hatten?
Ja, ziemlich. Es sind sehr viele Wünsche in Erfüllung gegangen.

Sie waren unter anderem Anfang Dezember mit Ravi Shankars Grossnichte Gingger Shankar in Indien für einen Auftritt in einer TED-Talk-TV-Show, die im Frühling ausgestrahlt und mindestens 100 Millionen Zuschauer haben wird. Sind Sie jetzt ein Star?
(lacht) Als Schlagzeuger muss man in einer berühmten Band spielen, um ein Star zu werden. Aber an jenem Tag bekam ich tatsächlich eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, prominent zu sein. Hinter der Sendung steht das grösste indische TV-Konglomerat, das keinen Aufwand scheute für das Format, das sehr innovativ ist. Wir spielten unter anderem mit einem indischen Wunderkind am Piano und hatten für jedes Stück nur einen Take. Man hat uns gesagt, dass die Sendung im besten Fall 500 Millionen Zuschauer haben kann. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, diese Marke erreichen zu können. Denn es ist ihnen gelungen, den Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan als Moderator unter Vertrag zu nehmen.

Wie fühlt man sich im Wissen darum, dass einem so viele Menschen zuschauen?
Der Druck war sicher da und es fährt schon ein. Ich habe schon vor 2000 bis 3000 Personen in einer Halle gespielt. Aber das war etwas ganz anderes. Man spielt auch in einem solchen Moment einfach so wie man es kann.

Ein Wendepunkt in Ihrer Karriere?
Es ist für mich schwierig abzuschätzen, was die Sendung auslöst. Sie ist wahrscheinlich nicht zu vergleichen mit einem Auftritt beim Super Bowl oder am Eurovision Song Contest. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, diese Erfahrung gemacht haben zu können.

Sind Sie wenigstens reich geworden?
(lacht wieder) Nein, ich bin weit davon entfernt. Die Löhne in Amerika sind nicht so hoch. Aber ich kann als Musiker leben. Ich gebe Konzerte und lasse mich für Studioaufnahmen oder Proben engagieren. Unterricht gebe ich im Moment kaum. Ich habe nur eine Schülerin. Alles in allem bin sehr zufrieden mit meinem Leben und probiere nach wie vor Verschiedenes aus wie die Clinic in Rorschach. Die Unvorhersehbarkeit, die mein Job mit sich bringt, geniesse ich.

Was haben Sie sich vorgenommen?
Noch mehr zu spielen, noch mehr unterwegs zu sein. Und vielleicht noch mehr Bus-Touren. Im letzten Jahr bin ich viel geflogen Etwa für einen Auftritt übers Wochenende in Malaysia oder eben Indien, was sehr streng ist, wie man sich vorstellen kann.

Verfolgen Sie auch eigene musikalische Projekte?
Im Moment nicht. Es braucht sehr viel Energie und bedeutet einen riesigen Aufwand. Kommt man von einer Tournee zurück, läuft man Gefahr, für mehrere Monate in ein Loch zu fallen. Es ist einfacher, sich als Session-Musiker finanziell über Wasser zu halten. Im Moment will ich es aber nicht anders. Ich kann mich musikalisch ausleben, gerade mit Gingger Shankar.

«America first» ist das Motto von Donald Trump. Ist das schlecht für einen Schweizer Musiker in den USA?
Ich selber spüre noch keine direkten Auswirkungen. Was er noch macht, weiss niemand. Jeder, der ein bisschen nachdenkt, weiss aber, dass diese Politik schlecht für das Land ist.

Sind Sie beunruhigt?
Ja, wenn ich beispielsweise daran denke, dass mein Visum irgendwann erneuert werden muss. Die Stimmung in Bezug auf die Ausländer ist vielerorts schlecht – nicht jedoch in L. A. Ihnen wird vorgeworfen, den Amerikanern die Jobs wegzunehmen. Vielleicht bekomme ich das dereinst selber zu spüren, wenn ich mich um Aufträge bewerbe. Sollte man mich in Amerika wirklich nicht mehr wollen, komme ich halt zurück in die Schweiz. Das wäre auch nicht das Ende der Welt.

Aber wenn es nicht sein muss, kehren Sie nicht heim?
Im Moment ist Amerika der richtige Ort für mich. Es gibt Arbeit und ich kann als Musiker meine eigenen Wege gehen. Es hat Platz für alle. Und Musik hat einen grösseren Stellenwert als in Europa. Ich will aber nicht unbedingt in den USA sterben.

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