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ROMANSHORN: Haus der entäuschten Hoffnungen

Mitte Februar haben die Bauarbeiten am Massivlagerhaus begonnen. In der Vergangenheit bissen sich diverse Investoren die Zähne am rieisgen Gebäude aus.
Markus Schoch
Ein schwieriges Objekt: Das riesige Lagerhaus direkt am Romanshorner Hafen. (Bild: Reto Martin)

Ein schwieriges Objekt: Das riesige Lagerhaus direkt am Romanshorner Hafen. (Bild: Reto Martin)

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Auf diesen Moment hatten die Romanshorner lange gewartet. Am 12. Februar ging die Kornhaus Romanshorn AG daran, das ehemalige, seit Jahrzehnten leer stehende SBB-Lagerhaus direkt am Hafen zum neuen Leben zu erwecken. Frühere Besitzer der Liegenschaft hatten ebenfalls grosse Pläne für das denkmalgeschützte Gebäude mit Baujahr 1871. Doch keiner konnte sie je realisieren.

Am weitesten gekommen war eine Investorengruppe mit dem Namen Harbour Vision, die sich im Jahr 2000 daran machte, das gesamte brachliegende Hafenareal zu entwickeln. Die SBB als Landbesitzer boten Hand dazu und schlossen mit dem Trio um Gerhard Fischer einen Rahmen-Baurechtsvertrag ab.

In einem ersten Schritt wollte die Harbour Vision im Massivlagerhaus über 30 Luxus-Lofts bauen, wo für die Gruppe im Frühling 2003 die Baubewilligung erhielt. 2009 verfiel sie, nachdem die Stadt fünf Mal eine Verlängerung gewährt hatte.

Ein Fall mit tödlichem Ausgang

Zu diesem Zeitpunkt war die Harbour Vision längst Geschichte. Fischer stand ab 2003 im Zentrum des bis dahin aufwendigsten Strafverfahren des Kantons Schaffhausen, das 2004 mit einer Verurteilung des Unternehmers zu zehn Jahren Zuchthaus endete. Das Kantonsgericht sprach ihn des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Urkundenfälschung, der Anstiftung zur Urkundenfälschung, der gewerbsmässigen Geldwäscherei und der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung schuldig. Die Deliktsumme belief sich auf rund 327 Millionen Franken.

Der Fall sprenge in jeder Hinsicht alle Dimensionen, sagte der Gerichtspräsident bei der Urteilseröffnung. Das Gericht bescheinigte Fischer sehr schweres Verschulden, skrupellosen Betrug, schamlose Bereicherung und eine ausserordentlich hohe kriminelle Energie. Verbunden mit purer Gewinnsucht habe das dazu geführt, dass er Projekte angerissen habe, die von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen seien. Im Verfahren ging es unter anderem um die Frage, ob der Angeklagte die Bundesrepublik Deutschland und das Land Sachsen betrogen hatte. Fischer wurde vorgeworfen, während der «Wendezeit» Subventionen für die Gründung der ostdeutschen «Werkstoff-Union» bezogen zu haben.

Fischer focht das Urteil an, wartete den Entscheid der oberen Instanz aber nicht ab, sondern brachte sich Mai 2006 im Kantonalgefängnis in Frauenfeld 66-jährig um.

SBB stossen die Liegenschaft im Jahr 2007 ab

Im gleichen Jahr wurde in Romanshorn ein neues Kapital aufgeschlagen. Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft (SBS) stiessen die SBB auch das Massivlagerhaus ab. Den Zuschlag erhielt die sogenannte Seahorse-Gruppe, deren Sprecher der Arboner Rolf Staedler von der Awit-Gruppe war. Er und seine Partner hätten auch gerne die Bodenseeflotte übernommen mit dem Lagerhaus als «neuer Basis» für das Unternehmen in Kombination mit einem Vergnügungs- und Freizeitcenter. Daraus wurde aber nichts.

Interesse an der Liegenschaft hatte auch Jürg Schumacher gezeigt, der heutige Gemeindepräsident von Märstetten. Er wollte den riesigen Speicher für 2,7 Millionen Franken kaufen und dort eine grosse Modelleisenbahn aufstellen. Teil der Idee waren auch kleinere Messen, Ausstellungen, Shops und Gastronomiebetriebe. Die SBB zeigten ihm die kalte Schulter.

Neuer Eigentümer wurde 2007 die Dr. Haaks Massivlagerhaus AG beziehungsweise Richard Orthmann aus Steinach, der zur Seahorse-Gruppe gehörte. In Romanshorn keimte Hoffnung auf, dass endlich etwas geschehen würde - doch nichts passierte. Stattdessen wechselte die Liegenschaft erneut die Hand. Sie kam in den Besitz der RP Massivlagerhaus AG, deren Sprecher Walter F. Meyer aus Etchingham in England war. Es gebe «nicht so viele Liegenschaften mit so viel Potenzial», schwärmte der Immobilienhändler 2011. Meyer stellte eine Studie in Aussicht, die darüber Auskunft geben sollte, wie das Gebäude am sinnvollsten genutzt werden könnte. Seine ersten Ideen waren im wesentlichen diejenigen der Harbour Vision: Lofts beziehungsweise Appartements in den oberen Etagen und Läden sowie Restaurants im Erdgeschoss. Doch den Ankündigungen folgten keine Taten. Nur ein halbes Jahr später stand die Immobilie zum Verkauf. Der Preis: 8,75 Millionen Franken. Meyer war gemäss eigenen Angaben mit diversen Interessenten im Gespräch, unter anderem mit Hermann Hess beziehungsweise seiner Hess Investement. Der Amriswiler Unternehmer war aber nicht bereits, so viel Geld in die Hand zu nehmen. Das Angebot von Hess lag «signifikant» unter den Erwartungen von Meyer und seinen Hintermännern.

Meyer kam deshalb mit dem nachmaligen FDP-Nationalrat nicht ins Geschäft. Stattdessen übernahm im Herbst 2015 Peter Schnückel mit seiner PES Innovation AG mit Sitz in Herisau die RP Massivlagerhaus AG. Er kündigte an, mit Hilfe von Ostschweizer Investoren das Gebäude einer neuen Nutzung zu zuführen.

Historisches Museum: Kanton zieht sich zurück

Im Boot war damals auch noch der Kanton, der einen neuen Standort für das Historische Museum suchte und im März 2014 auf Empfehlung einer Arbeitsgruppe das Massivlagerhaus ins Auge gefasst hatte. Im Vergleich von 20 Standorten erfüllte es die Kriterien am besten. Die Hoffnung der Romanshorner währte nur kurz. Im Frühling 2016 teilte der Regierungsrat mit, dass er eine neue Lösung suche. «Über die finanziellen und zeitlichen Rahmenbedingungen konnte zwischen der privaten Trägerschaft und dem Kanton leider keine Einigung erzielt werden.» Der Kanton werde nun prüfen, ob sich andere Standorte «vorzugsweise in Romanshorn, aber auch im übrigen Oberthurgau oder in Frauenfeld ergeben. Die Suche ist auf Eis gelegt. Der Regierungsrat hat im März des letzten Jahres einen Planungsstopp verfügt. Er will sich vorerst um das Kunstmuseum kümmern, dessen Erweiterung zu einem Streitfall geworden war.

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