ROMANSHORN: Gemeinsam Entscheidungen treffen

Ein Sozialethiker, eine Palliativpflegerin und eine Spitalseelsorgerin diskutierten über das «gute Lebensende». Es gehe nicht nur um Geld, sondern vor allem auch um die innere Haltung.

Markus Bösch
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Sind es heute zunehmend die Krankenkassen, Ärzte und das Geld, die über Leben und Tod bestimmen? Und wie gehen Pflegeheime und wir als Gesellschaft mit einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung um? Unter der Leitung von Hanspeter Heeb diskutierten Fachleute am letzten Donnerstag über das Thema «Geld, Tod und Schmerz». Heeb ist Vizepräsident der örtlichen Katholische Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), die zum Podium eingeladen hatte. Wenn Menschen älter werden, mit Krankheit und Einschränkung konfrontiert werden, brauchen sie Begleitung: Es gelte, gemeinsam zu Entscheidungen zu gelangen, wie das Lebensende gestaltet sein will. Der Mensch sei von Anfang an bis zum Schluss auf Beziehung angelegt. Das würden sie in ihrer Arbeit sehen, sagten Birghit Stahel als pensionierte Pflegefachfrau und Karin Kaspers-Elkes als Seelsorgerin in Münsterlingen.

Genau darum sei Palliative Care wichtig und darum brauche es entsprechende Strukturen, so der Theologe und Sozialethiker Thomas Wallimann-Sasaki: «Und Autonomie sollte eben nicht erst am Lebensende ein Thema sein, sondern während des ganzen Lebens, auch in Schule und Arbeit.»

Lebensqualität nachspüren

Auf die Frage nach dem Umgang mit den Bewohnern von Pflegeheimen, gerade auch wenn sie dement werden, äusserten sich die Podiumsteilnehmer unmissverständlich. Die Haltung gegenüber den pflegebedürftigen Menschen sei entscheidend. Auch wenn es schwierig sei, über Demenz zu reden und damit umzugehen, für alle Beteiligten, gelte es doch zu beachten: «Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir gemeinsam mit diesen Menschen ihrer Lebensqualität nachspüren.» Auch hier sei wieder Be­ziehungsarbeit gefragt – gerade wenn in diesem Zusammenhang die Frage nach dem begleiteten Suizid auftauche.

Es ist genug Geld vorhanden

Es brauche menschenfreundliche Kontexte, damit man bis zum Ende verantwortungsvoll leben könne. Dazu gehörten auch die entsprechenden finanziellen Mittel, hiess es in der Runde. Und die seien ganz klar vorhanden: «Wenn es uns ein Anliegen ist, für die jungen und die alten Menschen zu sorgen, dann kann dies auch finanziert werden.» Denn es sei genug Geld da. Vielleicht auch durch einfach zu schaffende neue Quellen wie etwa eine ­Finanztransaktionssteuer, sagte Wallimann, der sich auch politisch engagiert.

Markus Bösch

romanshorn@thurgauerzeitung.ch