Romanshorn geht Energiewende an

Der Stadtrat setzt sich ehrgeizige energiepolitische Ziele. So will er den Energiebedarf pro Kopf am Ort bis 2050 auf fast die Hälfte senken. Die breite Bevölkerung scheint das im Moment kaum zu interessieren.

Markus Schoch
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ROMANSHORN. Es war eine ganz kleine Gruppe von etwa 15 Personen am Mittwochabend in der Aula der Reckholdern-Anlage. Gerade einmal gut einer von 1000 Romanshornern war zur Informationsveranstaltung gekommen, an der die Stadträte Patrik Fink und Danilo Clematide zusammen mit dem externen Berater Thomas Blindenbacher von der Firma Amstein + Walthert in Zürich den überarbeiteten Energierichtplan vorstellten. Darin legt der Stadtrat die energiepolitischen Ziele bis 2050 fest. Das Papier sei «ein sehr wichtiges Instrument für uns und zukunftweisend», sagte Fink, der die städtische Energiekommission präsidiert.

Neue Ansätze nötig

Der fortschreitende Klimawandel, die Endlichkeit fossiler Energieträger und steigende Energiekosten würden in allen Lebensbereichen eine grundlegende Veränderungen im Umgang mit Energie erfordern, sagte Fink. Auch auf kommunaler Ebene seien neue Ansätze nötig, damit die Energiewende geschafft werden könne.

Diese sind im neuen Energierichtplan formuliert, der den bestehenden aus dem Jahr 2001 ersetzt. Die Ziele sind ehrgeizig. Aber da Romanshorn seit 2010 das Label als Energiestadt trage, stehe sie in der Pflicht, machte Fink deutlich.

Energiebedarf halbieren

Der Primärenergiebedarf pro Kopf der Romanshorner beläuft sich heute auf 4950 Watt, die Treibhausgas-Emissionen liegen auf Kohlendioxid umgerechnet bei 4,4 Tonnen pro Kopf und Jahr. Stufenweise sollen die Werte bis im Jahr 2050 auf 2700 Watt beziehungsweise 1,1 Tonnen Kohlendioxid gesenkt werden, womit Romanshorn den Zielen der 2000-Watt- beziehungsweise der 1-Tonne-CO2-Gesellschaft nahe kommt.

In seiner Strategie orientiert sich der Stadtrat an folgenden Grundsätzen: Pro Jahr sollen 2 Prozent der Gebäude saniert werden, die anfallende Abwärme aus Industrie und Abwasser ist effizient zu nutzen, das Potenzial an erneuerbarer Energie ist auszuschöpfen, fossile Wärmeträger sind zu ersetzen und Strom ist erneuerbar und lokal bereitzustellen.

Der Massnahmenkatalog umfasst insgesamt 23 Punkte und basiert auf dem Energiekonzept 2020. Es geht um den Auf- und Ausbau von Wärmeverbunden, die Verbesserung der Energie-Effizienz im Seebad, eine intelligente Siedlungsentwicklung, Auflagen bei Gestaltungsplänen oder die Optimierung öffentlicher Gebäude.

Der Energierichtplan liegt noch bis am 24. Juni öffentlich auf und ist auch auf der Homepage der Gemeinde unter dem Energiestadt-Label aufgeschaltet. Jeder kann sich dazu äussern. Ziel ist, den Richtplan im nächsten Jahr in Kraft zu setzen.

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