ROMANSHORN: «Es ist ein Armutszeugnis»

Fast alle Parteien wollen dem Stadtrat Beine machen und dafür sorgen, dass die Bevölkerung über die Einführung eines Parlaments und eine Verkleinerung des Stadtrates abstimmen kann.

Markus Schoch
Drucken
Teilen
In Frauenfeld gibt es ein Stadtparlament. (Bild: Andrea Stalder)

In Frauenfeld gibt es ein Stadtparlament. (Bild: Andrea Stalder)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Stadtpräsident David H. Bon sowie die beiden Stadträte Patrik Fink und Markus Fischer mussten sich am Donnerstagabend harte Kritik aus den eigenen Reihen gefallen lassen. «Es ist ein Armutszeugnis», sagte ein FDP-Mitglied an der Parteiversammlung und meinte damit den Mitte April kommunizierten Entscheid des Stadtrates, alles beim Alten zu belassen: Also weder die Zahl der Behördenmitglieder zu reduzieren noch ein Parlament einzuführen. «Ich bin sehr enttäuscht», sagte der Mann. Mit Unverständnis reagierten auch andere. Er sei schockiert gewesen, als er vom Resultat der jahrelangen Abklärungen erfahren habe, doppelte einer nach. «Wir haben es uns nicht einfach gemacht», verteidigte sich Bon. Und er betonte, dass sich die Behörde der Diskussion nicht verweigern wolle.

Forderung liegt seit drei Jahren auf dem Tisch

Der Stadtrat wird sich ihr voraussichtlich tatsächlich stellen müssen. Denn die Freisinnigen haben beschlossen, der Behörde auf die Sprünge zu helfen und eine Abstimmung über die Einführung eines Parlaments beziehungsweise eine Verkleinerung des heute neun Köpfe zählenden Stadtrates herbeizuführen. So wie es die Partei bereits vor drei Jahren im Zusammenhang mit der Revision der Gemeindeordnung verlangt hatte.

Die FDP kann dabei auf die Hilfe fast aller anderen Parteien in Romanshorn zählen, die ebenso unzufrieden sind wie sie selber und die sich 2014 in der Vernehmlassung zur Gemeindeordnung teilweise gleich oder ähnlich geäussert hatten. Mitmachen werden die SP, die CVP, die BDP, die EVP und die Grünen, sagt EVP-Parteipräsidentin Regula Streckeisen, bei der die Fäden zusammenlaufen und von der die Initiative ausging. Sie werde auch noch versuchen, die GLP und die SVP ins Boot zu holen.

Das Vorgehen ist noch nicht bestimmt. Denkbar ist beispielsweise ein Antrag an einer Gemeindeversammlung oder eine Initiative. «Wir haben uns darüber noch nicht unterhalten», sagt Streckeisen.