ROMANSHORN: «Es gibt noch zu tun»

Das Kino Roxy zeigte einen Film über das Frauenstimmrecht. Und drei politische Pionierinnen erzählten von ihren Erfahrungen.

Markus Bösch
Merken
Drucken
Teilen
Vier Frauen mit politischer Erfahrung: Vreni Schawalder, Petra Keel, Brigitte Häberlin und Susanne Dschulnigg. (Bild: Markus Bösch)

Vier Frauen mit politischer Erfahrung: Vreni Schawalder, Petra Keel, Brigitte Häberlin und Susanne Dschulnigg. (Bild: Markus Bösch)

Einmal mehr war das Kino Roxy ausverkauft: Der erste Abend mit dem Film «Die göttliche Ordnung» zum Schweizer Frauenstimmrecht (von Petra Volpe mit Marie Leuenberger) stiess auf grosses Interesse – genauso wie die anschliessende Gesprächsrunde über die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der jüngeren Schweizer Geschichte. Geleitet wurde die Diskussion am letzten Donnerstag von Stadträtin Petra Keel.

Der Film sei so etwas wie ein Dankeschön an all jene Frauen, die für ihre politischen Rechte ­damals auf die Strasse gegangen seien, sagte Kinogeschäftsführerin Andrea Röst. «Es brauchte diese Impulse von aussen, aus den Städten in diesem gutbürgerlichen, patriarchalischen Staat», sagten Brigitte Häberlin und Susanne Dschulnigg. Häberlin wurde 2011 als erste Thurgauerin in den Ständerat gewählt, Dschulnigg war 1979 die erste Gemeinderätin in Romanshorn. Dass die Schweiz als letztes europäisches Land den Frauen das Stimmrecht zugestanden hat – allerdings in einer Volksabstimmung –, ist aus heutiger Sicht unverständlich, «waren es doch zumindest während der beiden Weltkriege die Frauen, die die Wirtschaft am Laufen hielten», sagte «Vreni Schawalder. Sie war 1996 als erste Frau in den Thurgauer Regierungsrat gewählt worden. Alle drei Politikerinnen hatten Unterstützung bei den Wahlen gespürt, sowohl von Frauen als auch Männern, obwohl die Männer ­damals – sprich 1979 – in ihren Rollenbildern gefangen waren, meinte Dschulnigg.

«Abgeschlossen ist die Gleichberechtigung sicher nicht, wenn ich an die Wirtschaft denke oder an die Rollen in den Familien.» Vielleicht seien alle grundsätzlich gefordert, mehr Mut zu zeigen, auch in anderen Bereichen, waren sich die Gesprächsteilnehmerinnen einig. Schliesslich halte die Verfassung bereits 1848 fest, dass alle Schweizerinnen und Schweizer vor dem Gesetz gleich seien.

Der Film wird am Samstag, 1. April, um 20.15 Uhr noch einmal im Kino Roxy gezeigt.