ROMANSHORN: «Eine Investition in die Zukunft»

Vier Architekten schlagen Alternativen zur geplanten Brücke über die Gleise vor. Der zuständige Stadtrat Christoph Suter freut sich über das Interesse am Projekt. Er sieht aber wenig Handlungsspielraum.

Markus Schoch
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Es gab schon einmal eine Brücke über die Gleise. Sie war mit 200 Metern die längste Passerelle der Schweiz. (Bild: Kleines Museum am Hafen)

Es gab schon einmal eine Brücke über die Gleise. Sie war mit 200 Metern die längste Passerelle der Schweiz. (Bild: Kleines Museum am Hafen)

Dieter Bötschi, Alp Özozan, Werner Widmer und Andreas Zech stellen zwei Varianten einer Gleisquerung näher beim Bahnhof zur Diskussion (TZ vom Dienstag). Teil der Idee ist auch ein multifunktionales Gebäude hinter dem neuen Stellwerk der SBB, in dem auch das Hotel von Hermann Hess Platz finden könnte. Das im Agglomerationsprogramm der Region St.Gallen-Bodensee enthaltene Projekt der Stadt bringt nach Meinung des Quartetts zu wenig.

Herr Suter, was halten Sie von den Vorschlägen der Architekten?

Die Architekten haben uns ihre Überlegungen an einem Treffen dargelegt, was uns ausserordentlich gefreut hat. Es zeigt, dass das Brückenprojekt offensichtlich grundsätzlich auf Interesse stösst und zu Diskussionen Anlass gibt. Wir sind gerne bereit, mit der Gruppe weiter im Gespräch zu bleiben und mit der Bevölkerung in einen Dialog zu treten.

Wie?

Geplant ist ein Podiumsgespräch, an dem wir der breiten Öffentlichkeit die Passerelle vorstellen, auch wenn im Detail noch einige Fragen geklärt werden müssen. Ich denke, in zwei Monaten sollten wir so weit sein. Einladen werden wir sicher die Architektengruppe, aber auch Vertreter des Kantons und der SBB sowie weitere betroffene Kreise.

Die Brücke ist im neuen Agglomerationsprogramm der Region St.Gallen-Bodensee enthalten, das Ende des letzten Jahres eingereicht worden ist. Ist eine Änderung des Projektes überhaupt noch möglich?

Das ist so, und zwar dann, wenn in einer neuen Beurteilung eine andere Variante einen höheren Nutzwert aufzeigen würde. Wichtig ist aber zu wissen, dass die Gleisquerung vom Bund und vom Kanton nur mitfinanziert wird, wenn neben dem Nutzen für die Fussgänger auch die erforderliche Gleisquerung für die internationale Bodensee-Radroute entsteht. Über den Standort könnte man aber noch diskutieren.

Die Architekten finden den vorgesehenen Standort nicht optimal, weil er zwei Orte verbinde, die heute und auf lange Zeit hinaus wenig belebt seien. Warum soll die Brücke dort zu liegen kommen und nicht näher beim Bahnhof?

Grundsätzlich wollen wir mit der Gleisquerung einen möglichst hohen Nutzen generieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Perrons erschlossen werden können, was auch eine der Voraussetzungen ist, um Gelder von Bund und Kanton zu erhalten. Das Problem ist: Die Perrons sind sehr schmal und können deshalb aus Sicherheitsgründen nur stirnseitig der Passerelle verbunden werden. Wir haben über diesen Punkt intensiv mit den SBB diskutiert, die klar vorgegeben haben, was möglich ist und was nicht. Die vorgesehene Lage eröffnet ein ganz neues Einzugsgebiet für den Perronzugang, eine Entflechtung der Situation auf dem Bahnhofplatz und bietet die gewünschten Perspektiven für die Entwicklung des Gebietes zwischen SBS-Werft und Kornhaus. Aus diesem Grund war die Brücke auch schon im früheren Hafen-Richtplan an der Stelle vorgesehen, wo wir sie jetzt planen.

Aber dort nützt sie nichts oder zumindest nur wenig, kritisieren die Architekten.

Die Brücke sehen wir als Investition in die Zukunft. Der Stadtrat hat den Hafenpark im Richtplan zu einem Entwicklungsschwerpunkt erklärt und will die beiden Entwicklungsschwerpunkte Hafenpark und Stadtkern miteinander verbinden. Die bessere Anbindung an die Stadt soll helfen, das Gebiet attraktiver zu machen und es dadurch zu beleben. Die Stadt muss in grösseren Zeithorizonten denken. In den nächsten Jahren dürfte sich einiges ändern mit dem Umbau des Kornhauses und der vorgesehenen Masterplanung mit den SBB.

Keine gute Idee findet die Gruppe weiter, die Velofahrer weit weg vom See zu führen.

Der kantonale Richtplan fordert entlang dem Bodensee grundsätzlich eine Entflechtung der Wege für Fussgänger und Wanderer von derjenigen für Radfahrer und Skater. Wer möchte, soll den Weg dem Hafen entlang zu den Gastrobetrieben nehmen können, allerdings nicht auf dem Sattel, sondern zu Fuss. Alle anderen, die möglichst schnell von A nach B kommen wollen und einfach Kilometer abspulen, können über die Brücke fahren, was das Nadelöhr am Bahnhof entlastet. Eigentlich müsste der Bahnhof Romanshorn von der Grösse her drei Perronzugänge haben, wir haben aber nur eine Unterführung.

Die Hoffnung der Stadt ist, dass der eine oder andere im Zentrum absteigt und etwas trinkt oder etwas kauft. Die Architektengruppe glaubt nicht daran.

Die Statistik sagt, der Bodensee-Radweg hat eine beachtliche Frequenz. Es gibt nicht so viele Möglichkeiten, sich zu verpflegen. Wir sehen deshalb eine Chance für entsprechende Angebote in Romanshorn. Wenn sich nur ein Prozent für eine Pause in der Innenstadt entscheidet, wär das ein Gewinn. Es liegt aber an den Betrieben, den Bedürfnissen mit passenden Angeboten gerecht zu werden. Geplant ist auch, die Signalisation zu verbessern, damit sich die Attraktionen und Schönheiten leichter finden lassen. Die Brücke selber soll auch zu einem Highlight werden. Das Potenzial ist sicher da.

Es stellen sich aber auch Probleme, beispielsweise in eigentumsrechtlicher Hinsicht. Der Weg führt über Land, das der Stadt nicht gehört.

Diese Herausforderungen ergeben sich bei allen Varianten. Es ist sicher nicht einfach, was in unsere Beurteilung der Situation eingeflossen ist. Wir sind aber im Gespräch mit Grundeigentümern. Wichtig ist, dass wir den Betroffenen neue Chancen eröffnen können. Es tun sich diverse Entwicklungsmöglichkeiten auf, beispielsweise auch für den «Volksgarten». Es muss auch im Interesse der Stadt sein, dass wir dort einen Schritt vorwärtskommen. Ich denke, wir sind auf gutem Wege.

Die Architekten könnten sich das Hotel von Hermann Hess auf dem Parkplatz hinter dem Stellwerk vorstellen. Ist es dort denkbar?

Es würde dem kommunalen Richtplan entsprechen.

Könnte dort auch in die Höhe gebaut werden?

Das sollte dort von den gegenwärtigen Entwicklungsvorstellungen des Stadtrates her grundsätzlich möglich sein. Die Frage ist einfach, wie attraktiv der Standort für Hermann Hess wäre.