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ROMANSHORN: Eine Erfolgsgeschichte

Seit zehn Jahren bietet die Kantonsschule in speziellen Klassen Unterricht in Englisch und Deutsch an. Die sogenannte Immersionsklasse stösst auf grosses Interesse. Es gibt nicht genügend Plätze für alle.
Markus Schoch
Lernen unter besonderer Beobachtung im Schatten der Bäume: Die Schüler Nina Steffen und Felix Ritzi besprechen sich mit Immersionsklassen-Assistent Colin Browne und Prorektor Ruedi Herzog (stehend). (Bild: Donato Caspari)

Lernen unter besonderer Beobachtung im Schatten der Bäume: Die Schüler Nina Steffen und Felix Ritzi besprechen sich mit Immersionsklassen-Assistent Colin Browne und Prorektor Ruedi Herzog (stehend). (Bild: Donato Caspari)

ROMANSHORN. Der Versuch ist zur Erfolgsgeschichte geworden. «Wir haben immer mehr Bewerber als Plätze», sagt Kanti-Prorektor Ruedi Herzog. Das Interesse an der zweisprachigen Matur in Englisch und Deutsch sei von Anfang an vorhanden gewesen. Und ist zuletzt nochmals deutlich gestiegen. Seit diesem Schuljahr führt die Kantonsschule deshalb erstmals zwei sogenannte Immersionsklassen. Und trotzdem konnten noch immer nicht alle Interessenten berücksichtigt werden. Selektionskriterium ist der Notenschnitt bei der Aufnahmeprüfung. «Die Immersionsklassen sind ein Element der Begabtenförderung», sagt Herzog.

Doch nicht nur. Das Angebot ist auch eine Reaktion auf die Entwicklung an den Universitäten. «An der ETH und an anderen Orten auch werden heute viele Vorlesungen in Englisch gehalten.»

Der zweisprachige Unterricht bereitet die angehenden Studenten darauf vor. Er richte sich gerade nicht in erster Linie an «Sprachenfreaks», betont Herzog. Vor allem an den naturwissenschaftlichen Fakultäten sei Englisch mittlerweile weit verbreitet. An der HSG gehe es in die gleiche Richtung.

Minimalziel wird weit übertroffen

In Romanshorn kommen die Schüler der Immersionsklassen voll auf ihre Kosten: Die Zahl der Unterrichtsstunden in Englisch ist doppelt so hoch wie minimal vorgeschrieben: 1600 Lektionen statt 800.

Der Stoff in den Immersionsklassen und das Lehrplanziel ist der gleiche wie bei allen anderen Gymnasiasten. Die Leistungen sind auch in etwa vergleichbar. Mit einer Ausnahme: Etwas mehr Gewicht erhält der mündliche Unterricht, der es den Schülern erlauben soll, besser und tiefer in die Fremdsprache einzutauchen. Was sich in ihren Noten widerspiegelt.

Geeignete Lehrmittel zu finden sei kein Problem, sagt Herzog, der für den Immersionsunterricht verantwortlich ist. «Es gibt mehr als genug.» Bei der richtigen Wahl hilft den Lehrern Colin Browne. Der Nordire ist Assistent im Bereich des Immersionsunterrichts – in Romanshorn und in anderen Kantonen. Der studierte Meteorologe und Mathematiker mit einem 25-Prozent-Pensum in Romanshorn bietet den Lehrern in verschiedener Hinsicht Unterstützung an: Er sieht sich ihre Prüfungen oder Unterlagen durch, besucht den Unterricht und organisiert interne Weiterbildungen. Mit den Schülern kommt Browne hauptsächlich in Workshops in Kontakt, bei denen er ihnen beibringt, wie sie die Maturaarbeit schreiben müssen – die er dann auch in bezug auf die Sprache korrigiert.

Den acht Immersionslehrern an der Kantonsschule Romanshorn stellt er ein gutes Zeugnis aus: «Das Niveau ist überdurchschnittlich.» Viele hätten Englisch im Nebenfach studiert oder sich in einem Auslandaufenthalt gute Sprachkenntnisse erworben und seien sehr motiviert. «Der Markt spielt.»

«Englisch braucht man heute überall»

Es gebe aber schon grosse Unterschiede bei der Englischkompetenz der Lehrer, sagt Schülerin Nina Steffen, die im dritten Jahr die Kantonsschule besucht.

Englisch sei ihr schon immer leichtgefallen, und darum habe sie sich für die zweisprachige Matura entschieden. «Englisch braucht man heute überall, und es ist darum von Vorteil, wenn man es gut kann.» Am Anfang habe sie etwas mehr Zeit in die Schule investieren müssen. «Aber man gewöhnt sich schnell an die neue Situation. Heute macht es für mich keinen Unterschied, ob der Unterricht in Deutsch oder Englisch stattfindet.» Sie wolle einfach so viel wie möglich mitnehmen, um gut aufs Studium und später das Berufsleben vorbereitet zu sein. Was sie dereinst machen wolle, wisse sie noch nicht. «Sicher nicht Mathe oder Physik.» Klar sei, dass sie nach der Kantonsschule ein Jahr Pause mache und für sechs Monate nach England gehe.

Alle kriegen früher oder später die Kurve

Ähnliche Erfahrungen hat Felix Ritzi gemacht, der bereits ein Jahr weiter ist als Steffen. «Ich konnte schon gut Englisch, als ich an die Kantonsschule kam.» Verständnisprobleme habe es deshalb keine gegeben. Und heute hat er sie sowieso nicht mehr. Denn Ritzi ging im zweiten Jahr der Kantonsschule für zwölf Monate in die USA, wo er seine Sprachkenntnisse weiter verbesserte. «Nach einer gewissen Zeit habe ich in Englisch gedacht», sagt Ritzi. Studieren will er an der Uni Zürich, wahrscheinlich etwas im Bereich Wirtschaft oder Informatik. Aber auch Kommunikationswissenschaften würden ihn interessieren. Zuvor wird er aber noch Zivildienst leisten und mit seinem Bruder reisen.

Ritzi und Steffen sind keine Ausnahmen, sondern die Regel. Bis jetzt hätten alle Schüler der Immersionsklasse früher oder später die Kurve gekriegt, sagt Herzog. «Es gab zwar einzelne, die Mühe hatten. Es lag aber nie an der Sprache.»

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