ROMANSHORN: Eine Brücke gibt zu reden

Am Montag informierte die Stadt über die geplante Gleisquerung. Nach Meinung von Kritikern wäre ein Ausbau der bestehenden Unterführung die bessere Lösung.

Markus Bösch
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Sie stellten ein grosses Projekt und Alternativen dazu vor: Andreas Schuster, Werner Widmer, Christoph Sutter, Michael Fischer, Urs Oberholzer, Markus Neff und David H. Bon. (Bild: Markus Bösch)

Sie stellten ein grosses Projekt und Alternativen dazu vor: Andreas Schuster, Werner Widmer, Christoph Sutter, Michael Fischer, Urs Oberholzer, Markus Neff und David H. Bon. (Bild: Markus Bösch)

Markus Bösch

romanshorn@thurgauerzeitung.ch

Es ist eine gute Idee, sehr positiv, ein Highlight und löst Verkehrsprobleme: Die Teilnehmer des Podiums zur geplanten Passerelle waren sich fast einig über die angedachte Brücke über die Gleise am Bahnhof Romanshorn – ausser Werner Widmer, der als Architekt und ehemaliger Stadtplaner die Idee einer Aufwertung der bestehenden Unterführung im Zentrum des Bahnhofs ins Spiel brachte.

Sowohl die Richtpläne 2003 und 2015 als auch die Empfehlungen der Bevölkerung aus den seinerzeitigen Workshopverfahren sehen im Areal Hafen Süd ein Gebiet mit Potenzial, das ans Zentrum von Romanshorn angeschlossen sein will. Stadtpräsident David H. Bon und Projektrealisator Beat Pretali erläuterten die politischen Voraussetzungen für den Bau der Passerelle und gingen auf deren Multifunktionalität ein. Sie sei eine Lösung für die Bodenseeradroute, eine direkte Anbindung des Hafenparks an die Innenstadt, die Erschlies­sung der Perrons und eine Aufwertung des Areals Volksgarten. Die Bauingenieure Jürg Conzett und Rebecca Lutz zeigten die technische Machbarkeit auf und zeigten den Besuchern Visualisierungen. Insgesamt sei das Ganze ein Schlüsselvorhaben im Velo-, Fuss- und Bahnverkehr, waren sich die Referenten einig.

Werner Widmer bringt neue Idee ins Spiel

Werner Widmer war im Vorfeld mit Dieter Bötschi und Andreas Zech mit alternativen Varianten an die Öffentlichkeit getreten. Eine Passerelle müsse viel näher beim Bahnhof sein, zwei Varianten stellte er am Stadtgespräch vor – und brachte dann gleich noch eine neue Idee ins Spiel: «Wir machen die bestehende Unterführung für die Fussgänger attraktiver, ersetzen das bestehende Gemälde mit einem Fenster zum See und führen die Velofahrer entlang der Hafenmauer. Das lässt sich rasch und kostengünstig(er) umsetzen. Ich ziehe das dem schönen Traumgebilde vor.»

Für die Teilnehmer des anschliessenden Podiumsgesprächs war die Sache klar: «Die Idee, die Gleise zu überqueren, ist an sich gut, ausser dem gekünstelten Ostanschluss» (Markus Neff, Roldag). «Aus Sicht der SBB ist die grosse Spannweite ein Muss» (Michael Fischer, SBB). «Und die Idee der Anpassung des Bodenseeradweges mit dem Aggloprogramm zu verknüpfen, ist aus der Sicht des Kantons richtig» (Andreas Schuster, stellvertretender Leiter des kantonalen Tiefbauamts). Für die beiden Stadträte Christoph Sutter und Urs Oberholzer ist «das Projekt ein Highlight» und «die Entflechtung des Velo- vom Fussgängerverkehr eine Notwendigkeit». Werner Widmer seinerseits plädierte für eine «Passerelle mit besseren, weil vorhandenen Anknüpfungspunkten».

Aus dem Publikum war einige Skepsis zu spüren – etwa wenn auf die «zu tiefe Ausarbeitung der Machbarkeit und auf die dazu ausgegebenen Gelder» hingewiesen wurde. Bon, die beiden Stadträte und Schuster hingegen bezeichneten diese Vorgehensweise als Notwendigkeit, um überhaupt im Aggloprogramm verbleiben zu können» und in diesem Sinn die richtige Balance zu halten. Der Mehrwert der Brücke sei auch in der Förderung des sanften Tourismus und des Veloverkehrs an sich zu sehen.

Was sicher ist: Die Machbarkeitsstudie der «Gleisquerung Bahnhof Süd» wird erst dann weiterverfolgt, wenn Bundesgelder über das Aggloprogramm gesprochen werden und der Kanton sowie die SBB sich ebenfalls beteiligen.

Die Varianten der Romanshorner Architekten würden vertieft angeschaut und geprüft hinsichtlich der Kosten und ihrer Machbarkeit, versicherte Christoph Sutter.