ROMANSHORN: Ein schöner Empfang

Die Stadt möchte die Verwaltung für 40 Jahre im ehemaligen Postgebäude einmieten. Zu reden geben vor allem die Kosten. Doch die werden so oder so steigen, sagt Stadtpräsident David H. Bon.

Markus Schoch
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Visualisierung des geplanten zentralen Schalters im Lichthof. (Bild: PD)

Visualisierung des geplanten zentralen Schalters im Lichthof. (Bild: PD)

ROMANSHORN. Es ist ein grosser Schritt, den die Stadt tun will. Stadtpräsident David H. Bon spricht von einem «Generationenprojekt». Doch das Interesse hält sich in der Bevölkerung noch in engen Grenzen. Jedenfalls besuchten nur rund 40 Personen am Montagabend eine Veranstaltung der Stadt in der Aula Rebsamen, an der sie über das geplante Stadthaus im ehemaligen Postgebäude informierte. Vorgängig gab es Führungen mit ähnlich vielen Teilnehmern durch die Liegenschaft, in der die Verwaltung zentral untergebracht werden soll. Über die entsprechende Vorlage stimmen die Romanshorner am 27. November ab.

Heute sind drei Abteilungen ausserhalb des Gemeindehauses eingemietet, das einst ein Restaurant war und in den 1930er-Jahren zu einem Verwaltungsgebäude wurde.

Schimmel im Archiv und kein Zugang für Behinderte

Der Handlungsbedarf sei seit 50 Jahren ausgewiesen, sagte Bon. Und er habe sich akzentuiert, weil immer nur das Allernotwendigste ins Gemeindehaus investiert worden sei, das alle von Anfang an als Übergangslösung angesehen hätten. So gebe es beispielsweise heute im Archiv Probleme mit Schimmel. Und Behinderten sei der Zugang ins Gebäude nach wie vor faktisch verwehrt. «Dieser Zustand ist unhaltbar und beschäftigt mich sehr», sagte Bon. Komme hinzu, dass für die sozialen Dienste und die Bauverwaltung mindestens vorübergehend neue Büros gesucht werden müssten. Im ehemaligen Postgebäude biete sich jetzt die Chance, die gesamte Verwaltung zentral unterzubringen, was nicht nur die internen Abläufe erleichtere und den Angestellten bessere Arbeitsbedingungen biete. Auch die Bevölkerung würde profitieren, sagte Bon. «Die Dienstleistungen werden kundenfreundlicher.» Vorgesehen ist, dass sich die Stadt für 40 Jahre im schlüsselfertig zur Verfügung gestellten ehemaligen Postgebäude einmietet, was sie pro Jahr rund 626 000 Franken kostet. Dieser Preis sei zu hoch, meinte eine Frau am Montagabend. Jan C. Meyer von der Post Immobilien AG widersprach dieser Einschätzung. «Sie können mir glauben, es ist ein fairer Preis, wovon Sie sich bei Vergleichen rasch überzeugen können.» Verhandlungsspielraum gebe es keinen mehr. «Er ist ausgereizt. Wir können der Stadt nicht noch weiter entgegen kommen.»

Für die Stadt wird es in jedem Fall teurer

Ein anderer Besucher sprach sich grundsätzlich gegen eine Mietlösung aus, die finanzpolitisch unverantwortbar sei. Der Behörde warf er vor, sich nicht um die Sintflut zu kümmern, die nach ihr komme – und die sie mit der Vorlage auslöse. Bon verwahrte sich gegen diese Unterstellung. Das Gegenteil sei richtig: «Die Mietlösung gibt uns Planungssicherheit, die ein hohes Gut in der Politik ist.» Und das Risiko sei kalkulierbar.

Alternativen gebe es keine, machte Bon klar. «Entweder mieten wir uns im Postgebäude ein, das für unsere Bedürfnisse fast ideal ist. Oder wir mieten weiter wie heute bereits Raum für diverse Abteilungen der Verwaltung und investieren ins Gemeindehaus.» Man dürfe sich aber keine Illusionen machen: So billig wie im Moment werde es bei einem Nein am 27. November nicht bleiben. «Es ist heute nur so günstig, weil wir die Hausaufgaben nicht gemacht haben. Die Kosten für die Verwaltungsinfrastruktur werden in den nächsten Jahren so oder so markant ansteigen.» Ein Umbau und die Sanierung des Gemeindehauses würde 4,8 Millionen Franken kosten, hat eine von der Stadt in Auftrag gegebene Studie gezeigt.

Das Postgebäude zu kaufen, sei derzeit «keine realistische Option», sagte Bon. Es sei nicht zu haben, was Meyer von der Post bestätigte. «Der Standort Romanshorn ist sehr interessant für uns, und darum behalten wir das Gebäude in unserem Portefeuille», erklärte er. Andere geeignete Gebäude oder Liegenschaften im Zentrum für ein Stadthaus gebe es nicht, sagte Bon. Und selbst wenn sie auf dem Markt wären, könnte die Stadt nicht zugreifen. «Mit der Investition würde sie sich den finanziellen Spielraum für andere wichtige Projekte wie eine Halle oder die Passerelle nehmen.»

Doch es gab nicht nur Kritik an den Plänen, sondern auch Lob aus dem Publikum. Er verstehe die Begeisterung der Beteiligten, meinte ein Mann. Zumal die Post die Absicht habe, das Gebäude auch äusserlich zu sanieren. «Es gibt ein Facelifting», versprach Architekt Martin Schneider. Die Rampe beispielsweise beim Eingang kommt weg. «Wir werden aber nicht alle Wünsche erfüllen können», dämpfte Meyer allzu hohe Erwartungen. Bon würde sich freuen, wenn die Dachzinne wieder für spezielle Gelegenheiten zugänglich wäre. Und auch gegen Gauben hätte er nichts.