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ROMANSHORN: Ein Schiffscontainer an bester Lage - Attraktion oder Ärgernis?

Auf der Hafenpromenade stellt die Stadt voraussichtlich im April einen Schiffscontainer auf. Es handelt sich dabei um eine Kunstinstallation auf der Route der Grand Tour of Switzerland.
Markus Schoch
Die Visiere auf der Hafenpromenade stehen seit ein paar Tagen. (Bild: Markus Schoch)

Die Visiere auf der Hafenpromenade stehen seit ein paar Tagen. (Bild: Markus Schoch)

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Romanshorn will Touristen auf dem 1643 Kilometer langen Road Trip durch die Schweiz einen Grund mehr geben, einen Halt am grössten Hafen am Bodensee zu machen. Die Stadt möchte im Frühling auf dem Land der Hess Immobilien AG direkt am Hafen einen Schiffscontainer aufstellen. Das Baugesuch liegt derzeit öffentlich auf.

Im Innern des 6,1 Meter langen, 3,25 Meter breiten und 3,7 Meter hohen Stahlbehälters wird der Bodensee als dreidimensionale Leuchtskulptur nachgebildet; die entsprechenden Arbeiten sind im Gang. Die Besucher erhalten darüber hinaus Informationen über sechs Orte am See: Nebst Romanshorn sind das Bregenz, Friedrichshafen, Lindau, Kontanz und Altenrhein. Auch weitere lohnenswerte Ziele in der Umgebung sind aufgeführt.

Wer sich die Ausstellung anschaut, soll aber nicht nur Wissen über die Region mit nach Hause nehmen, sondern auch etwas von sich zurücklassen. Die Reisenden haben die Möglichkeit, an den Containerwänden Spuren zu legen. Sie können mit Kreidestiften vermerken, woher sie kommen, wie sie unterwegs sind, wohin sie gehen und wann sie in Romanshorn waren.

Die Kunstinstallation ist Teil der sogenannten Grand Tour of Switzerland - einer 2015 von Schweiz Tourismus konzipierten Rundreise durch die Schweiz und ihren Sehenswürdigkeiten. Der Dachverband bot interessierten Regionen die Möglichkeit, sich in geeigneter Form zu präsentieren. Und Romanshorn, beziehungsweise der Kanton Thurgau, nutzt die Chance. Der Container auf der Hafenpromenade ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt und von Thurgau Tourismus und wird sicher dieses Jahr in Romanshorn stehen, wie Nathalie Meo von Thurgau Tourismus sagt. Danach schaue man weiter. Der Behälter soll ausserdem an Messen oder Roadshows eingesetzt werden können.

Die Projektkosten belaufen sich auf insgesamt 156'000 Franken, 15'000 Franken übernimmt der Bund. Wie viel Romanshorn zahlt, war gestern bei der Stadt nicht in Erfahrung zu bringen.

Kommentar: Schlechtes Timing

Die Stadt will mit einer Kunstinstallation Touristen nach Romanshorn locken. Die Idee ist an sich gut, der Zeitpunkt aber denkbar schlecht. Das Problem ist - wie immer im Moment - das Geld. Romanshorn muss sparen. Der Stadtrat nutzt jede noch so kleine Gelegenheit, um den Finanzhaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Vor Weihnachten liess er im Löffelpark den fast 150 Jahren alten Brunnen abtransportieren und machte aus einem Grünraum eine kahle braune Fläche, was die Rechnung der Stadt jährlich um ein paar Tausend Franken entlastet. Der Protest liess nicht lange auf sich warten.

Und dieser Protest wird jetzt noch lauter werden. Zu Recht. Es geht natürlich nicht an, dass die Stadt in einem Quartier ein kleines Naherholungsgebiet zerstört und gleichzeitig am Hafen Durchreisenden eine neue Attraktion bietet. Um den Schaden in Grenzen zu halten, gibt es nur eines: Die Stadt bringt – wie von Anwohnern und anderen verlangt – den Brunnen zurück, begrünt die Anlage, entschuldigt sich und finanziert dazu ein kleines Dorffest. Andernfalls läuft der Schiffscontainer der Reizfigur Mocmoc möglicherweise schnell den Rang als meist gehasstes Objekt in der Stadt ab.

Markus Schoch
markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

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