ROMANSHORN: Ein Hockeyverrückter geht vom Eis

Romanshorn und die Region haben Richard Stäheli einiges zu verdanken: Ein Eissportzentrum, eine ambitionierte 1.-Liga-Mannschaft sowie eine Nachwuchsabteilung mit grosser Ausstrahlung. Anfang Mai hat der unermüdliche Schaffer sein Lebenswerk übergeben.

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Richard Stäheli (Bild: Andrea Stalder)

Richard Stäheli (Bild: Andrea Stalder)

ROMANSHORN. Als in Uttwil vor 51 Jahren der Hockeyclub gegründet wurde, war Richard Stäheli zu jung, um an vorderster Front zu kämpfen. Gross war seine Begeisterung für den Eissport aber schon damals. Und eine Herzenssache ist er für den 62-Jährigen bis heute geblieben.

Wenn dem aus dem EHC Uttwil entstandenen Verein «Pikes EHC Oberthurgau 1965» in den letzten 30 Jahren gerade kein Präsident zur Verfügung stand, übernahm Richard Stäheli den Vorsitz. Wenn die inzwischen erfolgreich in der ersten Liga etablierte Mannschaft zwischenzeitlich keinen Trainer hatte, trat er mit ebenso viel Power den zeitintensiven Job an der Bande an.

«Er lebt Hockey»

«Richard Stäheli versteht nicht nur Hockey, er lebt es auch», sagt Harry-Louis Beringer, Regionalpräsident Ostschweiz von Swiss Ice Hockey (SIHF). Die Aufgaben als Notnagel an der Front waren für den Oberthurgauer indes nur Nebenschauplätze.

Sein grösstes Anliegen war es, dem wachsenden Verein nach vielen Jahren Geduldetsein in verschiedenen Eishallen eine eigene Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, der ganzen Region Eislauf zu ermöglichen, ambitionierte junge Hockeysportler in der Gegend zu fördern, Geld für ein Spitzensportteam aufzutreiben und den Oberthurgau weiterzubringen.

EZO auf eigenes Risiko gebaut

Als die öffentliche Hand Ende der 1990er-Jahre die erhofften Zugeständnisse nach langen Verhandlungen nicht geben konnte und das nahe geglaubte Ziel mit der geplanten Infrastruktur auf dem Land der ehemaligen Alkoholverwaltung in Romanshorn an den Finanzen zu scheitern drohte, sprang Richard Stäheli kurzerhand selbst als Geldgeber in die Bresche und nahm das Risiko auf sich. Mit dem Bau und der Inbetriebnahme des modernen Eissportzentrums Oberthurgau (EZO) und den damit verbundenen neuen Möglichkeiten im 2001 wurde der Heimclub grösser und erfolgreicher. Die Region gewann sportlich an Bedeutung und wurde punkto Nachwuchsförderung schweizweit zum Paradebeispiel.

Einmalige Juniorenförderung

«Was Richard Stäheli in der Juniorenförderung aufgebaut hat, ist einmalig», lobt Harry-Louis Beringer. Auch SIHF-Verwaltungsrat Erwin Füllemann hält viel vom ehrgeizigen Oberthurgauer: «Richard Stäheli zeigt, was mit Fleiss, Zielstrebigkeit und Engagement möglich ist.» Das Eissportzentrum geniesst mittlerweile über die Landesgrenze hinaus einen guten Ruf. «Richard Stäheli ist fokussiert und was er verspricht, das hält er. Wer jedoch so viel bewirkt, braucht nicht nur Mut und Durchhaltewillen, sondern auch Hörner. Und diese liess sich Richard Stäheli nie abstossen», sagt Gregor Müller, der in den letzten sechs Jahren als Präsident der Pikes gewirkt und auf Anfang Mai die EZO Betriebs AG übernommen hat.

Weiterhin am Puck

Auch wenn Richard Stäheli mit dem Verkauf der Infrastruktur an die Stadt Romanshorn, dem Verkauf der EZO Betriebs AG und der neuen Führungsstruktur der 1.-Liga-Mannschaft nun zurücklehnen kann, bleibt er am Puck. Er wird weiterhin regelmässig in der Plauschmannschaft Hockey spielen, möglichst viele Spiele der Pikes verfolgen und bis zur nächsten Generalversammlung im Verwaltungsrat bleiben. (mtb)