ROMANSHORN: Doppeltes Pech war zu viel

Weil es für die Besucher lebensgefährlich gewesen wäre, sagten die Organisatoren das «Takt am See»-Festival ab.

Markus Schoch
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Gestern Nachmittag waren Arbeiter damit beschäftigt, das Zeltgerüst abzubauen. (Bilder: Markus Schoch)

Gestern Nachmittag waren Arbeiter damit beschäftigt, das Zeltgerüst abzubauen. (Bilder: Markus Schoch)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Sie hatten einen Plan B, aber keinen Plan C. Auf schlechtes Wetter waren die Organisatoren des Elektro-Festivals vorbereitet, das gestern und heute erstmals an zwei Tagen hätte stattfinden sollen und zu dem 3000 Besucher erwartet wurden. Für das Programm unter freiem Himmel auf der Festwiese gab es eine Ausweichvariante unter Dach. Aber auf statische Probleme waren die Veranstalter nicht gefasst. Zumal nichts darauf hindeutete.

Seit zweieinhalb Monaten waren Bruno dos Anjos und sein Geschäftspartner Marco Frey im Gespräch mit einem Gerüstbauer, der ihnen zwei zehn Meter hohe Zelte auf dem Werftareal der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) hinstellen sollte. Damit wollten die beiden auf der sicheren Seite sein für den Fall, dass es regnen sollte.

Der Entscheid schien sich auszuzahlen. Am letzten Dienstag kamen den beiden aber erste Zweifel, dass sie trotz angekündigter Kaltfront auf der Sonnenseite stehen. Denn als sie mit ihren 15 Helfern damit begannen, das Equipment an den Stangen zu installieren, war ihnen schnell klar, dass sie nie und nimmer zweieinhalb Tonnen Last auf­hängen können, wofür ihnen der Gerüstbauer die Zusage gegeben habe, sagt dos Anjos. Als sie ihn darauf angesprochen hätten, habe er alles schönreden wollen. Also hätten sie sich an einen Statiker gewandt. «Er brauchte nicht akribisch zu suchen, sondern konnte die Konstruktion nur noch als lebensgefährlich bezeichnen.»

Ein finanzielles Debakel

Frey und dos Anjos suchten vergeblich nach räumlichen Alternativen in der Umgebung und spielten kurz mit dem Gedanken, ­normale Festzelte als Ersatz aufzustellen. Diese Idee liessen sie aber schnell wieder fallen, weil die Sache damit finanziell vollends aus dem Ruder gelaufen wäre. «Es ist schon so ein Debakel», sagt dos Anjos. Sie hätten bereits hohe finanzielle Vorleistungen erbracht. «Zudem hätten wir so nicht das Programm zeigen können, das wir versprochen haben.» Also sagten sie den Anlass schliesslich kurzfristig schweren Herzens ab.

Das Vertrauen der Besucher zu verspielen, war ihnen ein viel zu hoher Preis. «Wir wollen weitermachen», sagt dos Anjos. Das dritte Mal «Takt am See» vor einem Jahr soll nicht das letzte Mal gewesen sein. Das Festival soll weiterwachsen und Ableger bekommen in Zürich und irgendwo in den Bergen. Bei den Agenturen, Partnern und ihrem Publikum hätten sie weiter Kredit, sagt dos Anjos. Die meisten hätten sehr viel Verständnis gezeigt für den Entscheid, unter den gegebenen Umständen die Reissleine zu ziehen.

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