ROMANSHORN: «Dieser Vergleich hinkt und ist unfair»

An der Gemeindeversammlung diese Woche waren die tiefen Steuerzahlungen der Firmen ein Thema. Für den Arbeitgeberpräsidenten zielt die Diskussion am Kern des Problems vorbei.

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Er hatte alles durchgerechnet und war zu einem ernüchternden ­Resultat gelangt. In keinem anderen Ort im Thurgau zahlen die Firmen anteilmässig weniger Steuern als in Romanshorn, sagte ein Stimmbürger an der Rechnungsgemeinde am Dienstagabend (wir berichteten). «Das kann nicht sein», meinte der Mann. Der Steuerertrag der juristischen Personen sei so hoch wie derjenige von 64 Lehrer-Ehepaaren. Der Vergleich hinke und sei unfair, entgegnet Thomas Maron, der Präsident der Arbeitgebervereinigung. Denn die Firmen würden in Romanshorn über 5000 Mitarbeitern Arbeit geben, die alle Steuern zahlen würden, was nicht ausgeblendet werden dürfe. «Die Unternehmensbesteuerung wird bewusst tief gehalten. Damit können die Unternehmen investieren und Stellen schaffen.» Was im aktuellen Umfeld schwierig genug sei. Der Frankenschock sitze der Wirtschaft noch immer tief in den Knochen und sei noch längst nicht überwunden. «Die Margen bei den exportorientierten Unternehmen sind massiv gesunken», sagt Maron. Darauf wies auch Stadtpräsident David H. Bon an der Rechnungsgemeinde hin. Der produzierenden Industrie stehe das Wasser bis zum Hals. Und trotzdem würden die Unternehmer alles versuchen, die Arbeitsplätze zu halten, was bis jetzt auch gelungen sei, sagt ­Maron.

Neue Unternehmen nach Romanshorn zu holen, sei zwar eine gute Idee, um den Steuerertrag zu erhöhen. Sie sei unter den aktuellen Vorzeichen aber nur schwer umzusetzen, sagt Maron. Auch weil der Steuerfuss von Romanshorn schon vergleichsweise hoch sei. Ein Nachteil sei auch die periphere Lage, weiss Bon. «Bei Ansiedelungen von Firmen haben die Regionen Wil und Frauenfeld wegen des Autobahnanschlusses die Nase vorn.»

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch