ROMANSHORN: Die Verwandlung der «Säntis»

Die Schweizerische Bodensee Schifffahrt baut das 60 Jahre alte Motorschiff für über 2 Millionen Franken zu einem Eventcruiser um. Die «Yacht für einen Tag» läuft am 27. April zum ersten Mal aus. Sie ist bereits 20-Mal gebucht.
Markus Schoch
Im Gespräch auf der Baustelle: Projektleiter Benno Gmür, SBS-Geschäftsführerin Andrea Ruf und Architektin Susanne Fritz. (Bild: Reto Martin)

Im Gespräch auf der Baustelle: Projektleiter Benno Gmür, SBS-Geschäftsführerin Andrea Ruf und Architektin Susanne Fritz. (Bild: Reto Martin)

Im vorderen Bereich hängt die Holzdecke bereits. Jetzt ziehen Bodenleger den Parkett ein. Das MS Säntis ist derzeit eine grosse Baustelle. Zwischen 40 und 50 Arbeiter sind in der Werft der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) daran, das 1956 erbaute Boot völlig neu zu gestalten. Es soll künftig als Eventschiff verkehren, das sich optisch ans (prämierte) Hafenrestaurant der SBS anlehnt und die gleiche Handschrift trägt: Nämlich diejenige von Architektin Susanne Fritz aus Zürich, die auch die Pläne für den Abenteuerspielplatz «Robinshorn» gezeichnet hat.

Der Schnitt mit der Vergangenheit der «Säntis» ist radikal: Es musste alles raus: Die Böden, die Decken und die Fenster. Auch die Küche wird von Grund auf neu eingerichtet. Nur der Motor mit seinen zweimal 300 PS bleibt unangetastet. Er wird das 146 Tonnen schwere und 40 Meter lange Charterboot weiter antreiben, das künftig noch maximal 150 Personen Platz bietet – halb so vielen wie zuvor.

Bild: Reto Martin
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Die "Säntis" wird zum Eventschiff

Oberdeck konnte nicht ganz geschlossen werden
Die Struktur derart massiv zu verändern, seine eine grosse Herausforderung, sagt Projektleiter Benno Gmür. Denn das Boot darf seine Stabilität nicht verlieren. Die SBS musste deshalb entgegen den ersten Plänen darauf verzichten, das Oberdeck vollständig zu schliessen. Das zusätzliche Gewicht hätte das Schiff aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Wände sind aber doch um ein paar Meter verlängert worden, sodass ein grösserer Raum entsteht, der mit Glastüren vom Sonnendeck abgetrennt ist und für Apéros oder Hochzeitszeremonien genutzt werden kann.

Auf dem Unterdeck wird es weiter zwei getrennte Räume geben. Sie zu verbinden, sei nicht möglich gewesen, sagt Fritz. Der hintere Saal ist für Bankette vorgesehen, der vordere ist multifunktional: Eingerichtet wird er als Whiskylounge mit sofaähnlichen Sitzgelegenheiten, die bei Bedarf im Boden versenkt werden können, sodass für grössere Gesellschaften zusätzlicher Platz für maximal 120 Personen zum Essen geschaffen werden kann. In solchen Fällen sitzen aber trotz Trennung alle zumindest virtuell an einem Tisch: Hält vorne jemand eine Ansprache, bekommen auch die Passagiere im hinteren Teil alles mit. Auf dem Schiff gibt es Kameras, Beamer, Leinwände und eine Musikanlage. «Die Multimedia-Ausstattung ist High End, kostet allein 100000 Franken und lässt keine Wünsche offen», sagt Projektleiter Gmür.

Verzichten muss die SBS auf einen Glasboden im Unterdeck, der den Blick auf den Maschinenraum freigegeben hätte. Die zuständigen Stellen in Bern waren aus moralischen Gründen nicht dafür zu haben: Denn der Glasboden hätte auch den Blick vom Maschinenraum nach oben frei gegeben.
Das für 2,1 Millionen Franken während vier Monaten umgebaute MS Säntis verlässt Ende April das erste Mal den Hafen mit Gästen. Obwohl die SBS noch nicht gross Werbung für das neue Charterschiff gemacht hat, ist es bereits 20 Mal gebucht worden. Die Miete der sogenannten «Yacht für einen Tag» kostet für zwei Stunden 4000 Franken. Zielgruppe sind private Gesellschaften ebenso wie Firmen, die an Bord Seminare durchführen können, sagt SBS-Geschäftsführerin Andrea Ruf.




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