ROMANSHORN: Die Swing Kids zieht es nach Japan

Die Swing Kids machen Werbung für die führende japanische Kleiderfirma Uniqlo und erhalten damit weltweite Präsenz. Reich wird die Band mit Leader Dai Kimoto dadurch nicht. Aber ziemlich sicher berühmt.

Markus Schoch
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Dreharbeiten am See in Romanshorn. (Bild: PD)

Dreharbeiten am See in Romanshorn. (Bild: PD)

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Dai Kimoto, haben die Swing Kids dank des Spots jetzt fi­nan­ziell für alle Zeiten ausgesorgt?

Nein, das ist nicht so. Wir bekamen eine Tagesgage.

Das ist nicht viel. Wie kommt das?

Normalerweise wirbt das Label Uniqlo mit berühmten Personen, auch Weltstars. Wir sind das nicht. Dafür erhalten wir eine riesige Werbeplattform. Uniqlo hat 837 Filialen in Japan und 956 im Ausland. Der Werbespot wird ab Freitag an all diesen Standorten und im Fernsehen gezeigt – immer mit Hinweis auf die Swing Kids. Teil der Kampagne sind auch Plakate. Und die Swing Kids erhalten eine eigene Seite auf der Homepage von Uniqlo.

Wie ist die Firma auf die Swing Kids gekommen?

Sie haben eine Band mit Kindern gesucht und sind im Internet ziemlich schnell auf uns auf­merksam geworden. Gerade in Japan haben wir durch unsere Tourneen eine kleine Fangemeinde.

Und dann haben die Verantwortlichen einfach angerufen und gefragt, ob die Swing Kids Lust hätten mitzumachen?

So ähnlich ist es tatsächlich gelaufen. Zuerst erhielt ich ein Mail, später telefonierten wir. Wie mir gesagt wurde, waren auch andere Gruppen aus den USA im Gespräch, am Schluss haben dann aber wir das Rennen gemacht.

Warum?

Ich weiss es auch nicht. Jedenfalls kam dann eine 16-köpfige Filmcrew nach Romanshorn und drehte mit fünf Swing Kids vom 21. bis 24. September, die Musik machten und Winterjacken von Uniqlo trugen. Vor Ort war ein Team der grössten japanischen Werbeagentur Dentsu mit 6000 Mitarbeitern.

Es gab voraus kein Casting?

Nein, im Netz gibt es viele Videos von uns.

Danach sind die Swing Kids für eine dreiwöchige Tournee nach Japan geflogen. Wie ist es gelaufen?

Super, wie immer. Wir haben 14 Konzerte in 11 Städten gegeben und spielten einmal sogar in einem voll besetzten Nostalgiezug mit dem Namen «Take the Train». Wir waren auch in zwei Schulen und hatten einen Auftritt mit einem der besten Uni-Blasorchester in Japan. Alle haben nur gestaunt und sich gefragt, wie das möglich sei.

Wie was möglich ist?

Dass Kinder auf diesem Niveau Musik machen.

Sind die Swing Kids in der aktuellen Besetzung gut?

Sie waren noch nie so gut. Der Trompetensatz ist top, ebenso Bass und Schlagzeug. Nicht ohne Grund sind wir als einzige von 85 Gruppen aus aller Welt mit Gage für das Welt Jugendmusik Festival Anfang Juli in Zürich engagiert worden. Wer die Swing Kids in Bestform erleben will, sollte jetzt ein Konzert besuchen.

Was macht die Swing Kids so besonders?

Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die technisch hervorragend spielen. Bei den Swing Kids kommt das Klanggefühl dazu, das ich ihnen zu vermitteln versuche. Das ist der grosse Unterschied. Wichtig ist mir auch, dass die Freude nie verloren geht. Wir haben unseren ganz eigenen Stil.