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ROMANSHORN: Die Hürden sind hoch

Hermann Hess will am Hafen das grösste Hotel im Thurgau mit mindestens 100 Zimmern bauen. Das Land dafür am Wochenende von der Stadt zu bekommen, dürfte das kleinste Problem sein.
Markus Schoch
Planskizze des Hotels: Dass es dereinst genau so gebaut wird, ist eher unwahrscheinlich. Im Moment ist es aus vertraglichen Gründen mit der Stadt nicht möglich, den Baukörper ins Hafenbecken zu legen. (Bild: PD)

Planskizze des Hotels: Dass es dereinst genau so gebaut wird, ist eher unwahrscheinlich. Im Moment ist es aus vertraglichen Gründen mit der Stadt nicht möglich, den Baukörper ins Hafenbecken zu legen. (Bild: PD)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Die Wogen gehen in Romanshorn so hoch wie seit langem nicht mehr. Die Abstimmung über den Verkauf von 3900 Quadratmeter Land an Hermann Hess beziehungsweise seine Hess Immobilien AG für den Bau eines Hotels entzweit die Bevölkerung. Für die einen ist das Projekt des Amriswiler Investors ein Glücksfall und eine einmalige Chance für Romanshorn. Die anderen trauen Hess nicht über den Weg und sind nicht bereit, ihm einen der schönsten Plätze am Ort direkt am Wasser zu überlassen, den die Stadt erst vor drei Jahren den SBB abkaufen konnte. Zumal es keinen Wettbewerb gab und kein konkretes Projekt existiert.

Doch selbst wenn Hess das Grundstück am Wochenende bekommen sollte: Die eigentlichen Probleme fangen für ihn dann erst an. Die Ausgangslage ist städtebaulich sehr anspruchsvoll, schreibt die Stadt in der Abstimmungsbotschaft. Denn Romanshorn hat ein Ortsbild von nationaler Bedeutung. Als besonders wertvoll gilt unter anderem das Hafengebiet.

Bei grossen Eingriffen wie dem Bau eines grossen Hotels wird die eidgenössische Kommission für Denkmalpflege beziehungsweise die eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission früher oder später ein Wort mitreden wollen. Was sie sagen, hat grosses Gewicht. Die Einschätzung der eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission beispielsweise war von entscheidender Bedeutung, als das Bundesgericht 2003 Nein zum geplanten Inselhafen in Kesswil sagte.

Experten stecken Grenzen eng ab

Hess wird viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um grünes Licht von den beiden Gremien zu bekommen. Darauf deutet ein Gutachten hin, das sie vor 20 Jahren mit Blick auf einen Projektwettbewerb auf dem Güterschuppenareal abgaben, den die SBB und die Gemeinde seinerzeit ausschrieben. Die Expertise liegt der Thurgauer Zeitung seit kurzem vor und steckt die Grenzen des Zulässigen sehr eng ab.

Es ging vor allem um die Frage, ob der Güterschuppen abgebrochen werden kann oder nicht – er brannte zwei Jahre später ab. Die Idee war, ihn durch einen Neubau zu ersetzen, «der die charakteristischen Elemente der Hafenanlage nicht beeinträchtigt». Die beiden Kommissionen beurteilten die gesamte Hafen­situation mit ihren historischen Einzelbauten aus städtebaulichen, verkehrsgeschichtlichen und architekturhistorischen Gründen als erhaltenswert. Dass Gewerbe- und Industriebauten sowie Lagerräume direkt am Wasser gebaut seien anstelle von Restaurants, Hotels und Geschäftshäusern aus dem 19. Jahrhundert, habe Seltenheitswert in der Schweiz.

Der Ersatz des Güterschuppens könne deshalb nur in Kauf genommen werden, «wenn die heutigen Strukturmerkmale des gesamten Hafenareals gewahrt bleiben», heisst es im Gutachten.

Neubauten müssen sich subtil ins Ortsbild einordnen

Neubauten müssten einen hohen architektonischen Eigenwert haben und sich subtil ins Ortsbild einordnen. Der differenzierten Schichtung vom alten Ortskern bis zum See sei Rechnung zu ­tragen. Konkret forderten die beiden Kommissionen «eine ruhige, ganzheitliche Abwicklung der Überbauung sowie klare, undurchbrochene Dachflächen und/oder Dachkanten (eine den Wasserspiegel aufnehmende Horizontale). Massgebend für die Planung sein soll die Firstlinie des älteren Güterschuppenteils. Liegen zwingende Gründe vor, hätten sich die beiden Gremien seinerzeit eine Erhöhung um höchstens ein halbes Geschoss vorstellen können. Weiter verlangten sie, dass die gesamte Hafenmole in ihrer heutigen Form und Beschaffenheit zu schützen ist. «Stege, Bootsanlegeplätze usw. dürfen Gesamtform und Schwung bei dem stark schwankenden Wasserstand weder im Sommer noch im Winter beeinträchtigen.» Weitere Bedingung: Die neue Quaianlage müsse grosszügig bemessen und gestaltet sein. Es sei auch nicht zwingend, dass der Neubau so nahe an die Hafenmole zu stehen komme wie der Güterschuppen, dem die Experten «einen hohen räumlichen Stellenwert in der baulichen Sequenz am Hafenbecken» einräumten. Erste Priorität fürs Ortsbild habe die Hafenbucht.

«Romanshorn sollte sich auf sich selber besinnen»

Hess weiss um die schwierige Ausgangslage. Er hat auch öffentlich immer wieder darauf hingewiesen, wie hoch die Hürden für den Hotelbau sein werden. «Nur ist halt die Frage, ob die weit entfernte eidgenössische Denkmalpflege auch weiss, was gut ist für Romanshorn. Man muss sich diesbezüglich vergegenwärtigen, dass Romanshorn Mitte des 19. Jahrhunderts von mehr oder weniger rücksichtslosen Eisenbahnpionieren aus Zürich ohne jede Sensibilität überrollt worden ist.» Diesen damaligen «Gewaltakt» heute als allein richtungsweisende Maxime für die Zukunft festzulegen, greife seines Erachtens deutlich zu kurz, sagt Hess. «Romanshorn sollte sich auf sich selber besinnen, und nicht auf die damaligen und grösstenteils vergangenen SBB-Zeiten.»

Zudem seien mittlerweile 20 Jahren seit dem Gutachten vergangen. «Man kann doch auch wieder einmal neu nachdenken über das Thema.» Von Städtebauern gebe es diesbezüglich ermutigende Signale. Er kenne einen renommierten, europaweit bekannten Vertreter, der einen markanten Baukörper in dieser Ecke des Hafens befürworte. Die Zeiten seien heute anders, sagt auch Stadtpräsident David H. Bon. Die Stimmbürger hätten mit der Revision des Raumplanungsgesetzes der Zersiedelung einen Riegel geschoben und sich für die innere Verdichtung ausgesprochen. Damit würden neue Spielregeln gelten. Diese Entwicklung könne nicht ohne Einfluss auf die Diskussionen um den Ortsbildschutz bleiben.

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