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ROMANSHORN: Die Geige lässt ihn nicht los

Walter Schönbächler feiert heuer das 60-Jährige im katholischen Kirchenchor. Noch länger spielt der 81-Jährige Geige. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.
Tanja von Arx
Walter Schönbächler übt jeden Tag mindestens eine Stunde auf seiner Violine. (Bild: Donato Caspari)

Walter Schönbächler übt jeden Tag mindestens eine Stunde auf seiner Violine. (Bild: Donato Caspari)

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Viele würden ihn fragen: «Kannst du das nach der langen Zeit noch nicht?» Walter Schönbächler lächelt verschmitzt. Der 81-Jährige spielt seit über 60 Jahren Geige, und noch immer übt er jeden Tag anderthalb Stunden. 53 Jahre musizierte der Romanshorner im Thurgauer Kammerorchester, seit neun Jahren ist er im sinfonischen Orchester Arbon. Ausserdem feiert er heuer das 60-Jährige im katholischen Kirchenchor der Hafenstadt. «Wer rastet, der rostet», sagt Schönbächler gelassen. «Es geht darum, in der Übung zu bleiben.»

Ein Klavier war der Familie einfach zu teuer

Angefangen hat er als Bub. «Ich erinnere mich an eines: In der vierten Klasse wollte ich so sein wie mein Lehrer.» Um aber Primarlehrer zu werden, musste er an der Aufnahmeprüfung am Seminar Kreuzlingen Geige oder Klavier beherrschen. «Des Geldes wegen lernte ich Violine.» Denn der Vater starb früh, und seine Mutter musste die familieneigene Molkerei mit Restaurant und Laden aufgeben. Sie wurde Fabrikarbeiterin, um für Walterli und seine ältere Schwester sorgen zu können.

Unterricht nahm klein Walter bei Fräulein Deutsch. «Was sie sagte, war für mich das Evangelium.» Eine Stunde kostete sechs Franken, was ihm zusetzte. Seine Mutter verdiente nur einen Franken 20 in der Fabrik. «Wurde mir das Gleiche nochmals aufgegeben, weinte ich beschämt. Meine Mutter hatte fünf Stunden umsonst gearbeitet.» Doch die Aufnahmeprüfung bestand er und fand wenig später die erste Lehrstelle an der Gesamtschule Salen-Reutenen. Gleichzeitig trat der damals 19-Jährige dem Thurgauer Kammerorchester bei. Schönbächler erinnert sich: «Das Highlight war, als wir die Oratorien von Händel und die H-Moll-Messe von Bach in der Tonhalle Zürich aufführten mit dem Kobelt Chor.» Er hätte auf dem Töff von Salen-Reutenen nach Weinfelden fahren müssen, von wo aus sie ein Car in die Limmatstadt brachte. Schönbächler musste am selben Abend zurückkehren, da er am andern Tag unterrichtete. «Ich kam um drei Uhr nachts durchgefroren heim.» Morgens habe er sich gedacht: «Wenn die Schüler wüssten.»

Zwei Jahre später wurde Schönbächler Primarlehrer in Romanshorn. «Das war damals eine Volkswahl.» Er übte den Beruf bis zur Pensionierung aus. Dem katholischen Kirchenchor trat er bei Antritt der neuen Stelle bei. Schönbächler war ferner Mitglied der Gründungskommission des Musikkollegiums Romanshorn und präsidierte dieses während 18 Jahren.

Am Familienfest prima vista ein Heiden-Quartett

Noch heute nimmt Schönbächler jede zweite Woche Privatstunden. Zudem spielt er mit seinen fünf Töchtern, die Geige, Cello oder Klavier beherrschen. «Die Familienfeste verlaufen so, dass wir prima vista ein Heidenquartett spielen.» Aus dem Kammerorchester ist er 2008 ausgetreten, um im sinfonischen Orchester unter Leitung von Leo Gschwend zu spielen. «Im Sommer werden wir die ‹Zauberflöte› aufführen. Ich freue mich sehr.»

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