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ROMANSHORN: Der Weg aus dem Dornröschenschlaf

Vertreter der Stadt und des Büros KCAP in Zürich haben am Dienstag eine Art Masterplan zur Entwicklung des Zentrums beziehungsweise des Hafenareals vorgestellt. Es war ein Abend mit Überraschungen.
Markus Schoch
Grosses Interesse am Stadtgespräch: Das Kino Roxy war bis auf den letzten Platz besetzt. (Bild: Reto Martin)

Grosses Interesse am Stadtgespräch: Das Kino Roxy war bis auf den letzten Platz besetzt. (Bild: Reto Martin)

Markus Schoch


Sie bekamen beides, so wie sie es sich gewünscht hatten: Es gab Applaus vom Publikum für die Grundlagenarbeit, aber auch Detailkritik an den Plänen. Er fühle sich wohl, wenn er sich die Vision vor Augen führe. «Sie ist eine nötige und gute Grundlage, die uns Chancen eröffnete», sagte ein Mann. Sie blende aber ein Stück weit auch die Realität aus, kritisierte ein anderer.

Am Dienstagabend stellten Städtebauer und ETH-Professor Kees Christiaanse und seine Mitarbeiterin Yoo Na Ho vom Büro KCAP in Zürich ihre städtebauliche Konzeption zum Stadtkern und zum Hafenbecken Nord der Bevölkerung im Kino Roxy vor. Die Überlegungen sind die Basis für den Gestaltungsrichtplan Innenstadt, der derzeit zu öffentlichen Mitwirkungen aufliegt. Er ist sozusagen die massgeschneiderte Lösung für ein sensibles Gebiet mit baulich beziehungsweise gestalterisch besonderen Herausforderungen. Und grossem Potenzial: «Die Innenstadt und die Wasserfront bieten einzigartige, zentral gelegene und gut erschlossene Entwicklungsmöglichkeiten», heisst es in der Analyse von KCAP. Im Moment vermittle Romanshorn allerdings auf den ersten Blick den Eindruck einer Stadt im Dornröschenschlaf.

Grosse Erfahrung im Gepäck

Mit dem Büro KCAP hätten sie einen idealen Partner gefunden, sagte Stadtpräsident David H. Bon. Das international operierende Unternehmen ist auf nachhaltige Architektur und flexible städtebauliche Lösungen spezialisiert. Christiaanse und sein Team haben beispielsweise die fast 160 Hekatren grosse Hafencity in Hamburg gestaltet. Auf dem Gelände entsteht ein neuer Stadtteil mit gemischter Wohn-, Arbeits-, Kultur- und Freizeitnutzung.

Romanshorn soll aber nicht Hamburg werden. «Wir wollen keine Grossstadt bauen. Und wir werden vorsichtig vorgehen», betonte Bon am Stadtgespräch. Es gehe auch nicht darum, alles genau so zu verwirklichen, wie sie es sich ausgemalt hätten, meinte Christiaanse. Deshalb sei es sehr wichtig, keine gegenseitigen Abhängigkeiten entstehen zu lassen, und dass die Projekte in offener Weise entwickelt werden könnten. Das Konzept sei nicht starr, sondern flexibel.

In einem ersten Schritt hatten Christiaanse und seine Mitarbeiter einen sogenannten Rahmenplan für das fragliche Gebiet erarbeitet. Dieser bildet ein robustes Gerüst von Freiräumen und zu erhaltenden beziehungsweise geschützen Gebäuden. Der Rahmenplan definiert, welche Häuser abgebrochen werden sollen, wo Neubauten mit wie vielen Geschossen (allenfalls) sinnvoll wären und wo die Velowege durchführen. Aber auch zur richtigen Beleuchtung haben sich die Architekten Gedanken gemacht.

«Um den Charakter der idyllischen Hafenstadt zu bewahren und eine unkontrollierte bauliche Verdichtung zu verhindern, soll das Nebeneinander von Alt und Neu, die Kleinteiligkeit und Diversität der Bebauung möglichst erhalten bleiben», heisst es in den Unterlagen des Büros. Gleichzeitig solle Romanshorn «durch gezielt gesteuerte Verdichtung wachsen und sich weiter entwickeln». In einem zweiten Schritt formulierte das KCAP-Team konkrete Empfehlungen zu neun ausgewählten sogenannten Interventionsgebieten, die im Rahmenplan ausgeschieden sind. Dabei handelt es sich um Areale, die bei der Entwicklung als zusammenhängende Flächen gesehen werden müssen. Zu ihnen gehören beispielsweise der Stadtplatz, die Alleestrasse, der Alleehof vor dem Coop oder die geplante Passerelle über die Geleise.

Yoo Na Ho nahm die Besucher des Stadtgespräches auf einen Spaziergang mit und erklärte, wie sie und Christiaanse sich die Zukunft an den ausgewählten Orten vorstellen. Der Stadtplatz im Eck Bahnhof-/Alleestrasse beispielsweise soll 30 mal 50 Meter gross sein und ein repräsentativer, gefasster Ort mit einheitlichem Belag werden. Ein Zentrum auch des öffentlichen Lebens. Damit es entsteht, muss aber das Drumherum stimmen. Die KCAP macht hier – wie bei den anderen Arealen – konkrete Vorschläge, wie die Randbebauung aussehen muss. Wünschenswert wäre es ihrer Meinung ausserdem, wenn es vom Stadtplatz beziehungsweise der Bahnhofstrasse freie Sicht auf den Hafen gäbe. «Wir empfehlen darum, das Bahnhofsgebäude zu versetzen.» Der Effekt sei «unglaublich dramatisch», sagte Christiaanse.

Die Stadt hofft auf Investoren

Es sei überhaupt nicht die Idee, dass die Stadt die Vision umsetze. Dafür fehle ihr das nötige Geld, antwortete Bon auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum. Dafür brauche es Privatpersonen und Investoren, «für die wir Anreize schaffen müssen». Gleichzeitig sei es aber wichtig, Qualität einzufordern. «Wir sind in den letzten Jahren immer strenger geworden.»

Für Autos soll es auch weiterhin Platz im Zentrum haben, machte Christiaanse klar. Sie würden zur Belebung beitragen. «Wir wollen den Verkehr nicht weg», trat auch Stadtrat Markus Fischer Befürchtungen aus dem Publikum entgegen.

Kritik von verschiedener Seite gab es an der Idee, für die Erdgeschossflächen an den zentralen Orten in der Innenstadt publikumsorientierte Nutzungen vorzuschreiben. Es gebe schon genügend leer stehende Ladenlokale, hiess es. «Wir können die Entwicklung nicht aufhalten, indem wir ein Angebot schaffen, für das es keine Nachfrage gibt», sagte ein Mann. Das Einzugsgebiet sei viel zu klein, meinte ein anderer. Die Realität sei, dass seine Generation hauptsächlich online einkaufe, meldete sich ein 27-Jähriger zu Wort. Und dieser Wirklichkeit dürfe man sich nicht verschliessen. Er schlage deshalb vor, dass sich die Stadt in ihrer Entwicklungsstrategie auf das Hafengebiet konzentriere. «Wir brauchen nicht drei Zentren.»

Er sei bis jetzt davon ausgegangen, dass die Bevölkerung keine Schlafstadt wolle, entgegnete Bon. Das Zentrum aufzugeben, wäre nach Meinung von Christiaanse falsch. «Langsam entsteht wieder ein Markt für das lokale Gewerbe.» Es werde wichtig sein, Pioniere zu identifizieren, schreibt KCAP in den Unterlagen. So könne es gelingen, das Zentrum langsam zu beleben, meinte Yo. «Man müsse aber behutsam, langsam und strategisch vorgehen», betonte Christiaanse, der neu jetzt auch die Entwicklung des Ziegeleigeländes in Berg begleitet (wir berichteten gestern.)

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