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ROMANSHORN: Der Preis ist zu hoch und zu tief zugleich

Am 24. September stimmen die Romanshorner über den Verkauf eines Teilstückes der Hafenpromenade an Hermann Hess ab. Die IG Hafen sagt Nein. Nicht nur wegen des Preises.
Markus Schoch
Promenieren am Hafen. Hier will Hermann Hess sein Hotelprojekt realisieren. Doch der Landverkauf an ihn ist umstritten. (Bild: Max Eichenberger)

Promenieren am Hafen. Hier will Hermann Hess sein Hotelprojekt realisieren. Doch der Landverkauf an ihn ist umstritten. (Bild: Max Eichenberger)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Die IG Hafen bleibt sich treu. Sie war 2011 gegründet worden, um eine Überbauung der HRS mit fünf Wohnblöcken auf der Hafenpromenade zu verhindern. Und sie ist jetzt auch nicht für ein noch grösseres Projekt an schönster Lage zu haben. Gemeint ist das geplante Hotel von Hermann Hess mit mindestens 100 Zimmern im südlichen Bereich des ehemaligen Güterschuppenareals mit einer Fläche von insgesamt 9100 Quadratmetern. Die IG sagt darum Nein zum Verkauf eines Teilstückes (3900 Quadratmeter) zum Preis von rund zwei Millionen Franken an den Amriswiler Unternehmer. Die Romanshorner stimmen am 24. September darüber ab.

Nicht den gleichen Fehler nochmals machen

Nach Meinung der IG darf die öffentliche Hand an diesem Ort direkt am Wasser nicht Land veräussern, das sie erst vor drei Jahren von den SBB erworben hat. Das Filetstück müsse der Spekulation entzogen werden. Und es dürfe auf keinen Fall sein, dass dort ausschliesslich Private bauen. «Dafür haben wir uns von Anfang an eingesetzt», schreibt die Gruppierung in einer Mitteilung. «Fehlentscheide wie beispielsweise im Zusammenhang mit dem Zollhaus sollten sich nicht wiederholen.» Das historische Gebäude mit grossem Parkplatz steht gleich neben der Hafenpromenade und ist in Privatbesitz. «Die Stadt hatte das Objekt wegen eines Mehrpreis von 35000 Franken nicht erworben und zahlt heute für das Museum eine Miete, die höher ist als die damalige Differenz.»

Abgesehen von diesen grundsätzlichen Einwänden ist die IG auch nicht zufrieden mit den ­Vertragsbedingungen, die der Stadtrat ausgehandelt hat. Hess müsste der Stadt Romanshorn 525 Franken pro Quadratmeter zahlen. «An diesem besonderen Platz entspricht dieser Preis nicht dem Marktwert», schreibt die IG in der Mitteilung. In der Region zahle man auch an wenig attraktiven Lagen für gewöhnliche Bauten kaum einmal weniger als 500 Franken pro Quadratmeter. «Im Raum Kreuzlingen ist Bauland nicht unter 1000 Franken erhältlich.» Zum Vergleich: Die Stadt selber konnte das Land seinerzeit für 351 Franken pro Quadratmeter von den SBB erwerben. Dieser Preis sei keine Referenz, sagt Reiner Villinger von der IG. «Er ist unerheblich.» Entscheidend sei, wie das Land genutzt werden soll. Im konkreten Fall würden die 525 Franken in keinem Verhältnis zum Projekt stehen. Hess plane das grösste Hotel im Thurgau, sprenge damit alle baurechtlichen Grenzen und beanspruche dafür faktisch die gesamte Fläche der Hafenpromenade, indem er das zulässige Bauvolumen auf seinem Grundstück konzentrieren würde. Der Landpreis sei im Gegenteil ausserordentlich tief «und kann darum als Subvention für das Vorhaben angesehen werden», kritisiert die IG. Und sie fragt sich: «Wie würde die Stadt Investitionen bei anderen Hotels vergleichbar fördern?»

IG hätte öffentliche Ausschreibung erwartet

Unverständlich ist für die IG weiter, dass die Stadt das Land Hess zuhalten will, ohne anderen möglichen Interessenten die Gelegenheit gegeben zu haben, ein Konkurrenzangebot einzureichen. «Wenn die öffentliche Hand ein Grundstück verkauft, so müssten analog zum öffentlichen Beschaffungswesen Ausschreibungen erfolgen.» Andere Städte wie etwa Olten oder Zürich würden die entsprechenden Verfahren in verbindlichen Richtlinien oder allgemeinen Vorgaben regeln. Darin verlangt würde etwa ein neutrales Verkehrswertgutachten. Und vorgeschrieben werde auch, mit dem Kaufangebot einen Überbauungsvorschlag einzureichen.

Schliesslich vermisst die IG auch ein ganzheitliches Konzept für die gesamte Hafenpromenade, das die Rahmenbedingungen für Investoren absteckt und Grundlage für «einen fairen Wettbewerb auf der Basis des besten Preis-Leistungs-Verhältnisses» wäre. «Die Stadtentwicklung hätte hier schon lange aktiv werden müssen», sagt Vorstandsmitglied Ernst-Markus Büchi. «Es hat keine Interessenabwägung stattgefunden. Weder die öffentlichen Anliegen noch jene der Nachbarschaft konnten eingebracht werden.»

Erwartet hätte die IG zumindest, dass die Stadt selber die Machbarkeit des Hotelprojektes im Rahmen eines Gestaltungsplanverfahrens geprüft hätte. «Erst kürzlich wurde über die Hafenpromenade und grosse weitere Gebiete eine Planungszone erlassen. Das heisst doch eigentlich, dass die Stadt aktiv die Planung angeht.» Die IG hat den Verdacht, dass die Stadt «Sachzwänge zu Gunsten besonderer Interessen schaffen will». Dazu passe auch, dass sie in den letzten drei Jahren nicht viel unternommen habe, um die Hafenpromenade zu entwickeln, sagt IG-Vorstandsmitglied Dieter Bötschi. Dabei wäre eine Belebung so wichtig, vor allem im Winter. «Romanshorn leidet sehr darunter, dass in dieser Zeit nichts läuft.»

Es gibt andere Standorte für ein Hotel

Insofern würde die IG den Bau eines Hotels ausdrücklich begrüssen. «Es kann aber nicht sein, dass man nun den Standort auf dem ehemaligen Güterschuppenareal als einzige Möglichkeit anpreist, wenn man frühere Gelegenheiten wie beim ‹Bodan› ohne Not verworfen hat.» Und es weitere attraktive Alternativen gebe: Optionen sind nach Meinung der IG das Areal hinter dem SBS-Hauptgebäude neben dem Stellwerk, der «Volksgarten», das Hotel Inseli, ein Teil des Indus­trieareals der Hydrel am See (als Umnutzung) oder andere private Objekte.

Informationsveranstaltung: Montag, 21. August, 19.30 Uhr, Aula Kantonsschule

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