ROMANSHORN: Coop reagiert auf Mobbing-Vorwürfe

Der Detailhändler verlängert den Vertrag mit der Geschäftsführerin der Coop Pronto Tankstelle in Romanshorn nicht. Der Konflikt zwischen der Tankstellen-Chefin, zwei gekündigten Mitarbeitern und der Gewerkschaft Unia wird nun die Gerichte beschäftigen.

Inge Staub
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Bald unter neuer Leitung: Coop-Tankstelle in Romanshorn. (Bild: Reto Martin)

Bald unter neuer Leitung: Coop-Tankstelle in Romanshorn. (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. Die Gewerkschaft Unia erhebt happige Vorwürfe gegen die Betreiberin der Coop Pronto Tankstelle in Romanshorn: Schikane, Mobbing und Verletzung des Arbeitsrechts. In den vergangenen Wochen haben beide Seiten verhandelt – ohne Erfolg. «Nachdem sich die Coop Pronto Tankstelle weigerte, auf sämtliche Forderungen einzugehen, werden die Gespräche beendet», teilte Stefan Brülisauer gestern mit. Der Unia Sektionsleiter Thurgau kündigt an, dass eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter Klage gegen die Tankstelle einreichen werden.

Anzeige gegen Unia-Mann

Auch die Gegenseite beschreitet nun den juristischen Weg. Edona Pirku, Geschäftsführerin der Tankstelle, hat Stefan Brülisauer angezeigt. Ihr Rechtsanwalt Hermann Lei bestätigt, dass sie Anzeige wegen Nötigung, Ehrverletzung und unlauterem Wettbewerb eingereicht hat. Die Unia hatte im März mit einer Protest-Aktion auf die «schlimme Situation» in diesem Betrieb aufmerksam gemacht.

Für Edona Pirku, die als Franchise-Nehmerin die Tankstelle betreibt, hat der Konflikt mit zwei Mitarbeitern und der Gewerkschaft Folgen. «Coop hat meinen Vertrag nicht mehr verlängert.» Ab 1. September werde sie die Tankstelle nicht mehr führen. Hermann Lei vermutet, dass hierfür die mediale Aufmerksamkeit im Zuge der Unia-Protest-Aktion eine Rolle spielte. Die Coop Mineralöl AG äussert sich nicht. Sie teilt mit: «Zu den Vertragsverhältnissen mit unseren Franchise-Nehmern geben wir keine Auskunft.» Stefan Brülisauer begrüsst die Entscheidung des Detailhändlers. «Das ist ein positives Zeichen.»

Ziel des Unia Engagements war es zu erreichen, dass «Mobbing nicht toleriert wird» und die Romanshorner Tankstellen-Mitarbeiter eine Entschädigung erhalten. Edona Pirku, die die Tankstelle seit September 2015 betreibt, weist alle Vorwürfe von sich. «Weder ich noch mein Partner haben Mitarbeiter gemobbt oder angeschrien.»

Ausgelöst hat den arbeitsrechtlichen Konflikt eine Mitarbeiterin, die sich an die Unia wandte. Die stellvertretende Geschäftsleiterin hatte sich gewehrt, weil die Geschäftsleitung ihr ihre Position aberkennen und sie als Verkäuferin beschäftigen wollte. «Die Gründe waren für die Frau nicht nachvollziehbar. Auch hätte sie weniger Lohn erhalten», sagt Stefan Brülisauer. Der Frau wurde gekündigt. Ebenso einem weiteren Mitarbeiter. Edona Pirku begründet die Kündigungen damit, dass die Frau ihre Personalentscheidung nicht akzeptiert und sich schlecht verhalten habe. Der Mann habe keine Lust zum Arbeiten gehabt.

Die Gewerkschaft spricht im Fall der Frau von einer «missbräuchlichen Kündigung». Im Falle des Mannes habe die Tankstellen-Betreiberin diesen um seine Kündigungsfrist prellen wollen. Die Unia fordert für beide die Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist und darüber hinaus eine Lohnfortzahlung von zwei Monaten. Die Lohnfortzahlung akzeptiert die Tankstellen-Betreiberin nicht. Das sei für sie finanziell nicht tragbar.

«Angebot ist ein Witz»

Sie hat angeboten, dass der Betrieb den beiden gekündigten Mitarbeitern den Lohn bezahlt, bis sie Arbeitslosengeld erhalten. Dieses Angebot ist für Stefan Brülisauer «ein Witz».

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