ROMANSHORN: «Chance für Stadtentwicklung»

Abstimmung über Hafenhotel: Die Ortsparteien sprechen sich mehrheitlich für den Landverkauf aus. Das Bauvorhaben ist etwa nach Ansicht der SP eine Bereicherung für Stadt und Region.

Tanja von Arx
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Kurve der Hafenpromenade: Hier will Unternehmer Hermann Hess ein Dreisternehotel bauen. (Bild: Manuel Nagel)

Kurve der Hafenpromenade: Hier will Unternehmer Hermann Hess ein Dreisternehotel bauen. (Bild: Manuel Nagel)

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Sie gehe eher davon aus, dass man das Land an dieser prominenten Lage nicht gleich wieder veräussern sollte. Diese Haltung vertritt Gerda Buhl, Präsidentin der CVP Romanshorn, im Hinblick auf die Abstimmung über den Verkauf eines Teilstücks der Hafenpromenade. Der Amriswiler Unternehmer Hermann Hess möchte dort ein Drei-Sterne-Hotel bauen. Buhl ruft in Erinnerung, dass die Stadt das Grundstück vor nicht allzu langer Zeit von den SBB erworben habe. Die CVP würde die Thematik indes vertieft diskutieren, wenn die Botschaft inklusive aller Fakten vorläge.

Mit dieser Ansicht ist die CVP-Präsidentin allerdings allein. Die andern grossen Ortsparteien sprechen sich klar für den Landverkauf aus. Aliye Gül, Präsidentin der SP, teilt im Namen des Vorstands mit: «Wir vertreten die Meinung, dass das Hotel eine Aufwertung für Romanshorn und das Hafenareal darstellt.» Hermann Hess habe sich einen guten Namen als verlässlicher, solider Partner geschaffen. Mit dem Restaurant Hafen und der Hafenplattform habe er eindrücklich bewiesen, was mit zeitgemässer Architektur und innovativem Konzept alles möglich sei. Das Restaurant habe einen Award gewonnen und sei über die Grenzen von Romanshorn hinweg bekannt. Unter diesem Aspekt sei man überzeugt, dass die Veräusserung an ihn richtig sei und das Hotel ebenfalls zur Bereicherung für die Stadt werde.

Mangel an Hotelbetten ausgewiesen

Ein Hotel neben dem Bahnhof Romanshorn, im Halbstundentakt erreichbar, bedeute auch für die Region eine Bereicherung. Es sei bekannt, dass es in der Ostschweiz einen Mangel an Hotelbetten gebe. So würde das St. Galler Kongresshaus angebunden, und die Verbindung nach Rorschach zum Würth-Haus sei ebenfalls ausgezeichnet, wo regelmässig grössere Veranstaltungen stattfänden und die Kunden eine Unterkunft in naher Umgebung benötigen würden.

Leider hätten die bestehenden Hotels, das Park-Hotel Inseli und das Schlosshotel, in den letzten Jahren versäumt zu investieren. Beide seien sowohl als Location für geschäftliche Anlässe als auch für Private keine Vorzeigebetriebe mehr. Ein neues Hotel würde sie nach Ansicht der örtlichen SP zwingen zu renovieren. Und die Betriebe rund um das Hafenbecken ebenfalls, was letzten Endes Romanshorn generell guttun würde.

Des Weiteren würden sich durch die private Investition von Hermann Hess grosse Chancen für die Stadtentwicklung ergeben. Entsprechende Bemühungen hätten bis heute keine Früchte getragen. Neben dem Massivlagerhaus und dem Alten Zoll- haus als Zeitzeugen des 19. Jahrhundert vertrage es einen markanten Kontrapunkt aus dem 21. Jahrhundert. Das eigentliche «Filetstück» inklusive Hafenpromenade bleibe in Gemeindehand. Verkauft werde nur das weniger attraktive Kurvenstück.

Was die SP als sehr wichtig erachtet, ist, dass im Hotel ein akustisch guter Saal für zirka 500 Personen geplant sei. Und zwar ohne dass die Stadt sich daran beteiligen müsse. «Das ist die Chance für den fehlenden Stadtsaal, wo sich die Gemeinde ohne weitere Verantwortung für ihre Events einmieten könnte.»

Der Quadratmeterpreis sei ferner in Ordnung, und man gehe davon aus, dass der Stadtrat den bestmöglichen Preis ausgehandelt habe. Das Rückkaufs- und Vorkaufsrecht sollte auf jeden Fall eingeräumt werden. Kurzum wolle sich die SP nicht in die operativen Geschäfte des Stadtrats einmischen. Die Ortspartei überlässt diese dem behördlichen Verhandlungsgeschick.

Auch die SVP Romanshorn teilt auf Anfrage mit: «Der Vorstand steht einstimmig hinter dem Vorgehen des Stadtrats, das Land auf dem ehemaligen Güterschuppenareal an die Hess-Investment-Gruppe zu verkaufen.» Der Amriswiler Unternehmer Hermann Hess habe schon mehrmals bewiesen, unter anderem beim Restaurant Hafen, dass er an einer langfristigen und nachhaltigen Entwicklung des Oberthurgaus interessiert sei. Die Marktkonditionen von 525 Franken pro Quadratmeter finde man vertretbar unter dem Aspekt, dass es sich in diesem Fall um einen Gastrobetrieb handle und sich das Grundstück unmittelbar neben den Gleisen befinde. Laut Parteipräsidentin Monika Eugster begrüsst man das Rückkaufsrecht nach acht Jahren, falls die Bauarbeiten noch nicht begonnen hätten, und das Rückkaufsrecht während 25 Jahren, falls die Vertragspflichten verletzt würden. «Wir möchten ja am Schluss kein Hotel Garni, sondern einen Bau mit mehreren Zimmern, der sich auch sehen lassen kann und bei den Touristen einen bleibenden Eindruck hinterlässt.» Die Stadt solle auch die Möglichkeit haben, das Grundstück wenn nötig zum gleichen Preis wieder zurückzuerwerben.

Abschliessende Haltung noch nicht fix

Von Seiten der FDP heisst es, dass man die abschliessende Haltung erst im Rahmen einer Parteiversammlung am 28. August fixieren werde. Die allgemeine Stossrichtung ist laut Präsident Arno Germann folgende: «Wir begrüssen, dass ein Investor bereit ist, in Romanshorn im grösseren Stil zu investieren für ein zukunftsträchtiges Projekt.» Auch die Rahmenbedingungen, die das Risiko und den Aufwand für die Bewilligung des konkreten Projektes dem Investor überlassen, seien eine aus Sicht von Romanshorn sehr gute Lösung.