ROMANSHORN: Camelia schnürt seine Schuhe

Der Romanshorner Schuhmacher Dante Camelia schliesst seinen Laden an der Bahnhofstrasse Ende nächster Woche. Der 64-Jährige arbeitet aber vorläufig weiter: Bei sich zu Hause an der Alten Landstrasse 17.

Markus Schoch
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Dante Camelia in seinem Geschäft: Ab Mitte Monat bedient er seine Kundschaft bei sich zu Hause. (Bild: Markus Schoch)

Dante Camelia in seinem Geschäft: Ab Mitte Monat bedient er seine Kundschaft bei sich zu Hause. (Bild: Markus Schoch)

ROMANSHORN. Dante Camelia ist froh, dass er die Schlüssel für sein Geschäft an der Bahnhofstrasse bald abgeben kann. «Seit etwa vier Jahren sind die Umsätze rückläufig, so dass mir wegen der unveränderten Mietkosten immer weniger bleibt.» Das wirtschaftliche Umfeld ist härter geworden – auch für ihn als Schuhmacher. Er merke die Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa direkt bei sich in Romanshorn, sagt der gebürtige Süditaliener. Und der starke Schweizer Franken habe ihm das Leben auch nicht leichter gemacht.

Seinen Laden an der Bahnhofstrasse 3 führt Camelia seit Frühling 2010. Davor arbeitete er zehn Jahre an der Färbergasse – wo es schon vor ihm seit über 70 Jahren einen Schuhmacher gegeben hatte. Und wo er eigentlich auch gerne geblieben wäre. Aber die Gemeinde verkaufte die Liegenschaft, in der er seine Werkstatt hatte, wie zuvor Ezio Costa – sein Vorgänger. Und die neuen Eigentümer kündigten Camelia den Mietvertrag.

Es geht zu Hause weiter

Nächste Woche nun tritt der Schuhmacher etwas kürzer. Er arbeitet künftig bei sich zu Hause, wo er die Maschinen im Keller aufstellt, die heute im Laden stehen. Camelia repariert weiter Schuhe und Lederwaren, betreibt den Schlüsselservice, macht Gravuren oder Stempel und schleift Messer und Scheren – von Montag bis Samstagmittag. Auf die neuen Freiheiten freut sich Camelia. «Gibt es im Geschäft nichts zu tun, kann ich beispielsweise etwas im Garten machen.» Seinen blauen Mantel ganz an den Nagel zu hängen, kann sich der 64-Jährige im Moment nicht leisten. Er hat noch schulpflichtige Kinder. Deshalb steht er auch weiter unter der Woche um 4 Uhr auf, um Zeitungen zu verteilen.

Es sind vor allem ältere Leute, die ihre Schuhe zu Camelia bringen, der sein Handwerk 1994 in St. Gallen lernte. Für die Jungen sind sie zu einem Wegwerfartikel geworden. Auch weil sie fast nichts mehr kosten. «Als ich vor 40 Jahren in die Schweiz kam, zahlte man für ein Paar Schuhe 70 bis 80 Franken. Heute kann man solche für 20 Franken haben.»

Schlüssel brechen nicht mehr

Mit Autoschlüsseln macht Camelia auch kein grosses Geschäft mehr. Früher brachen sie zuweilen im Winter, was nicht mehr passieren kann, seit sich die Türen elektronisch öffnen und schliessen lassen.

Der Schuhmacher will aber nicht klagen. Dass man in seinem Gewerbe nicht reich wird, wusste bereits sein Vorgänger. Er esse «hartes Brot», sagte Camelia selber im Jahr 2000. Und trotzdem dürfte er jetzt glücklich sein. Denn vor zehn Jahren sagte der Kleinunternehmer auch, Glück bedeute für ihn, gesund zu bleiben und bis zur Pensionierung arbeiten zu können.

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