ROMANSHORN: Brüggli dreht mit «Schpiralä» auf

Das Sozialunternehmen begann im letzten Jahr mit der Produktion von Pasta und Saucen für den eigenen Bedarf im Restaurant Usblick. Mittlerweile bringt ein Partner die Spezialität aus der Hafenstadt auf die Teller im ganzen Land.

Markus Schoch
Drucken
Teilen
Fabian Dietsche hat dank Küchenchef Andreas Otte sein neues Glück in der Pasta-Produktion gefunden. (Bild: PD)

Fabian Dietsche hat dank Küchenchef Andreas Otte sein neues Glück in der Pasta-Produktion gefunden. (Bild: PD)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Am Anfang war er von seiner Idee begeistert. Am Schluss träumte Andreas Otte nach langen, von Rückschlägen geprägten Arbeitstagen von Pasta und Saucen. Und die Lust auf beides war ihm nach all dem Pröbeln und Probieren doch ziemlich vergangen. Doch der Küchenchef des Sozialunternehmens Brüggli gab nicht auf. Heute ist er froh darüber. Die «Schpiralä» made in Romanshorn sind zu einer Erfolgsgeschichte geworden. «Wir sind alle sehr stolz», sagt Kommunikationsleiter Michael Haller. «Und wir haben noch viele Ideen, wie es weitergehen könnte.»

Im Brüggli-Restaurant Usblick essen jeden Mittag rund 200 Personen. Im letzten Jahr setzte sich Otte in den Kopf, eine eigene Pastalinie für die Gäste zu entwickeln, was alles andere als einfach war, wie sich schnell zeigte. Er entschied deshalb, sich für den Anfang auf die Produktion von veganen Spiralnudeln zu beschränken. Zuerst einmal musste Otte Platz schaffen in der Küche und im Lager. Dann war er wochenlang damit beschäftigt, die Rezeptur beziehungsweise die geeigneten Lieferanten von Hartweizendunst und Färberdistel-Extrakt für den passenden Farbton zu finden. Eine grosse Herausforderung war auch der Trocknungsprozess. Denn die sogenannten «Schpiralä» sollten die Mitarbeiter als Weihnachtsgeschenk erhalten. Und weil Nudeln am besten mit einer Sauce schmecken, kreierte Otte auch gleich noch einen Sugo, was ihn nebst dem Tagesgeschäft an die Grenzen brachte. Doch als schliesslich 1000 Gläser abgefüllt waren und die Pastaherstellung lief, ging es erst richtig los.

Partner vertreibt die Pasta in der ganzen Schweiz

Verantwortlich dafür war ein Partner des Brüggli, der so begeistert vom Projekt beziehungsweise dem Produkt war, dass er sich einen so genannten Food Truck anschaffte und die Pasta aus Romanshorn seit ein paar Wochen an Kunden überall in der Schweiz bringt – auch im Oberthurgau. Die mobile Küche nennt sich Pasta Barn und wird von Pascal und Philipp Luder aus dem Fürstentum Liechtenstein betrieben.

Die Zusammenarbeit mit den beiden Brüdern hat die Planung des Brüggli komplett auf den Kopf gestellt. Sie nehmen Otte rund 80 Prozent der Produktion ab, die hochgefahren werden musste auf 500 bis 700 Kilo pro Woche. Möglich ist das nur dank einer neuen Maschine, die doppelt so leistungsfähig ist wie die alte. Die «Schpiralen» sind aber auch intern ein Renner geworden, sagt Otte. Am Mittag würden sie sich zwischen 30 und 50 Personen im «Usblick» auf den Teller schöpfen. Bei auswärtigen Gästen im «Usblick» sei die neue Spezialitäten ebenfalls sehr gefragt. «Die Gäste schätzen das Selbstgemachte, Nahe», sagt Haller. Und sie würden sich für Geschichte interessieren.

Fabian Dietsche allein würde es nicht mehr schaffen. Er ist so etwas wie der Nudelbotschafter geworden. In der Pasta- und Saucenproduktion im Brüggli arbeiten mittlerweile ausser Dietsche noch zwei weitere Personen. Es ist nicht nur die Menge, die mehr zu tun gibt. Das Angebot ist auch breiter geworden, was zusätzlichen Aufwand bedeutet. Dietsche und seine Kollegen füllen mittlerweile vier Saucen ab: Neu im Sortiment sind ein Basilikumpeschto, eine Carbonara und eine Bolonäs. Zu den Schpiralän sind Facklä, Rüscheli und Rölleli gekommen.

Die Abläufe sind längst gut eingespielt. Ganz am Anfang kümmerte sich Otte täglich bis zu sechs Stunden lang um das neue Kind – heute wendet er noch vielleicht zehn Minuten dafür auf. Deshalb steht sein Vorname nur noch ganz selten auf den Etiketten der Pastasäcke und Saucengläser. Oft ist es jetzt derjenige von Fabian Dietsche und seinen Kollegen. Denn der Kunde soll wissen, wer hinter dem Produkt steht. Am Romanshorner Sommernachtsfest bekommen die Besucher sogar die Gesichter zu sehen. Das Pastateam arbeitet am 5. August im Food Truck der Gebrüder Luder mit, die Grosses vorhaben. Gut möglich, dass es in der Brüggli-Küche schon bald mehr Platz für den neuen Betriebszweig braucht.

Die Pasta Barn ist auch am Arboner Seenachtsfest dabei.