Romanshorn betritt Neuland

Die Firma Fatzer will nur noch an einem Standort im Romanshorner Industriequartier produzieren. Auf dem Betriebsgelände mitten in der Stadt sollen Wohnungen entstehen. Jetzt müssen nur noch die Stimmbürger mitmachen.

Markus Schoch
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Zeigten das Modell im letzten Dezember: Philipp Sidler, Finanzchef der Fatzer AG, Oliver Erb, Architekt, und Bernhard Eicher, CEO der Fatzer AG. (Archivbild: Michèle Vaterlaus)

Zeigten das Modell im letzten Dezember: Philipp Sidler, Finanzchef der Fatzer AG, Oliver Erb, Architekt, und Bernhard Eicher, CEO der Fatzer AG. (Archivbild: Michèle Vaterlaus)

ROMANSHORN. Am 9. November entscheidet sich, ob die Drahtseilfabrik ihre Pläne auf dem über 18 000 Quadratmeter grossen Areal am Rand des Zentrums verwirklichen kann. Dazu müssen die Stimmbürger an der Gemeindeversammlung den Zonenplan ändern und das Baureglement ergänzen. Die Unterstützung des Stadtrates hat das Unternehmen bereits. Für die Behörde ist das Vorhaben «beispielhaft für die Lösung heutiger raumplanerischer Fragestellungen», wie es in der Botschaft heisst.

Das sehen allerdings nicht alle so. Es ist eine Einsprache gegen die Zonenplanänderung beziehungsweise die Änderung des Baureglements eingegangen, die der Stadtrat am nächsten Dienstag behandeln – und wahrscheinlich ablehnen wird. Die Baukommission stellt jedenfalls einen entsprechenden Antrag.

Hochwertiges Projekt

Nach Meinung des Stadtrates entspricht die geplante Überbauung mit 107 Wohnungen in zwei Häusern dem dringenden Wunsch des Schweizervolks nach innerer Verdichtung. Zudem sei das im letzten Dezember der Öffentlichkeit vorgestellte Wettbewerbs-Siegerprojekt mit dem Namen «Dock» städtebaulich und architektonisch hochwertig. Es füge sich «besonders gut in die bestehenden Strukturen ein», schaffe «moderne, schöne Wohnungs-Grundrisse» und sehe «grosse Aussen- und Freiflächen» vor, sagt Stadtpräsident David H. Bon. Es nehme auch stark Rücksicht auf die Nachbarschaft, so beispielsweise in Bezug auf den Schattenwurf und die Grenzabstände. Überhaupt steige die Lebensqualität im Quartier, wenn die Lärmbelästigung sinke.

Das ehemalige Pfarrhaus und das Administrationsgebäude der Firma werden in die Überbauung integriert.

Neu viergeschossige Wohnzone

Heute liegt der grösste Teil des Fatzer-Betriebsgeländes (10 200 Quadratmeter) in der Gewerbezone, die zur viergeschossigen Wohnzone werden soll. Es wäre ein Novum für Romanshorn. Andere Gemeinden kennen diese Zone bereits, und sie ist auch im Muster-Baureglement vorgesehen, das die Regionalplanungsgruppe Oberthurgau erarbeitet hat. «Wir führen die neue Zone ein, weil wir sie in Zukunft auch sonst benötigen», sagt Bon. «Sie wird aber nur an bestimmten Punkten im Fatzer-Areal angewandt.» Dank dieser stellenweisen Verdichtung werde sich der Baukörper besser ins Gelände einbetten, wovon nicht zuletzt die Nachbarn profitieren würden, sagt Bon. Eine dreigeschossige Wohnzone ist ausserdem auf einem schmalen Streifen (2783 Quadratmeter) entlang der Friedhof-Allee geplant, der im Moment zur zweigeschossigen Wohn- und Gewerbezone gehört.

Bestehen bleibt die rund 5400 Quadratmeter grosse zweigeschossige Wohnzone mit höherer Baudichte entlang der Kindergartenstrasse und im Eck Salmsacherstrasse/Friedhof-Allee. Es gibt aber eine Änderung: Das Gebiet galt bis jetzt als «lärmvorbelastet», das heisst, es muss dort mehr Lärm als üblich geduldet werden. Diese Einschränkung soll jetzt aufgehoben werden.

Keine Mehrwertabschöpfung

Die Firma Fatzer konzentriert die Kräfte im Romanshorner Industriequartier Hof und gibt den Standort Mitten in der Stadt auf, wo für sie vor 179 Jahren alles anfing. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren bereits 42 Millionen Franken in Neubauten investiert. Im April war Spatenstich für die dritte und letzte Etappe mit Kosten von nochmals 16 Millionen Franken. Ziel ist, bis am 1. Januar 2017 fertig zu sein.

Die vorgesehene Umzonung wertet das Land nicht unerheblich auf. Die so genannte Mehrwertabschöpfung, die der Kanton kennt, kommt in diesem Fall aber nicht zum Tragen, weil das Areal bereits in einer Bauzone liegt.