ROMANSHORN: Ausfahrt in ein neues Leben

Raffael Soppelsa hört nach sechs Jahren Ende Monat als Geschäftsführer bei Autobau auf. Fehlen werden ihm nicht die Ferraris und Porsches, sondern die Menschen, die sich brennend dafür interessieren.

Markus Schoch
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Blick zurück auf sechs spannende Jahre: Raffael Soppelsa wechselt beruflich die Spur. (Bild: Donato Caspari)

Blick zurück auf sechs spannende Jahre: Raffael Soppelsa wechselt beruflich die Spur. (Bild: Donato Caspari)

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Herr Soppelsa, Autobau lebt nach eigenen Angaben die Leidenschaft Automobil. Ist Ihnen diese Leidenschaft abhanden gekommen?

Nein, überhaupt nicht.

Und trotzdem haben Sie auf Ende Jahr gekündigt. Ist Ihnen langweilig geworden?

Auch nicht. Wir sind ein kleines Team, zwei Personen im Büro und der Fahrzeugbetreuer, zusammen 300 Stellenprozente. Dazu jemand, der uns mit einem 20-Prozent-Pensum in der Administration unterstützt. Es ist ein Job, bei dem es einem fast nicht langweilig werden kann. Man macht alles: Kunden beraten, Tische aufstellen oder im Verwaltungsrat Diskussionen führen.

Was also ist der Grund, dass Sie bei Autobau aufhören?

Es gibt zwei Gründe: Erstens ist mein Job keiner, den man ein Leben lang machen kann. Autobau ist eine Erlebniswelt, der ich sechs Jahre lang meinen Stempel aufdrücken durfte. Es ist sicher nicht schlecht, wenn jetzt ein frischer Wind weht. Wir müssen uns ein Stück weit ständig neu erfinden, um attraktiv zu bleiben. Zweitens habe ich seinerzeit Fredy und Regula Lienhard bereits im Bewerbungsverfahren gesagt, dass für mich die berufliche Selbständigkeit ein Thema werden könnte.

Und jetzt wagen Sie den Sprung in die Selbständigkeit?

Ja.

Und was machen Sie künftig?

Ich werde mein Geld hauptsächlich als Fotograf verdienen in den Bereichen Business und Tourismus. Für Thurgau Tourismus beispielsweise mache ich bereits heute viele Reportagen. Dazu kommen grafische Arbeiten, die bei Autobau Teil meines beruflichen Alltags waren. Wir geben ein Kundenmagazin mit dem Namen «Seitenspiegel» heraus, das ich betreut habe. Und das auf Wunsch der Verantwortlichen auch weiter tun werde, was schön ist.

Inwiefern?

Ich bleibe mit dem Autobau verbunden und erfahre die Neuigkeiten nicht nur aus der Zeitung.

Sie sind Betriebsökonom mit langjähriger Erfahrung in der Eventorganisation und Kommunikation. Wie kommen Sie zur Fotografie?

Fotografieren ist schon immer das Thema bei mir, professionell bin ich seit acht Jahren mit der Kamera unterwegs. Die Fotografie war aber bisher klar die Nummer 2 im Berufsleben. Sie ist aber das, was ich am liebsten mache.

Sie sind 2011 angestellt worden mit dem Auftrag, Autobau in neue Dimensionen zu führen. Ist Ihnen das gelungen?

Teils Ja und teils Nein.

Wo hatten Sie Erfolg?

Sicher bei der Qualität des Auftrittes von Autobau und der bei uns durchgeführten Anlässe, aber auch in unternehmerischer Hinsicht. Wir haben es beispielsweise geschafft, im Gastrobereich viel mehr inhouse zu machen. Wir arbeiten bei grösseren Anlässen nach wie vor mit unseren Cateringpartnern zusammen, aber Apéros für kleinere Gruppen machen wir selber - in Zusammenarbeit mit der Bäckerei Kunz.

Aber Sie haben doch kaum Personal?

Es gibt nicht nur die festangestellten Mitarbeiter. Wir haben neun Guides und drei Gästebetreuerinnen, die alle aus der Gastronomie kommen. Zu ihnen gehört Helene Roth, die 20 Jahre lang im «Schiff» gewirtet hat.

Und wo hatten Sie weniger Erfolg?

Ich hatte mir immer gewünscht, die Inszenierung der Ausstellung ein wenig aufzubrechen. Vielleicht weniger Autos zu zeigen, aber den Besuchern dafür mehr Erlebnis zu bieten. Dazu muss man wissen, dass die Führungen unser bestverkauftes Produkt sind, und wir bekommen auch extrem gute Rückmeldungen. Nicht nur von ausgesprochenen Autofans.

Die Eigentümer von Autobau haben in den letzten Jahren viel investiert, um die Ausstellung attraktiver zu machen. Sind mehr Besucher gekommen?

Der letzte grosse Umbau betraf das Polygon-Gebäude, wo seit Oktober des letzten Jahres Formel 1-Wagen des Sauber-Teams ausgestellt sind. Die Investition hat sich definitiv gelohnt. Wir hatten in diesem Jahr fast 16000 Besucher, was fast 2500 mehr sind als 2016. Was das Publikumsinteresse anbelangt, bewegt sich Autobau schweizweit im oberen Viertel. Im Vergleich mit dem Verkehrshaus Luzern sind wir natürlich klein, aber wir befinden uns am Rand der Schweiz und haben nur zwei öffentliche Tage. Wenn man die Zahlen vor diesem Hintergrund sieht, sind sie sehr erfreulich.

Wer bei Autobau war, ist in der Regel begeistert. Auf Tripadvisor schreibt ein Mann aus Florida, er habe schon viele Auto-Museen auf der Welt besucht. Aber Autobau sei definitiv die Nummer 1. Hat er recht?

Wir mussten dem Mann viel Geld zahlen für seinen Eintrag, aber es hat sich gelohnt. Nein im Ernst: Das ist natürlich Geschmackssache. Autobau zeichnet sich aber sicher in zweierlei Hinsicht aus, im Vergleich mit ähnlich gelagerten Einrichtungen: Erstens ist unsere Sammlung unheimlich breit. Sie hat für jeden etwas, auch für Personen, die nicht so viel mit Autos oder eben einer speziellen Marke anfangen können. Zweitens sind die Fahrzeuge nicht abgesperrt und nicht unantastbar. Bei uns darf man einsteigen und die Motoren anschauen. Fredy Lienhard will seine Leidenschaft für Autos nicht nur zur Schau stellen, sondern sie mit möglichst vielen Menschen teilen.

Die Besucher kommen teilweise von weit her. Autobau zu finden, ist aber nicht immer leicht. Es gibt Personen, die sich am Bahnhof durchfragen mussten, weil sie sonst nicht zu Ihnen gefunden hätten. Warum ist der Weg nicht besser signalisiert?

Es gibt die braunen Wegweiser, die zu uns führen. Künftig sollten wir besser ausgeschildert sein. Die Stadt überarbeitet auf den Frühling hin die gesamte touristische Signaletik. Darüber bin ich sehr glücklich. Künftig wird es die Menschen, die uns nicht finden, hoffentlich nicht mehr geben.

Ist die schlechte Signalisation Ausdruck von Geringschätzung gegenüber Autobau?

Nein, überhaupt nicht. Die Stadt ist sehr guter Partner von uns. Sie berücksichtigt uns im Rahmen ihrer Aktivitäten als Veranstaltungsort. Ich bin mit den Verantwortlichen in gutem Kontakt. Auch von Thurgau Tourismus erfährt Autobau heute grosse Wertschätzung. Beim Auftritt des Thurgaus an der letzten Olma waren wir Teil der Kampagne und hatten einen tollen Auftritt.

In wenigen Tagen räumen Sie das Büro. Welches Auto werden Sie am meisten vermissen?

Kein Spezielles.

Sie hatten keinen Liebling?

Meinen Firmenwagen, den ich gebraucht habe, um von A nach B zu kommen (lacht). Vermissen werde ich die Begegnungen mit Menschen, deren Passion Autos sind, über die sie alles wissen. Wirklich alles. Diese Begeisterung ist faszinierend.

Teilen Sie diese Begeisterung?

Diese Begeisterung war und ist ansteckend. Sie hat stets zu spannenden Gesprächen und Begegnungen geführt. Und ich bin sicher, dass ich ein Stück davon behalten werde. Ich hatte fast immer mit Menschen zu tun, die aus Freude zu uns kamen. Diese Art der Zusammenarbeit war ein Privileg.

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