ROMANSHORN: Antennen in die Aussenwelt

Am Freitagabend wurden im Kino Roxy acht Kurzfilme über das Leben mit Einschränkungen, mit Krankheit und Beeinträchtigung gezeigt.

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Er ist selber körperlich beeinträchtigt, Filmjournalist und Präsident der Stiftung look & roll. Alex Oberholzer moderierte den Filmabend im «Roxy» und verriet im Gespräch mit Stefan Rib­ler, dem Institutionsleiter des «Betula», einiges über seine Kindheit im Spital und seine jetzige Tätigkeit. «Früher waren kulturelle Anlässe sozusagen Antennen in die Aussenwelt. Und heute sehe ich, wie wichtig diese sind für betroffene Menschen. So wie diese Veranstaltung, die Mitarbeiter, Betroffene und Interessierte ganz einfach zusammenbringt.» Kriterien für stimmige Filme seien für ihn die Geschichten, deren Plausibilität und gesellschaftliche Relevanz und wie sie ihn ganz persönlich berühren.

Im Zusammenhang mit dem Thema «Behinderungen im Film» sei es ein erklärtes Ziel, dass Menschen mit Beeinträchtigungen ernst genommen werden. Die Filme sollen wachrütteln und neue Einsichten vermitteln: «Alle zwei Jahre führen wir ein Filmfestival in Basel durch und sind gleichzeitig auch unterwegs in der ganzen Schweiz – so wie heute und hier in Romanshorn.» Wo Kultur zugänglich sei für alle, sagte Oberholzer. Auch für Hör- und Sehbehinderte.

Ungeschminkt und satirisch

Gezeigt wurden acht Kurzfilme, die allesamt zum Nachdenken anregten. Es ging etwa um Zuwendung, Liebe und den delikaten Umgang mit Sexualität in «Sweet Heart», «Small» und «Nimm mich». Autismus und Asperger-Syndrom wurden in «Die Möwe ist schuld», «Der Glühbirnensammler» und «El viaje de Maria» thematisiert.

Zuweilen satirisch überhöht, aber auch ungeschminkt und sehr realistisch waren die Filme über Lebensentwürfe, die für ­betroffene Menschen so einfach nicht sind.

Markus Bösch

romanshorn

@thurgauerzeitung.ch