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ROMANSHORN: 100 Jahre «für alle statt für wenige»

Vor 100 Jahren wurde die SP Romanshorn gegründet. 1920 zählte die Sektion bereits 170 Mitglieder, doch schon bald waren es weniger. Heute sind 47 Personen in der Ortspartei.
Ruedi Meier
Rudolf Schümperli, Regierungsrat (SP) von 1954 bis 1972. (Bild: Staatsarchiv des Kantons Thurgau)

Rudolf Schümperli, Regierungsrat (SP) von 1954 bis 1972. (Bild: Staatsarchiv des Kantons Thurgau)

Ruedi Meier

romanshorn@thurgauerzeitung.ch

Die Romanshorner Sozialdemokraten feiern dieses Jahr den 100. Geburtstag ihrer Parteisektion. Ein Anlass, um zurückzuschauen auf eine bewegte Geschichte, sich zu erinnern an herausragende Persönlichkeiten und Revue passieren zu lassen, wofür sich die Sektion in all den Jahren eingesetzt hat. An den letzten Kantonsratswahlen schnitt die SP Romanshorn immerhin als die zweitstärkste Partei am Ort ab.

Gleich wieder vor die Tür gestellt

Am 13. Januar 1917 wurde die SP Romanshorn aus der Taufe gehoben. 34 Genossen waren anwesend, wovon zwei wegen parteischädigenden Verhaltens gleich wieder vor die Tür gestellt wurden. Der erste SP-Präsident Carl Meyer lud im Gründungsjahr zu 10 Vorstandssitzungen und 15 Parteiversammlungen. Der Zeitpunkt der Parteigründung war alles andere als zufällig: Der Erste Weltkrieg ging seinem Ende entgegen, die Russische Revolution hatte das Zarenreich zur UdSSR umgepflügt und in der Schweiz stand wegen der fortschreitenden Verarmung der Arbeiter-schaft der Generalstreik (1918) vor der Tür. Die SP Romanshorn erlebte einen grossen Starterfolg: Bereits 1920 zählte die Sektion 170 Mitglieder und sowohl im Gemeinderat als auch in Schul- und Kirchenbehörden sassen SP-Vertreter.

Von 1938 bis 1987 stellte die SP in der Regel vier Mitglieder, in zwei Amtsdauern nur deren drei, dafür zu Beginn der Fünfzigerjahre gleich fünf Mitglieder. Die SP-Fraktion bildete also für vier Jahre die Mehrheit im neunköpfigen Gemeinderat.

Es fällt auf, dass die Gemeindeoberhäupter dannzumal viel mehr Sitzleder hatten. So «regierte» beispielsweise Johann Etter neun Amtsdauern (zu damals drei Jahren), Jakob Annasohn immerhin deren vier und Adolf Schatz führte sein Amt von 1949 bis 1975 aus. Der erste SP-Gemeindeammann hiess Hansheiri Müller, der nach zehn Jahren das Amt an Walter Anderes abgab, der als vorderhand letzter SPler bis 1999 die Gemeinde führte.

Die Mitgliederzahlen verharrten nicht lange auf der sensationellen Zahl von 170 wie im Jahr 1920. Je nach politischer Grosswetterlage pendelte sich die Mitgliederzahl zwischen 60 und 100 Personen ein, wobei bereits im Jahresbericht von 1964 erwähnt wird, dass der Anteil älterer Genossinnen und Genossen überdurchschnittlich gross sei. Heute zählt die Sektion noch 47 Mitglieder und 27 Sympathisanten.

Gaswerk, Hafenareal und Übergang Proporz–Majorz

Wie nicht anders zu erwarten, ­bildeten an all den Parteiversammlungen im Verlaufe der Jahrzehnte folgende Themen die Haupttraktanden: Budget und Rechnung der Körperschaften, Stellungnahmen zu ausserordentlichen Vorlagen wie beispielsweise Richtplanungen, Sanierung von bestehenden und Bau von neuen Strassen, Kandidatensuche für Wahlen, Rekrutierung von neuen Parteimitgliedern und Organisation der Wahlkämpfe. Einen besonderen Platz auf der Traktandenliste erhielten auch Geschäfte, die man als Dauerbrenner bezeichnen könnte: Gaswerk, Bodan, Alleestrasse, Hafenareal, die T 13, Übergang von Proporz zu Majorz, Umwandlung des Spitals zum Regionalen Pflegeheim und der Abbau von Arbeitsplätzen in Romanshorn, bedingt durch die Strukturveränderungen bei SBB und PTT.

Im Allgemeinen unterstützte die SP Romanshorn die Anträge des Gemeinderats, was bei der starken SP-Fraktion kaum überraschen kann. So unterstützte die SP beispielsweise alle Kredite für das Seebad, stand 1965 hinter dem Erwerb von Bauland für die neue Kanti und sagte 1976 Ja zum neuen Bootshafen. Die SP stellte sich jedoch der bürgerlichen Mehrheit bei regionalen Verkehrsvorhaben entgegen, so beim Ausbau des Flughafens ­Altenrhein und bei der Realisierung der T 13. Und – last but not least – setzte sich die SP als einzige Partei für den Erhalt von Fischer- und Reinhardthaus ein (worauf Gemeindeammann Anderes aus Protest aus dem Parteivorstand austrat).

1972 erste Frau im Grossen Rat

Im Mai 1965 wurde der Romanshorner Genosse Otto Hälg Grossratspräsident. Ruedi Schümperli wurde 1954 in den Regierungsrat gewählt, dem er bis 1972 angehörte. Die sozialdemokratische Frauengruppe um Milly Bader und Ida Kolb schloss sich der SP-Sektion an, dies vor dem Hintergrund des 1971 eingeführten Frauenstimmrechts. Im gleichen Jahr lud Walter Flacher Nationalrat Helmut Hubacher zu einem Referat nach Romanshorn ein. Dieser sagte sofort zu und schloss sein Schreiben mit dem Satz: «Spesen und Honorar nehme ich nur von den Bürgerlichen.» Die Genossin Martina Hälg wurde 1972 als erste und damals einzige Frau in den Grossen Rat gewählt, dem sie sieben Jahre angehörte. Hans Schultes präsidierte die ­Sekundarschulbehörde von 1982 bis 1997. In den Jahren 1996 bis 2000 war Vreni Schawalder als Regierungsrätin tätig.

Und sicher erwähnenswert: 2012 wurde das langjährige Primarschulbehördenmitglied Aliye Gül in den Grossen Rat gewählt – als erste und bisher einzige Muslima.

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