Rollen machen Sportler glücklich

Sie lockern Bindegewebe, verbessern die Durchblutung und machen glücklicher als Antidepressiva. Blackrolls, die Hartschaumrollen aus Bottighofen, haben offenbar grossen Nutzen – und werden weltweit immer beliebter.

Leandra Reiser
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CEO Marius Keckeisen rollt täglich auf seinen Produkten. Man kann die Blackrolls auch im Stehen an der Wand oder als Hilfsmittel bei Kraft- oder Dehnübungen benutzen. (Bild: Reto Martin)

CEO Marius Keckeisen rollt täglich auf seinen Produkten. Man kann die Blackrolls auch im Stehen an der Wand oder als Hilfsmittel bei Kraft- oder Dehnübungen benutzen. (Bild: Reto Martin)

BOTTIGHOFEN. Man nehme eine Rolle und wälze die gewünschte Körperpartie darüber. Das Rollen schmerzt. Aber es soll helfen. Blackrolls heissen die leichten Geräte, die eine Selbstmassage des Bindegewebes ermöglichen und so die Vorbeugung und Heilung von Sportverletzungen ankurbeln. Inzwischen sind die schwarzen Rollen, die in Bottighofen entwickelt werden, nicht nur bei Fachleuten stark im Trend.

Alles hängt an den Faszien

«Anfangs war es ein steiniger Weg, Leuten den Nutzen der Rollen zu vermitteln», sagt Marius Keckeisen, Geschäftsführer der Blackroll AG. Der ehemalige Profisurfer gründete das erfolgreiche Unternehmen vor bald zweieinhalb Jahren, als Faszien – wie Bindegewebe auch genannt wird – noch kaum ein Thema waren. Einige Zeit und wissenschaftliche Tests später jedoch werden viele anatomische Leiden darauf zurückgeführt, dass man Faszien zu wenig bewegt und diese somit dehydrieren und verkleben.

Die Idee zur Selbstmassage des Bindegewebes entstand bereits in den 50er-Jahren durch die US-amerikanische Biochemikerin Ida Rolf. Besonders bei Athleten kam das «Rolfing» zur Leistungssteigerung in den letzten Jahre verstärkt auf.

Die Erfindung der Blackroll, die ein simples, aber qualitatives und nutzenorientiertes Tool für diese Therapie verkörpert, begeisterte Faszienexperten. «Blackrolls sind beinahe unzerstörbar», erklärt Keckeisen. «Wir wollen zudem so nachhaltig, umweltfreundlich und energieeffizient wie möglich produzieren.» Die Hartschaumrollen sind zu 100 Prozent recyclebar und chemiefrei. Sie werden an alle grossen Schweizer Sporthändler, an Kliniken und bis ins Ausland exportiert. Die Marke Blackroll sei inzwischen sogar zu einem Inbegriff geworden, meint Keckeisen. Des weiteren bieten er und sein Team Kurse für Leistungssportler, Fitnesstrainer und Physiotherapeuten an.

Wirkt besser als Antidepressiva

Der Schmerz, der je nach Druck und Härtegrad beim Rollen entsteht, ist nötig, damit es etwas nützt. Danach sollte dieses sogenannte «Wohlweh» aber aufhören. Für Einsteiger gibt es daher auch weichere Modelle. Neulich fanden Wissenschafter heraus, dass das Rollen und Lockern von verklebtem Bindegewebe nicht nur der verbesserten Durchblutung, Wasserbindung, Schmerzverarbeitung und Beweglichkeit dient. Es soll auch noch glücklich machen. Eine Studie besagt, dass die Hand- und Fussmassage durch Blackrolls sogar besser als Antidepressiva wirkt. «Für uns ist es schwierig, all diese wissenschaftlichen Erkenntnisse einzuordnen», sagt Keckeisen. Er wolle die Wirksamkeit seines Pionierprodukts nicht generalisieren. «Es ist aber schön, zu sehen, dass die Rollen helfen. Das Interesse und das Feedback sind überragend.»

Gesundheitsbewusstsein steigt

Generell gewinnt heutzutage das Thema Fitness und Gesundheit an Wichtigkeit. Deshalb will das Team der Blackroll AG inzwischen nicht mehr nur Leistungssportler und Therapeuten, sondern das breite Volk ansprechen. Mittlerweile sind die schwarzen Rollen in verschiedensten Farben, Formen, Grössen und Härtegraden erhältlich. Neu sind sogar Modelle mit eingebauter Vibration. Keckeisen ist überzeugt, dass die Nachfrage seiner Produkte zukünftig steigend bleiben wird.

Dass auf dem Markt immer öfter Konkurrenzprodukte oder sogar Bastelanleitungen für ähnliche Geräte angeboten werden, schüchtert den Bottighofer nicht ein: «Diese sind oft billig hergestellt und gehen schnell kaputt. Wir versuchen, qualitativ die besten zu sein.»