ROGGWIL: Getrübte nachbarliche Harmonie

Zuerst meckerten die Arboner, in Roggwil klemme es. Dann machte die Stadt einen Rückzieher bei der geplanten «Spange Süd» – und brüskierte den Nachbarn. Jetzt entlastet sich dieser auf eigene Faust vom Verkehr.

Max Eichenberger
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Eng und gefährlich auch für Velofahrer und Fussgänger: Gemeindepräsident Gallus Hasler auf dem Hubgasse-Trottoir. (Bild: Max Eichenberger)

Eng und gefährlich auch für Velofahrer und Fussgänger: Gemeindepräsident Gallus Hasler auf dem Hubgasse-Trottoir. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Eigentlich hätte die Spange Süd als Gemeinschaftsprojekt realisiert werden sollen. So war die Verbindungsstrasse von Stachen zum A1-Zubringer «Arbon Süd» planerisch aufgegleist: in beiderseitigem Interesse der Stadt Arbon wie der Nachbargemeinde Roggwil. Die Spange brauche es zusätzlich zur neuen Kantonsstrasse (NLK), um Arboner Quartiere zu entlasten, argumentierte der Stadtrat damals (2010), und sicherte sich mit diesem Bekenntnis im Vorfeld der NLK-Abstimmung die Zustimmung zum Jahrhundertprojekt gerade auch aus diesen Quartieren.

Für Roggwil wäre die Spange wichtig, um die Hubgasse zu entlasten und dort die vor allem auch für den Langsamverkehr und die Fussgänger gefährlichen Kreuzungssituationen von Lastwagen aufzuheben.

Erst war Roggwil «schuld», dass es nicht vorwärts ging

Die NLK-Abstimmung war gewonnen; die Spange Süd, die man vorher oder zumindest gleichzeitig bauen wollte, fand sich plötzlich nicht mehr zuvorderst auf der politischen Agenda. Zwar liess man mit dem Tiefbauamt Pläne auf dem vorgesehenen Trassee ausarbeiten für das Arboner Teilstück, das man optional auch bloss für die Erschliessung des Gebiets Rietli nutzen könnte. Eilig hatte man es aber nicht mehr. Zumal Roggwil gegen Rekurse zu kämpfen hatte. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) wehrte sich gegen eine Strasse quer durch die Roggwiler Wiesen sowie gegen eine dort geplante strategische Arbeitszone des Kantons und eine Ausweitung des Gewerbegebietes. Die ENHK machte den Schutz des Schlossensembles beim Hahnberg geltend.

Das Thurgauer Verwaltungsgericht entschied gegen die Arbeitszone und gegen eine Vergrösserung des Gewerbegebietes. Die Spange Süd wies es zurück an die Vorinstanz zur Neubeurteilung; vor allem die Linienführung sollte optimiert werden.

Arbon hatte es einfach zu sagen, man wäre eigentlich parat, aber in Roggwil klemme es. Dies schien der Stadt – hinter vorgehaltener Hand – nicht ungelegen zu kommen. Was sich später ziemlich abrupt bestätigen sollte.

«Die LKW holen sich die Differenz auf dem Trottoir»

«Wir haben dann andere Varianten der Linienführung geprüft», sagt Gemeindepräsident Gallus Hasler. Die bevorzugte wäre die kürzeste quer durch die Roggwiler Wiesen gewesen. Allerdings habe man sich dann in einem Kompromiss gefunden: in einem Schlenker sollte die Strasse an den Zubringer und parallel zu diesem zum Anschluss «Arbon Süd» geführt werden.

Das «wahre Gesicht» offenbarte der Stadtrat im Dezember 2015 im Gespräch mit den Roggwiler Ratskollegen: Arbon erklärte den Rückzug und wollte die Spange aus dem Richtplan kippen, beliess sie aber nicht zuletzt auf politischen Druck in Arbon selber dann noch auf der unverbindlichsten Stufe. Begründung für das Wendemanöver mit Verkehrsplaner-Support: die Spange brauche es nicht, die Entlastungsziele seien erreicht. Dagen spricht allerdings, dass auf Begehren der Anwohner der Landquartstrasse auf dieser Tempo 30 eingeführt werden soll. Doch dagegen läuft ein Rekurs.

Roggwil hat sich, im Dialog mit dem Kanton, inzwischen selber geholfen, wie Hasler erläutert. 2018 soll für den Schwerverkehr eine Einbahnlösung für die Hubgasse signalisiert werden, die an der schmalsten Stelle nur 5,5 Meter breit ist. 6,9 Meter breit müsste sie sein für ein Kreuzungsmanöver. «Die Differenz holen sich die Laster auf dem Trottoir.» Von Roggwil werde der Schwerverkehr künftig über die Neukircherstrasse zum Anschluss «Arbon West» geleitet.

Der Gemeinderat sei immer noch für eine Spange-Lösung, sagt Hasler. Das würden über kurz oder lang auch die Arboner einsehen – im Interesse der belasteten Quartiere. «Denn der Verkehr wird nicht weniger.»

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