ROGGWIL: Fussballplatz zu verschenken

Kybun-Gründer Karl Müller hat hinter seinem Haus im Frühjahr einen 280 000 Franken teuren Kunstrasen-Fussballplatz erstellt. Doch zonenrechtlich geht das nicht. Jetzt will er die Anlage verschenken.

Max Eichenberger
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Kunstrasenplatz im Obstgarten: Karl Müller muss die 280'000 Franken teure Anlage rückbauen. Er will sie verschenken. (Bild: Max Eichenberger)

Kunstrasenplatz im Obstgarten: Karl Müller muss die 280'000 Franken teure Anlage rückbauen. Er will sie verschenken. (Bild: Max Eichenberger)

ROGGWIL. Er hatte den MBT-Gesundheitsschuh entwickelt und mit dem Verkauf der Firma grosses Geld gemacht. Zur Ruhe gelegt hat sich der Roggwiler Geschäftsmann Karl Müller freilich nicht. Er blieb den Leisten treu – und lancierte den Kybun, der noch näher seiner Philosophie entsprach.

Als Ex-Zweitliga-Kicker beim FC Arbon ist Müller seinem einstigen Hobby immer noch verbunden. Nach dem Rückzug der AFG ist Müller mit seiner Marke seit Mai Namensgeber der St. Galler Fussballarena in Winkeln, die nun Kybunpark heisst und Werbeträger von Müllers Firma ist.

Eigentümer des Kybunparks ist Müller damit zwar nicht. Dafür hat er in diesem Frühjahr in Roggwil, hinter seinem Wohnhaus an der Hubgasse, einen eigenen Fussballplatz angelegt – allerdings in bescheidenerem Format: vierzig mal zwanzig Meter, so gross wie ein Handballfeld, mit Kunstrasen und Banden. Ein perfekter Platz, der die Herzen von jungen und auch älteren Tschüttelern höher schlagen lässt.

Hier, an diesem idyllischen Ort, umgeben von Obstbäumen, hätten nicht nur seine Buben, sondern vor vielen Jahren schon die Roggwiler Kinder dem Ball nachgejagt, erinnert sich Karl Müller. Mitunter ist halt einer in die Bäume geflogen. Da hat Müller die Wiese für 80 000 Franken planieren und für 200 000 Franken einen perfekten Kunstrasenplatz anlegen lassen. Er ist nicht nur mit Banden ausgestattet. Auch kaum sichtbare Netze sind seitlich und über dem Platz Ballfänger.

Selber seinerzeit die Auszonung beantragt

Doch vom Platz wird sich Karl Müller trennen und und ihn bald einmal rückbauen müssen. Denn im eigenen grossen Garten eine solche Freizeitanlage zu erstellen, das geht so nicht. Schon gar nicht ohne Baubewilligung. Doch diese hätte Müller auch gar nicht bekommen, wenn er ordentlich ein Baugesuch für den Fussballplatz eingereicht hätte. Denn die Parzelle hinter Müllers Haus, das in der Dorfzone steht, ist im Zuge der Ortsplanrevision 2010, wie Gemeindepräsident Gallus Hasler bestätigt, ausgezont worden. Sie ist heute, was sie früher schon mal war: Landwirtschaftsland.

Die Gemeindeversammlung hatte vor sechs Jahren die Zonenplanrevision gutgeheissen, der Kanton dann später diese abgesegnet. Offenbar habe er den Vollzug der Zonenplanänderung nicht mitbekommen. Gemeindepräsident Gallus Hasler zufolge sei damals das Begehren auf Auszonung vom Eigentümer selber gekommen – also von Karl Müller. Dass er vor Jahren dahingehend vorstellig geworden sei, bestätigt Müller; ob mündlich oder schriftlich und in welchem Rahmen, wisse er heute gar nicht mehr. Jedenfalls habe er dann nichts mehr gehört – oder habe etwas verpasst. Um solche Sachen kümmere er sich aktiv sowieso nicht.

Das damalige Begehren von Karl Müller und ein mögliches Informationsversäumnis, den weitern Gang der Dinge zu verfolgen, hat Konsequenzen: denn de facto war es die Saat, die ein Vorhaben verunmöglichte, das er später realisieren sollte. Klar ist: Müller hat den Platz erstellt im Bewusstsein, nichts Widerrechtliches zu tun - sondern in gutem Sinne, Jugendlichen etwas bieten zu wollen.

Finanzgeplagter Stadt käme Geschenk zupass

Der Platz sei wohl privat, sagt Gemeindepräsident Gallus Hasler, darauf spielten aber auch Schulkinder aus dem Dorf: «Der Fussballplatz wird rege benützt.» Doch damit wird bald einmal Schluss sein, so leid es ihm auch sei, aus zonen- wie baurechtlichen Gründen. Schon in einer Dorfzone mit Wohnen und Gewerbe wäre ein Fussballplatz mit Immissionen bewilligungspflichtig und würde es einer Nutzungsänderung bedürfen. Tabu sei eine solche Anlage – und selbst eine Cheminéeanlage – erst recht in der Landwirtschaftszone. «Da ist der Kanton strikt», weiss Hasler.

Mit Müller sei vereinbart, obwohl das Verfahren noch laufe, dass er den Platz rückbaue und den ursprünglichen Zustand wiederherstelle. Der Gemeinde macht Karl Müller absolut keinen Vorwurf: Es sei so, wie es ist. Nun will Müller den Fussballplatz verschenken. Die Schulgemeinden Roggwil und Freidorf haben laut Hasler signalisiert, dass sie keinen Bedarf hätten. «Wir haben als Gemeinde leider auch kein geeignetes verfügbares Land. Neu einzonen können wir wegen eines Moratoriums nicht.»

Da könnte nun die Stadt Arbon dankbar das Geschenk annehmen. Stadtrat Peter Gubser hat das Interesse jedenfalls schon angemeldet und setzt verwaltungsintern nun alle Hebel in Bewegung, geeignete mögliche Standorte zu prüfen.

Und was sagt Karl Müller, mit Arboner Fussballvergangenheit, zum unteren Forsthausplatz? «Quer zur neuen Sporthalle wäre der Standort dort für einen öffentlichen Allwetter-Fussballplatz ideal», kommt Müller fast ins Schwärmen. «Doch, dort sähe ich ihn gern.» Der Roggwiler Geschäftsmann gäbe ihn unentgeltlich ab. «Vielleicht gegen eine Kybun-Werbung an der Bande.»