Rituale

Brauchtum hat ja etwas Beruhigendes, findet der Chretzer. Man weiss, dass man zu Hause ist, wenn jedes Jahr zur gleichen Zeit das Gleiche geschieht. «Brauchtum hat was Skurriles», sagt dagegen Fredi. Anlässlich von Allerheiligen und Allerseelen ist er tiefer in die Materie eingestiegen.

Chretzer
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Brauchtum hat ja etwas Beruhigendes, findet der Chretzer. Man weiss, dass man zu Hause ist, wenn jedes Jahr zur gleichen Zeit das Gleiche geschieht. «Brauchtum hat was Skurriles», sagt dagegen Fredi. Anlässlich von Allerheiligen und Allerseelen ist er tiefer in die Materie eingestiegen. Der gestrige Thementag im Theater an der Grenze, den die Katholische und Evangelische Kirchgemeinde mitgestaltet haben, hat ihn wohl drauf gebracht. «Früher glaubte man, dass in der Seelenwoche Anfang November die Seelen mal kurz aus dem Fegefeuer dürfen», erklärt er. «Und damit sie sich hier etwas abkühlen, hat man doch tatsächlich Weihwasser auf die Gräber gespritzt.» Der Chretzer kichert pietätlos: «Gut, dass der November bei uns so neblig ist, falls mal kein Weihwasser zur Hand ist.»

Trotzdem gefällt ihm die naive Fürsorglichkeit. Immer noch besser als die Gruselparty des amerikanischen Halloween oder das mexikanische Friedhofs-Picknick. Auch wenn man diese Auswüchse seltsam findet: Man kann trotzdem an die Verstorbenen denken und mit der eigenen Sterblichkeit vor Augen das Leben geniessen.