Rindern wird es zu kalt am See

ROMANSHORN. Weniger Insekten, blassere Farben und dichteres Fell: Im Naturschutzgebiet in Romanshorn zeigen sich erste Spuren des Herbsts. Für die Vegetation ist es eine Zeit der Ruhe. Für Max Hilzinger eine Zeit der Arbeit.

Jeanette Herzog
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Ein eingespieltes Team: Die Hochlandrinder halten das Gras kurz, und Max Hilzinger schneidet die Pflanzen mit Dornen zurück. (Bilder: Jeanette Herzog)

Ein eingespieltes Team: Die Hochlandrinder halten das Gras kurz, und Max Hilzinger schneidet die Pflanzen mit Dornen zurück. (Bilder: Jeanette Herzog)

Wie fliegende Wollknäuel sehen sie aus, während sie auf das Tor beim Eingang zurennen. Doch je näher die Knäuel kommen, desto grösser werden sie und ein gewisses Unbehagen kommt beim Besucher im Naturschutzgebiet in Romanshorn auf. «Sie sind neugierig», sagt Max Hilzinger und nimmt einen Holzstock zur Hand. Das stürmische Begrüssungskomitee besteht aus fünf Hochlandrindern, darunter zwei Kälber.

Sie seien ziemlich zahm, doch eine falsche Bewegung mit den mächtigen Hörnern genüge, um sich eine Verletzung zuzuziehen. Ein Sicherheitsabstand sei daher empfehlenswert.

Neue Pflanzen entdecken

Noch rund einen Monat verbringen die Tiere in Romanshorn, danach ziehen sie um ins Winterquartier im Tessin. Hier sei es ihnen zu kalt, sagt Hilzinger.

Die Tiere und er haben sich schon so sehr aneinander gewöhnt, dass sie ihm in der Hoffnung, ein Stückchen Brot zu erhaschen, auf Schritt und Tritt folgen. «Die Frauen laufen mir nicht mehr nach, die Tiere aber schon», scherzt Hilzinger. Er findet sichtlich Gefallen an den Tieren. «Sie erleichtern mir die Arbeit, indem sie das Gras fressen. Doch Wicken und Brombeerstauden lassen sie stehen. Die muss ich selbst zurückschneiden.

» Der Jagdaufseher und Ornithologe ist darauf bedacht, im Naturschutzgebiet möglichst verschiedene Strukturen zu schaffen, um ebenso vielen verschiedenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum zu bieten: eine Sandsteinmauer für Eidechsen, ein Wildbienenhaus, Schilfhaufen für Ringelnattern und Blindschleichen, Teiche für Frösche und Naturwiesen für Blumen und Gräser.

So kommt es, dass selbst Hilzinger, der jeden Tag durch das Naturschutzgebiet streift, immer wieder neue Pflanzen entdeckt.

Kalte Jahreszeit ist Ruhezeit

Doch langsam kehrt im Naturschutzgebiet die kalte Jahreszeit ein. Die dominierenden Farben sind grün und braun mit wenigen gelben Farbtupfern, die von den Blüten der Nachtkerze stammen. Auch Insekten fliegen nur noch vereinzelt durch die Luft und das Fell der Hochlandrinder wird dichter. Herbst und Winter sei Ruhezeit für die Vegetation und eine Zeit der Pflege für ihn.

«Jetzt kann man arbeiten, ohne die Natur zu stören», sagt Hilzinger. Zu tun gebe es genug. Schwemmholz und Abfall einsammeln gehören zu den dringendsten Arbeiten. Schliesslich müssten die Brennnesseln zurückgeschnitten und Sträucher geholzt werden, um Platz für neue Arten zu schaffen. Vergangenen Samstag wäre der erste öffentliche Arbeitstag gewesen, doch wegen des Regens musste er abgesagt werden. Der nächste Arbeitstag ist am 4. November. Dann allerdings werden die Besucher nicht mehr von den vorwitzigen Rindern begrüsst.

Letzte Flugstunden für die Insekten, bevor die Kälte um sich greift.

Letzte Flugstunden für die Insekten, bevor die Kälte um sich greift.

Den beiden Kälbern wächst bereits der Winterpelz.

Den beiden Kälbern wächst bereits der Winterpelz.