Riesenrad planen nach dem Aufstehn

Es muss schnell gehen, nicht nur im Job, auch daheim. Wenn morgens um 5.50 Uhr der Wecker klingelt, ist meine Frau schon weg. Das Erste, was ich tue, ist ein Glas Wasser trinken. Frühstück gibt's keins. Dann geh ich auf den Hometrainer, eine halbe Stunde, für Sport ist sonst keine Zeit.

Aufgezeichnet Hat Tanja von Arx
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Bernhard Eicher, CEO der Romanshorner Drahtseilfirma Fatzer. (Bild: Reto Martin)

Bernhard Eicher, CEO der Romanshorner Drahtseilfirma Fatzer. (Bild: Reto Martin)

Es muss schnell gehen, nicht nur im Job, auch daheim. Wenn morgens um 5.50 Uhr der Wecker klingelt, ist meine Frau schon weg. Das Erste, was ich tue, ist ein Glas Wasser trinken. Frühstück gibt's keins. Dann geh ich auf den Hometrainer, eine halbe Stunde, für Sport ist sonst keine Zeit. Auch im Bad geht's zack zack. Dann steig ich ins Auto, und um sieben bin ich im Büro.

E-Mails checken. Das ist das Allererste, was ich da mache. Überhaupt das A und O. Die Termine vom Tag sind ins Outlook eingetragen, weitere folgen. Nachher geh ich an Sitzungen. Finanzzahlen, Produkte entwickeln, so was steht da an. Die letzten Wochen hat uns die Stadtseilbahn in Bolivien beschäftigt. Wir haben Kabel dahin geliefert. Momentan bieten wir Seile an für ein Riesenrad in New York.

Eurokurs: Sparen ist angesagt

Viel Zeit verbringe ich damit, die Arbeitsprozesse zu verschlanken. Alles muss nicht nur rascher gehen, sondern auch ergiebiger sein. Seit der Aufhebung des Euromindestkurses ist Sparen angesagt. Die Mitbewerber produzieren im Euroland, und das bedeutet zehn Prozent weniger Ertrag pro Auftrag. Schwierig... Ich sehe also zu, dass wir günstiger einkaufen. Die temporäre Arbeitszeit muss ich erhöhen, und wir brauchen mehr Aufträge.

Mein oberstes Ziel ist die Mannschaft zu behalten. Hundert Leute arbeiten hier im Familienbetrieb, die meisten kenn ich schon lange. Ich will etwas mit ihnen aufbauen. Und die Mitarbeiter wollen jemanden, der sie führt, der weiss, wo's langgeht, und sie miteinbezieht.

Klar ist das eine Herausforderung, das Programm straff. Aber wir müssen rentieren, auch, weil wir bald ins Industriequartier Hof ziehen. Ausserdem habe ich mein ganzes Leben schon gebaut. Seit 36 Jahren bin ich nun hier bei der Fatzer.

Ein Zmittag in Arbon

Nach allem Einschätzen und Entscheiden ist schon bald Mittag. Ich fahre mit dem Auto nach Arbon, nach Hause zu meiner Frau. Da haben wir eine Dreiviertelstunde für ein Menu und ein gutes Gespräch. Meistens sind wir am Organisieren. Was läuft am Wochenende? Wo hast du Lust hin zu gehn?

Mit Cornelia «zmittägle» ich zwei- dreimal die Woche, an anderen Tagen bei Kunden und in Romanshorn. Dann bei einem einfachen Essen in Restaurants am See. Bald öffnet ja die Hafenplattform. Darauf freu ich mich.

Die Viertelstunde zurück ins Büro geniesse ich. Im Auto bin ich allein. Habe Zeit den Kopf zu leeren, zu sortieren und zu ordnen, was morgens geschah. Und um den Nachmittag aufzugleisen. Um 13.30 Uhr ist der nächste Termin, meist wieder eine Sitzung, mit diskutieren, analysieren, entscheiden, und so geht's weiter.

Abends bin ich oft der Letzte, der geht. Zwischen sechs und sieben verlass ich die Fatzer. Das ist gut, dann ist der Verkehr vorbei. Ein- bis zweimal die Woche gehe ich weiter an auswärtige Sitzungen, etwa zur Raiffeisen, wo ich VR bin.

Sie kocht besser, ich grilliere

Bin ich zu Hause, gibt's ausgiebig Znacht. Meine Frau kocht, denn sie kocht besser. Dafür bin ich der Chef am Grill. Alles kommt drauf, nicht nur Fleisch. Auch Wein gehört dazu. Wir leeren zu zweit schon mal eine Flasche. Ich denke, das wiegt das fehlende Frühstück auf. Erholsam ist's auch.

Wenn ich zwischendurch abschalten will, bin ich bei der Familie, mache eine Velotour oder gehe spazieren am Arboner Quai. Wenn ich richtig abschalten will, gehe ich für ein paar Tage weg in den Piemont. Bei freien Tagen bin ich konsequent. Wenn ich Ferien habe, hab ich Ferien. Da gibt's keine Fatzer. Ausser im Notfall.

Bild: Aufgezeichnet hat Tanja von Arx

Bild: Aufgezeichnet hat Tanja von Arx