Revolverküche – dann Gottesdienstsaal

Heute Freitag startet der Filmsommer im Open-Air-Kino am Quai. Neben dem Saisonkino gibt es mit dem Kulturcinema in Arbon noch ein Nischenkino, das Studiofilme zeigt. Einst hatte es in der Stadt gar vier Kinosäle gegeben.

Max Eichenberger
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Heute Freitag startet der Filmsommer im Open-Air-Kino am Quai. Neben dem Saisonkino gibt es mit dem Kulturcinema in Arbon noch ein Nischenkino, das Studiofilme zeigt. Einst hatte es in der Stadt gar vier Kinosäle gegeben.

Neben Tanzveranstaltungen gab es im Saal des ehemaligen Hotels Baer-au-Lac, das dort stand, wo heute das «Metropol» noch steht, regelmässige Filmvorführungen. Der Saal wurde auch als Kinosaal gestuhlt. Konsumation war üblich, während die Filmspulen abliefen. Wo die Heilsarmee Gottesdienste abgehalten und eine Brockenstube betrieben hatte, an der St. Gallerstrasse 14a, war einst viel geballert worden: auf der Leinwand. Im Kino Orient waren meist Actionfilme angesagt.

TV und St. Galler Konkurrenz

Revolverhelden gaben sich ein Stelldichein. So kam das «Orient» zu seinem Übernamen: die Grossväter gingen in die Revolverküche, ehe dort die Nächstenliebe einkehrte. In Arbon geisselte zu jener Zeit die Kirche den Kinobesuch als sündhaft. Gegenüber dem Musikzentrum an der Brühlstrasse hatten Filmfreunde noch eine weitere Kinoadresse. Wo sich heute das private Alters- und Pflegeheim National befindet, flimmerten im «Scala» bis in die Sechzigerjahre Filme über die Leinwand. Nach «Doktor Schiwago» kam dann das Aus: als die Farbfernseher ihren Siegeszug antraten und in der Metropole St. Gallen das Kinoangebot immer grösser wurde.

Als letztes Kino verblieb noch einige Jahre das «Capitol» an der Bahnhofstrasse – neben der alten Migros. Auch dessen Betreiber tat sich zunehmend schwer: von den Verleihern bekam er oft zweitklassige Filme – und Kassenschlager erst, als sie in den grossen Kinos schon gelaufen waren. 1979 musste die Kinostätte dem Erweiterungsbau des Modegeschäfts Bonsaver im «Metropol»-Center weichen. Sie wurde abgebrochen. Pläne des Betreibers, im Bergli zwei kleine Kinosäle in einer alten Stickereifabrik zu realisieren, scheiterten. Es gab Einsprachen – auch von der Schulgemeinde. Sie wollte kein Kino neben dem Berglischulhaus.

Sommer- und Nischenkino

Ohne Kino ist Arbon heute aber nicht: Seit 2002 betreiben Kaspar und Claudia Lämmler an der Farbgasse, am Rande der Altstadt, ihr Kulturcinema: in der früheren Druckerei des «Oberthurgauers», deren Gebäude zwischenzeitlich ein Velohändler genutzt hatte. Sie besetzen eine Nische und zeigen vor allem Studiofilme.

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